Der Zieleinlauf: Fäuste, Fahnen und Gefühle

Der Zieleinlauf: Fäuste, Fahnen und Gefühle

Als Erster die Ziellinie zu überqueren ist etwas Besonderes. In einem Foto-Finish einen Rivalen zu besiegen, das ist noch ein Stückchen besser, genauso wie der unvergessliche erste Podestplatz. Jeder Athlet reagiert im Ziel anders. Manch einer reckt die Siegerfaust in den Himmel, andere reißen die Skistöcke über den Kopf, strahlen bis über beide Ohren oder ziehen vor lauter Überschwang eine Grimasse. In der letzten Saison war von allem etwas dabei.

Der Zieleinlauf: Fäuste, Fahnen und Gefühle
Der Zieleinlauf: Fäuste, Fahnen und Gefühle

Martin und Laura

Martin Fourcade und Laura Dahlmeier waren natürlich die großen Gewinner der letzten Saison und bei ihren Siegen oft uneinholbar. Sie siegten mit solcher Leichtigkeit, dass sie den Zieleinlauf meist gut planen konnten und passend auf der Ziellinie mit einem Lächeln in Siegerpose die Skistöcke hoben. Übung macht bekanntermaßen den Meister, und die beiden inzwischen klare Meister des Zieleinlaufs. Ab und an jedoch zeigen auch die Profis mal Gefühle. Bei Fourcade sah man das in der Verfolgung von Pyeongchang, seinem sechsten Verfolgungssieg in Folge. Ähnlich war Dahlmeier völlig euphorisch, als sie sich im Massenstart von Hochfilzen die sechste Goldmedaille gesichert hatte.

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Gabi und Kaisa

Hinter diesen beiden haben wohl Gabriela Koukalová und Kaisa Mäkäräinen am meisten Erfahrung auf der Ziellinie; sie haben 17 und 21 Siege auf ihrem jeweiligen Konto... und noch mehr Podestplätze. Jeder kennt das „Kaisa Finnish“, Kaisas finnischen Zieleinlauf mit Skistöcken auf Schulterhöhe und einem lässigen Ausgleiten über die Ziellinie.

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Koukalová hingegen ist immer für große Gefühle zu haben. Ihr Markenzeichen ist ein hochgereckter Skistock, ein strahlendes Lächeln, das Winken zum Publikum, doch in der letzten Saison warf sie dem Publikum außerdem Kusshände zu, paddelte in Oberhof mit beiden Stöcken über die Ziellinie, und dann war da noch der völlig ungläubige Gesichtsausdruck, als sie in Hochfilzen Sprintgold gewann.

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Foto-Finish-Simon

Simon Schempp könnte man nach der letzten Saison glatt zu „Foto-Finish-Simon“ umtaufen. Im Laufe der Saison ließ der Massenstart-Weltmeister sich gleich dreimal auf der Ziellinie ablichten. Erst schob sich Quentin Fillon Maillet in der Verfolgung von Nove Mesto um eine Skispitzenlänge an ihm vorbei auf Platz drei, dann gelang Schempp der große Massenstartsieg in Oberhof vor Fourcade und Erik Lesser, und dann war da noch der gerutschte, ins Ziel geschlidderte Staffelsieg vor dem verdutzten Emil Hegle Svendsen in Antholz. Im WM-Massenstart kam Schempp glücklicherweise ohne Zielfoto aus und kam mit einem für ihn deutlichen Vorsprung von 9 Sekunden ins Ziel.

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Mit Fahne

Die meisten der großen Stars haben sich irgendwann einmal eine Fahne von einem Fan gegriffen und sind damit ins Ziel eingelaufen. Anton Shipulin hatte einen der besten Zieleinläufe mit Fahne bei der IBU WM, als er mit deutlicher Führung vor seinem alten Rivalen Fourcade und der russischen Fahne fest im Griff in der Herrenstaffel auf die Zielgerade einlaufen konnte. Der emotionalste Zieleinlauf mit Fahne in der Saison 2016-17 war jedoch sicher der von Tiril Eckhoff beim Weltcup in Oslo. Nach einem frustrierenden Jahr konnte die Sprintweltmeisterin 2016 noch einmal zaubern, als sie zur Überraschung des perplexen Massenstartfeldes bei ihrem Heimweltcup den Sieg im letzten Damenwettkampf der Saison abräumte.

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Gefühle im Überfluss

Die Ziellinie ist auch immer im Fokus der Fernsehkameras und Fotografen: Sie versuchen, nicht nur die Gefühle des Siegers gestochen scharf einzufangen, sondern auch die der Athleten, für die ein Traum wahr wird - mag es auch kein Sieg sein. Den Anfang machte hier die Verfolgung der Herren in Östersund, als sich der junge Anton Babikov seinen ersten Sieg überhaupt sichern konnte. Babikovs Jubel im Ziel war eines der Highlights zu Saisonbeginn.

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Hochzufrieden auf Platz sechs

Ein paar Wochen später zeigte sich Michael Rösch wie der Phoenix aus der Asche überwältigt und hochzufrieden mit einem sechsten Platz, seiner besten Platzierung ins sechs Jahren und der besten überhaupt für Belgien. Nicht lange danach sicherte sich Michal Krcmar mit fehlerfreier Leistung in Ruhpolding seinen ersten Podestplatz und war von seinem dritten Platz fast so begeistert wie Babikov vom ersten.

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Lowells Leid und Jubel

Eine der schönsten Geschichten der IBU WM in diesem Jahr war Lowell Baileys erster Sieg und der erste WM-Sieg der USA. Er kämpfte verzweifelt, um seine hauchdünne Führung von 0,1 Sekunden auf den letzten 1100 Metern auszubauen, und am Ende reichten die Kräfte für den Sieg. Schaut man in sein verzerrtes Gesicht beim siegreichen Überqueren der Ziellinie, kann man den Schmerz fast spüren. Der Wechsel zu überschwänglicher Freude dauert allerdings nicht lang, als ihm klar wird, dass er jetzt Weltmeister ist.

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Maris Widmung

In einer spannenden Saison voller Bailey-/Babikov-Momente war auch der ergreifendste Zieleinlauf in Oslo zu sehen. Mari Laukkanen gewann die Verfolgung der Damen, es war ihr zweiter Weltcupsieg. Beim Überqueren der Ziellinie schloss sie die Augen und deutete zum Himmel, um ihren Sieg ihrem Schießtrainer Asko Nuutinen zu widmen, der am Vorabend unerwartet verstorben war. Mit Tränen in den Augen sagte sie: „Unser Schießtrainer ist verstorben. Heute habe ich das gemacht, was er mir beigebracht hat. Ich habe an ihn gedacht; ich möchte ihm diesen Sieg widmen.“ Ein wahrhaft unbeschreiblicher Zieleinlauf.

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