Das Schönste am Biathlon

Das Schönste am Biathlon

In Zeiten, in denen kaum eine ruhige Minute zum Nachdenken bleibt, in denen man die neuesten Nachrichten überall und sofort erfährt und jeder nach mehr Aufmerksamkeit, mehr Geld, mehr Berühmtheit und mehr Likes strebt, behauptet sich der von Natur aus eher bescheidene Sport Biathlon gegenüber der Konkurrenz. Die unabhängigen Anfänge der IBU überschnitten sich mit den unabhängigen Anfängen einiger anderer erfolgreicher Wettbewerbsserien im Sport (wie ATP) und tiefgreifender Entscheidungen, die die Natur mancher Sportarten für immer veränderten (wie die Bosman-Entscheidung im Fußball). Der eingeschlagene Weg mag sich von anderen Sportarten unterscheiden, doch ist er nicht minder faszinierend.

Mit der vorhersehbaren – niemals zu langen – Dauer eines jeden Wettkampfes und seinem dennoch vollkommen unberechenbaren Ausgang hat sich Biathlon in unserer digitalen Zeit als eine der beliebtesten Fernsehsportarten durchgesetzt. Über die vergangenen Jahre hat sich die Aufmerksamkeitsdauer der Zuschauer enorm verkürzt, doch Biathlon hat es geschafft, Alt und Jung wieder und wieder und wieder zu begeistern. Es kommt einem manchmal so vor, als hätte jemand die Regeln des Biathlonsports extra für das digitale Zeitalter erschaffen, zusammen mit einer Masse an interessanten geschichtlichen Fakten. Dank dieser Fähigkeit, Interesse fast auf Knopfdruck zu wecken, schlagen die Zuschauerzahlen im Biathlonsport auf den größten und reichsten Märkten (z. B. Deutschland) alle anderen Wintersportarten und entsprechen (oder übertreffen sogar) bisweilen den König aller Sportarten: Fußball. 

Die Biathleten haben die bescheidenen Anfänge der IBU und ihres Sports miterlebt und werden scheinbar nicht von Geld angetrieben. Es scheint manchmal seltsam, doch gleichzeitig umso schöner, wahrer und näher an den olympischen Werten: Gib dein Bestes und du wirst sehen, welche Belohnung(en) das Leben für dich bereithält. In keiner anderen Sportart tauschen die größten Stars mehr Erfolge, mehr Aufmerksamkeit und mehr Geld gern gegen die Abgeschiedenheit und Ruhe der Berge ein. Laura Dahlmeier würde das jeden Tag tun. Und in keiner anderen Sportart helfen sich nicht nur die ärgsten Konkurrenten untereinander, sondern helfen auch die Trainer dieser Athleten in der Hitze des Gefechts dem Starathleten der anderen Mannschaft. Sucht man Fairplay, findet man es im Biathlonsport – und zwar jeden Tag.

Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick auf die Biathlonfans: Natürlich kommen sie wegen des Sports, aber auch, um miteinander eine schöne Zeit zu verbringen und neue Freundschaften zu schließen. Diese Freundschaften hängen nicht davon ab, welche Mannschaft oder welchen Athleten man unterstützt. Sie basiert allein darauf, dass man die schönen Dinge im Leben miteinander teilt: Sport, gutes Essen, leckere Getränke, gute Stimmung, nette Menschen. Und das ist vielleicht das Schönste überhaupt am Biathlonsport.

Das Schönste am Biathlon

Biathlon ist eine der wenigen – wenn nicht gar die einzige aller – Sportarten, wo dramatische Szenen allein durch die Natur der Wettkämpfe an sich und nicht nur durch die berühmten Namen der erfolgreichsten Sportler oder Mannschaften garantiert werden. Gleichzeitig hat Biathlon einige der größten Champions der Wintersportgeschichte hervorgebracht: Während sich Rafael Nadal und Roger Federer auf dem Tenniscourt duellieren, sich LeBron James und Stephan Curry im Basketball zu übertrumpfen versuchen und sich Christiano Ronaldo und Lionel Messi auf dem Fußballplatz nichts schenken, haben sich Ole Einar Björndalen und Martin Fourcade unvergessliche Gefechte in der Loipe und am Schießstand geliefert. Sie halfen dabei, Beständigkeit und das ewige Streben der Athleten nach einem gesunden und optimal leistungsfähigen Körper und Geist neu zu definieren.

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