Clare Egan: Das Sprachtalent unter den Biathleten

Clare Egan: Das Sprachtalent unter den Biathleten

Die US-Amerikanerin Clare Egan kann sich mit vielen Athleten im Weltcup in deren Muttersprache unterhalten: Die Linguistin aus Leidenschaft spricht sechs Sprachen! Seit Neuestem steht auch Koreanisch auf ihrer Fähigkeitenliste, das Egan in Vorbereitung auf die Olympiade in Pyeongchang lernt. Nachdem sie ihren Masterabschluss in Linguistik erworben hatte, suchte sich Egan neue sprachliche Herausforderungen. Seitdem ist die Biathlonfamilie mit ihren Mitgliedern aus allen Teilen der Welt und den internationalen Mitarbeitern im US-Team ihre neue Sprachschule geworden.

BW: Warum haben Sie mit dem Sprachenlernen begonnen?

CE: Seit ich denken kann, liebe ich es, neue Sprachen zu lernen. Sie haben mich schon immer fasziniert. Als ich 10 Jahre alt war, ist meine Familie nach Puerto Rico in den Urlaub gefahren – eine Insel nahe den USA, auf der Spanisch gesprochen wird. Ich fand es so cool, eine andere Sprache zu hören. Meine Heimat (Maine, USA) ist sehr homogen, sodass um einen herum kaum andere Sprachen gesprochen werden. Fremdsprachen haben mich schon immer angezogen. Als ich 16 war, machte ich ein Auslandsjahr in Chile und lernte dort Spanisch. Französisch habe ich schon in der Schule gelernt, da Maine nicht sehr weit entfernt von Quebec liegt, der französischsprachigen Provinz in Kanada. An der Universität habe ich dann Italienisch und Deutsch studiert und ein Semester im schweizerischen Freiburg verbracht, wo beide Sprachen gesprochen werden.
Und dann wollte ich unbedingt noch eine neue Sprache lernen. Da der Weltcup in Pyeongchang anstand und wir straff auf die Olympischen Spiele 2018 in Korea zusteuern, dachte ich mir: Warum nicht einfach Koreanisch?!

Clare Egan: Das Sprachtalent unter den Biathleten

BW: Und wie haben Sie das angestellt?

CE: Ich lebe in einer sehr kleinen Stadt, wo keine Koreanischkurse angeboten werden. Also kaufte ich mir Lehrbücher für Universitätsstudenten und fand auch einen kostenlosen Anfängerkurs im Internet. Ich habe mir Audioprogramme angehört und zuerst das koreanische Alphabet gelernt – das ist gar nicht mal so schwer. Ich kann jetzt Koreanisch ziemlich gut lesen, aber da ich leider mit niemandem Koreanisch sprechen kann, ist der mündliche Teil der schwierigste für mich. Ich wünschte, ich hätte einen Lehrer und könnte einen Kurs besuchen, um mich mit anderen Teilnehmern zu unterhalten. Aber ich lerne fleißig weiter und kann im nächsten Jahr hoffentlich schon mehr Vokabeln als Annyeonghaseyo (hallo) und mannaso pankawayo (schön, dich kennenzulernen). Das Tolle am Biathlon ist, dass ich meine Sprachkenntnisse mit Athleten aus der ganzen Welt üben und verbessern kann.

BW: Haben Sie schon probiert, Koreanisch mit der koreanischen Mannschaft zu sprechen?

CE: Ja, das habe ich, und ich war sehr nervös (lacht). Ich habe einige auf Koreanisch begrüßt oder über das Wetter geredet. Auch während des Weltcups in Korea habe ich meine Startnummer auf Koreanisch gesagt, als wir danach gefragt wurden. Ich glaube, dass die Freiwilligen Helfer das gut fanden.

BW: Wie schaffen Sie es, Ihr Hobby mit Biathlon unter einen Hut zu bringen?

CE: Ich habe an der Universität New Hampshire meinen Masterabschluss gemacht und bin dort auch für die Skimannschaft gestartet. Das hat es mir ermöglicht, zwei Dinge auf einmal zu tun: Sprachen zu lernen und zu trainieren.

Für unseren Job als Athleten müssen wir physische Leistungen erbringen. Da ist es von Vorteil, ein Hobby zu haben, das mentale Leistungen abverlangt. Etwas, bei dem man sich hinsetzen und das Gehirn trainieren kann, nicht den Körper. Neues zu lernen ist für mich keine lästige Pflicht. Ich denke, dass meine Deutsch-, Italienisch- und Französischkenntnisse mir dabei geholfen haben, so viele unterschiedliche Athleten im Weltcup kennenzulernen.

BW: Lernen Sie nach Pyeongchang als nächstes Chinesisch für Peking 2020?

CE: Ich glaube nicht (lacht). Ich habe Koreanisch wegen des Alphabets gelernt. Wie im Englischen kann man sich einfach Buchstaben einprägen. Im Chinesischen gibt es über 5000 Zeichen und man muss sehr ausdauernd sein, um diese Sprache zu lernen. Ein Teil von mir will außerdem Russisch lernen, aber ich glaube, dass Koreanisch und Russisch zur selben Zeit wahrscheinlich zu viel des Guten wären.

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