Deutschland ... angeführt von Olympia-Helden

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Kurz vor dem Beginn der neuen Saison ist die absolute Spitzenmannschaft einmal mehr ... Deutschland. Weder in der Herren- noch in der Damenmannschaft hat es nach Olympia Ausstände gegeben, und so sind in den Mannschaftsaufstellungen viele erfolgreiche Olympioniken zu finden.

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In der letzten Saison gewannen die Frauen einmal mehr die Nationenwertung, während die Männer Dritte wurden. Es sind die Ergebnisse einer einzelnen Saison, aber sie sind auch ein weiteres Zeichen der Beständigkeit, die den deutschen Biathlon seit 15 Jahren so erfolgreich macht. Schaut man auf die Zahlen, sind vor allem die Statistiken der Frauenmannschaft unvergleichlich. Die deutschen Damen haben die Nationenwertung insgesamt zehnmal gewonnen und wurden in den restlichen fünf Jahren Zweite. Die Herren gewannen nur zweimal, wurden aber zehnmal Zweite oder Dritte, üblicherweise nach einem Duell um den Spitzenplatz mit Norwegen.

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Das Erfolgsrezept beider Mannschaften ist und bleibt ihre Tiefe mit je acht oder zehn Athletinnen und Athleten in jeder Saison, die auf Weltcup-Niveau antreten und WM-Medaillen gewinnen können. In der letzten Saison schafften es fünf Frauen in die Top 16 der Weltcup-Gesamtwertung, während es vier Männer in die Top 12 schafften. In der zweiten Reihe zeigt sich die Tiefe bei den Damen auch im IBU Cup, wo Karolin Horchler Kristall in der Gesamtwertung holte, während ihre Schwester Nadine Dritte und Luise Kummer Sechste wurde. Alle drei Frauen haben in ihrer Karriere schon im Weltcup auf dem Podest gestanden.

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Laura und Co.​Weltcup-Gesamtwertung der Damen 2018: Platz 4 Laura Dahlmeier, Platz 9 Franziska Hildebrand, Platz 10 Vanessa Hinz, Platz 12 Denise Herrmann, Platz 16 Maren Hammerschmidt und Platz 22 Franziska Preuss.

Dahlmeier ist klar der Kopf der Mannschaft, es ist derzeit allerdings unklar, wann sie in die Saison wird einsteigen können. Im Oktober bekam sie eine Zwangspause verordnet und hat erst vor Kurzem wieder mit leichtem Training begonnen. Die wiederholten Krankheiten und Verletzungen bedeuten vermutlich, dass es keine Überfliegersaison wird wie 2016-17, als sie alles abräumte, was es zu gewinnen gab: 10 Siege, fünfmal Gold und einmal Silber bei der IBU WM und dann noch den Weltcup-Gesamtsieg.

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Schießen besser
In der letzten Saison gewann Dahlmeier, nachdem sie Östersund verpasst hatte, in der restlichen Saison nur viermal: In den Verfolgern von Annecy und Antholz und im olympischen Doppel aus Sprint und Verfolgung. Der Fokus lag auf Pyeongchang, aber das war nicht die Dahlmeier von 2016-17. Ein Trost war, dass sie sich am Schießstand verbessert hatte, von 88 % auf 90 %, mit der deutlichsten Verbesserung im Stehendanschlag, wo 91 % der Scheiben fielen. Von ihrer fantastischen Skigeschwindigkeit war allerdings die ganze Saison über nichts zu sehen.

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Mehr Medaillen?
Die 25-Jährige dürfte angesichts der Zwangspause wohl erst später in der Saison zu Höchstform auflaufen, etwa zur IBU WM im März. Wenn von nun an alles nach Plan läuft, hat sie sicher Medaillenchancen. Von allen Krankheiten mal abgesehen ist sie eine Kämpferin, und ein Blick in die Kristallkugel lässt auf Siege in den Rennen mit vier Schießen tippen: 17 der 21 Siege ihrer Karriere errang sie dort.

