Darya Domracheva: Biathletin und … Designerin

Darya Domracheva: Biathletin und … Designerin

Die dreimalige Olympiasiegerin Darya Domracheva aus Weißrussland hat die Saison 2015/16 eine Schwangerschaftspause eingelegt, bevor sie Töchterchen Xenia zur Welt brachte. Nun hat sich herausgestellt, dass die Ruhe dem 30-jährigen Biathlonstar sehr gut getan hat. Letzte Saison kam sie furios zurück und gewann eine Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften in Hochfilzen. Während ihrer Pause hat sie außerdem genügend Energie gesammelt, um ein neues Hobby voranzutreiben: Im September 2016 brachte Domracheva ihre eigene Kleidungskollektion heraus und eröffnete einen Onlineshop für Fans auf der ganzen Welt. Die frischgebackene Designerin sprach mit Biathlonworld über ihre kreative Arbeit und die Herausforderungen einer eigenen Marke.

BW: Wie sind Sie zum Modedesign gekommen?

DD: Brainstorming und das Weiterentwickeln kreativer Ideen hat mir schon immer Spaß gemacht. Meine Eltern sind Architekten und sie haben mein Kunstinteresse geweckt. Daher ist es nicht überraschend, dass ich es mag, neue Dinge zu kreieren. Warum ich gerade Modedesign gewählt habe? Vielleicht weil eine solche Kollektion ein Geschenk für meine Fans sein könnte, die mich im Biathlonzirkus vermisst haben. Ich wollte meinem Trainingsoutfit eine persönliche Note verleihen. Außerdem wollte ich etwas erschaffen, dass die Menschen motiviert, mehr Sport zu treiben und ihre persönlichen Bestleistungen zu unterbieten.

Ich hoffe, dass ein T-Shirt mit meinem Bild oder ein Stirnband mit einem Biathlonmuster jemanden dazu antreiben kann, einen Kilometer mehr zu laufen oder Frühsport zu machen. Und ich wäre sehr stolz und glücklich, wenn jemand anfängt, morgens zu joggen, nachdem er ein kleines Sportaccessoire gekauft hat, und dann vielleicht sogar zum Profisport wechselt. Training macht Spaß, wenn das, was man trägt, einem Selbstbewusstsein verleiht.

BW: Haben Sie Design studiert? Was hat Sie beim Kreieren der Kollektion inspiriert?

DD: Ich habe kein Designstudium absolviert, aber ich kann ganz gut mit dem Computer umgehen und weiß, wie ich die Designergebnisse erreiche, die ich möchte. Das hat mir ein Stück weit dabei geholfen, meine Ideen Designern schmackhaft zu machen, die ich für dieses Projekt zu einer Zusammenarbeit eingeladen habe. Beim Entwerfen meiner Kollektion wurde ich davon inspiriert, dass ich meine eigenen Kreationen bei meinem Training tragen könnte. Ich fand es auch eine coole Idee, dass ich meine Fans vielleicht durch ein T-Shirt in leuchtenden Farben oder einen vom Biathlon inspirierten Hut auf der Tribüne besser sehen könnte. Sie können meine Kollektion in meinem Internetshop finden: www.shop.daryadomracheva.by.

Darya Domracheva: Biathletin und … Designerin

BW: Welchen Herausforderungen mussten Sie sich beim Entwerfen Ihrer Kollektion stellen? Welchen Rat würden Sie angehenden Designern mit auf den Weg geben?

DD: Welchen Rat... Es ist immer einfach, Ratschläge zu erteilen. Es gibt so viele talentierte Menschen auf dieser Welt, aber die meisten warten auf ewig auf perfekte Bedingungen. Windstille, eine bestimmte Sternenkonstellation oder eine Inspiration. Aber das sind nur Ausreden! Es wird keine perfekten Bedingungen geben und die beste Zeit, etwas zu beginnen, ist genau jetzt. Wenn man etwas möchte, muss man es einfach ausprobieren. Ja, natürlich wird man Fehler machen und Probleme überwinden müssen. Aber so etwas kommt immer vor. Wenn man für etwas brennt, dann sollte man noch heute anfangen, seinen Traum zu verwirklichen!

Viele Herausforderungen, denen ich mich beim Entwerfen meiner Kollektion stellen musste, kamen vollkommen unerwartet. Der gesamte Prozess dauerte viel länger als gedacht. Mir schwebte zum Beispiel ein T-Shirt vor, aber am Computer und in der Produktion funktionierte es nicht so, wie ich wollte – „Erwartung vs. Realität“. Man hat eine Idee und ein Modell, aber dann kommt noch das Bedrucken des Stoffs, Schablonen, Abgabetermine und weitere 1000 Details hinzu. Aber ich habe keine Angst. Ich bin froh, dass ich damit begonnen habe. Ich entwickle mich gern weiter und erwecke neue Ideen zum Leben. Und wenn die Menschen sie mögen, würde mich das sehr glücklich machen.

Darya Domracheva: Biathletin und … Designerin

BW: Hatten Sie ein Auge auf die Modetrends in Weißrussland, um die Kollektion auf Ihre Zielgruppe zuzuschneiden? Unterscheidet sich die Mode in Weißrussland von der in Westeuropa?

DD: Alle Menschen sind verschieden. Und sie kleiden sich unterschiedlich. Wir haben jetzt auch Internet und können alle Trends live verfolgen.

Aber mir kommt es so vor, als wären die Weißrussen etwas konservativer. Man sieht, dass sie sehr auf ihr äußeres Erscheinungsbild achten. Aber ich finde es schön, dass mehr und mehr raffinierte Details auftauchen und sich die Leute auf der Straße anders kleiden. Ich persönlich trage am liebsten legere Kleidung im Alltag, aber wenn es einen bestimmten Anlass gibt, ziehe ich gern ein schönes Kleid an.

BW: Modedesign ist aber nicht alles, was Sie angepackt haben. Am Anfang des Jahres haben Sie der Öffentlichkeit Ihr Skistockprojekt präsentiert. Was wird Darya Domracheva noch herausbringen?

DD: Neben Skistöcken und Kleidung habe ich während meiner Pause auch Fitnesstracker für Ole Einar Björndalen entworfen. Die besten Ideen kommen mir meistens, wenn ich unterwegs bin. Die erste Zeichnung habe ich auf meinem Handy auf dem Weg von Oslo nach Minsk erstellt. Nun liegen wieder viele Reisen vor mir, daher wird es mir an Ideen wohl nicht mangeln. Trotzdem möchte ich mich auf den Sport konzentrieren. Die Kreativarbeit dient nur der Entspannung und ich widme mich ihr erst, wenn etwas Zeit neben dem Sport erübrigen kann.

BW: Wollen Sie Ihr Hobby fortführen? Können die Fans sich schon bald auf eine neue Kollektion freuen?

DD: Ja, natürlich. Ich habe schon viele neue Ideen und Pläne für meine neue Kollektion.

Фото: Данил Анохин, Евгений Тумашов

Интервью: журнал Биатлон, белорусская федерация биатлона

Top