Coach's Corner: Gerald Hönig aus Deutschland

Coach's Corner: Gerald Hönig aus Deutschland

Der Weg nach Pyeongchang hat nicht erst diesen Sommer begonnen. Die Teams sind bereits seit Jahren in ihren Vorbereitungen unterwegs in Richtung der Olympischen Winterspiele 2018. In vielen Fällen wurden langfristig Pläne geschmiedet, um sukzessive zum Highlight des nächsten Winters hin aufzubauen und die Athleten Jahr für Jahr nach vorne zu bringen. In dieser Ausgabe der "Coach's Corner" spricht Gerald Hönig, Bundesnationaltrainer der Biathletinnen aus Deutschland, über die Vorbereitungen auf die nächste Saison nach einem erfolgreichen Winter 2016-2017.

Coach's Corner: Gerald Hönig aus Deutschland

Weiter nach bewährtem Rezept

Letzte Saison haben die Deutschen Biathletinnen groß aufgetrumpft. Laura Dahlmeier dominierte die IBU Weltmeisterschaften in Hochfilzen und gewann sensationelle fünf Goldmedaillen. Aber nicht nur die 23-Jährige erlebte einen hervorragenden Winter. Das gesamte Team rief starke Leistungen ab. Nadine Horchler gewann ihr ersten Weltcup-Rennen in Antholz - unterdessen waren Franziska Hildebrand, Maren Hammerschmidt und Vanessa Hinz nicht nur über den Weltcup-Winter hinweg solide, sondern bildete auch einen wichtigen Bestandteil für die ungeschlagene Frauenstaffel der vergangenen Saison. Die olympischen Spiele stehen in der nächsten Saison an und die Erwartungshaltung ist hoch - doch Gerald Hönig bewahrt einen realistischen Blick auf die anstehenden Monate.

"Ich denke einmal wir wären nicht gut beraten, wenn wir uns jetzt immer wieder vor Augen halten würden, dass die Olympia-Saison eine besondere Saison ist. Wir haben uns vor drei Jahren hingesetzt und mit dieser junge Frauenmannschaft ein Konzept erstellt und gesagt: 'Was nehmen wir und vor und wo sind wir von der Alters-Spezifik her? Was können wir den Mädels zumuten, wie können wir über den Vier-Jahreszyklus bis zu den nächsten olympischen Spielen die Belastung steigern, die Anforderungen steigern und dann auch auf einer verbesserten Basis. Diesen Weg versuchen wir eigentlich kontinuierlich weiter zu verfolgen", erklärte der Deutsche Nationaltrainer der Biathletinnen.

Kreativität und Strukturen

Über viele Jahre hinweg hat Deutschland ein  bestens funktionierendes System mit verschiedenen Stützpunkten im gesamten Land aufgebaut. Alle Stützpunkte verfügen über gut ausgebildete Trainer und hervorragende Trainingsbedingungen. Selbstverständlich gibt es ein übergeordnetes Gesamtkonzept für die Mannschaften, aber das Set-Up erlaubt es, weniger nationale Lehrgänge durchzuführen und den Fokus auch auf die individuelle Unterstützung zu legen. Gerade deswegen hat die Absprache und Kommunikation hat einen großen Stellenwert.

"Die Kommunikation ist sehr eng und das muss sie auch sein. Wir sind ständig in Kontakt mit den Trainern in Ruhpolding - da bin ich sowieso eng in Kontakt, weil Tobias Reiter als Co-Trainer der Nationalmannschaft auch den Großteil der Nationalmannschaft an seinem Stützpunkt hat und auch mit Bernhard Kröll ist regelmäßig Kontakt. Wie geht es Laura Dahlmeier? Wie geht es Nadine Horchler? Ich denke, das ist ganz wichtig und das ist eine entscheidende Basis, dass einerseits die Freiräume der Stützpunkt-Trainer da sind, um das Training methodisch und logistisch zu planen und dort auch kreativ zu sein, aber es gehört auch eine gewisse Abstimmung darüber", führte Hönig fort.

Die Balance zwischen dem Hinarbeiten auf die gleichen Ziele, einem insgesamt stimmigen Grundkonzept und der Freiheit für die Trainer, innovativ zu arbeiten, muss stimmen.

"Ich glaube, das ist momentan das, was in Deutschland unglaublich gut läuft und was eine entscheidende Basis des Erfolgs ist."

Keine Biathletin ist wie die andere

Es bleiben zwar noch mehr als drei Monate bis zum Start der 2017-2018 BMW IBU Weltcup Saison in Östersund, aber die Athleten werden bestätigen, dass diese Wochen wie im Flug vergehen werden. Das Sommertraining nimmt im August weiter Fahrt auf. Auch wenn es natürlich ein Grundkonzept des Trainings gibt, so muss dieses auf jeden Biathleten oder jede Biathletin abgestimmt werden.

"Wir haben ein Grundkonzept, wir haben eine Vorgehensweise, wir haben eine grobe Jahresplanung und dann kommen die individuellen Besonderheiten dazu - mitunter gezwungenermaßen, weil mal irgendwo etwas nicht läuft, wenn es mal zu einem Infekt kommt, wenn es zu einer Verletzung kommt, so muss man dann individuelle Schwerpunkte setzen. Aber auch ganz einfach aus Trainings-methodischer Sicht: wir haben Athleten, die sehr schnell auf Krafttraining, auf Schnelligkeitstraining reagieren - für die bedarf es dann ein anderes Verhältnis zwischen extensiven und intensiven Trainingseinheiten als bei einer Athletin, die unheimlich belastbar ist im Langzeit- und Ausdauer-Bereich. Dort macht man auf jeden Fall methodische Unterschiede. Und was ganz wichtig ist, dass wir uns vor und nach den den Lehrgängen der Nationalmannschaft immer wieder mit den Stützpunkttrainern abstimmen."

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"Auf einem guten Weg"

Es dauert noch etwas mehr als sechs Monate bis zum Start der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang und die Vorbereitungen in allen Sportarten schreiten voran, bis das Olympische Feuer in Südkorea entzündet wird. Aber nur oder gerade weil es ein olympisches Jahr ist, hat Hönig nicht vor, am bewährten Rezept vergangener Jahre viel zu ändern.

"Natürlich arbeiten wir auf der Basis von dem, was in den letzten Jahren gut gelaufen ist - und ich glaube, da waren wir auf einem guten Weg. Es ist uns gelungen, im Großen und Ganzen individuell zu verbessern und mit diesem Wissen werden wir weiter arbeiten. Ich glaube es wäre nicht so gut, dann immer wieder [den Fokus auf Pyeongchang] zu legen und zu sagen 'Dieses Jahr müssen wir ganz gut sein und dieses Jahr ist etwas Besonderes, weil ja olympische Spiele sind'. Wir haben uns mit den Ergebnissen der letzten Jahre eine Vorgabe gegeben, die zu wiederholen auch nicht ganz einfach ist und davon soll auch nicht jeder ausgehen", sagte Hönig mit einem abschließenden Lächeln.

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