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Hildebrand und Hinz

Diese beiden Damen lagen zum Ende der Saison nur 17 Weltcuppunkte auseinander, und doch dürfte ihre Laufbahn sich unterschiedlich entwickeln. Hildebrand wurde zum zweiten Mal in Folge Neunte in der Gesamtwertung, während Hinz nach Platz 19 im Vorjahr und Platz 27 in den vorherigen Saisons den Sprung auf Platz 10 schaffte. Hildebrand ist 31, Hinz gerade einmal 26. Für Hinz beginnen jetzt die goldenen Jahre ihrer Karriere, während es für Hildebrand immer schwerer werden wird, sich weiter zu verbessern. In der letzten Saison stand jede einmal auf dem Podest, Hinz beim ersten Sieg ihrer Karriere im Massenstart von Kontiolahti.

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Ähnlichkeiten

Es gibt aber auch Ähnlichkeiten: Trefferquoten von 85 % bei Hinz und 86 % bei Hildebrand, zuverlässig, aber nicht herausragend. Der Erfolg hängt für dieses Duo von gutem Schießen ab. Bei fehlerfreiem Schießen schafft Hildebrand es in die Top 10. Hinz traf einmal alle Scheiben und gewann gleich das Rennen, während sie es mit einem Fehler fünfmal in die Top 10 schaffte. Keine von beiden wird je die schnellste Frau auf der Strecke sein, aber beide beherrschen ihr Handwerk und liefern meist gute Staffeleinsätze ab. Ebenso wichtig: Beide schafften in der letzten Saison den „Ironman“-Status; sie ließen keinen Wettkampf aus. Diese beiden Veteraninnen sind Teil der fast austauschbaren Tiefe, welche die deutschen Frauen so erfolgreich macht.

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Die nicht so geheime Geheimwaffe Denise Herrmann

Herrmann ist mit zwei Saisons und gerade einmal 37 Starts in ihrer Biathlonkarriere die inzwischen nicht so geheime Geheimwaffe mit der Fähigkeit, praktisch jedes Feld abzuhängen, wenn sie halbwegs trifft. Sie stieg mit drei Siegen in die letzte Saison ein: Der IBU-Cup-Sprint in Sjusjøen und das Sprint/Verfolgungs-Doppel in Östersund, mit 40 Schuss und 36 Treffern deutlich über ihrem Saisondurchschnitt von 80 %. Alle drei Siege gelangen ihr trotz Fehlern vor fehlerfreier Konkurrenz. Die ehemalige Skilangläuferin hat fast allen ihren Rivalinnen mehrere Gänge und ein ordentliches Tempo voraus. Mit noch einer Saison Biathlontraining (vor allem am Schießstand) hat sie hoffentlich an Konstanz gewonnen, was ihr einen steilen Aufstieg hin zu mehreren Podestplätzen und einem Top-5-Platz in der Weltcup-Gesamtwertung einbringen könnte.

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Karolin Horchler und Franziska Preuss
Horchler gewann in der letzten Saison den IBU Cup und bewies ihr Können dann mit den Plätzen 11, 8 und 5 in Tyumen. In diesem Herbst dominierte sie die Deutschen Sommermeisterschaften. Sie dürfte problemlos Maren Hammerschmidt ersetzen, die nach einer OP die ganze Saison aussetzen muss.

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Preuss war wegen wiederholten Verletzungen und Krankheitspausen seit der Saison 2015-16 weg vom Fenster. In Pyeongchang verfehlte sie das Podest dann allerdings mit einem fehlerfreien 4. Platz im 15 km Einzel nur knapp. Bei den Deutschen Sommermeisterschaften fuhr sie gute Ergebnisse ein und scheint bereit zu sein für ein echtes Comeback. Im Liegendanschlag ist sie eine wahre Könnerin mit einer Trefferquote von 92,6 % in den letzten drei Saisons.

Diese sechs Frauen sind die Führungsriege der tiefen deutschen Mannschaft und der Grund, warum es schwer sein wird, Deutschland zu stürzen, selbst wenn Dahlmeier erst verspätet in die Saison einsteigt.

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*Arnd als Anführer der Big Four *​_Weltcup-Gesamtwertung: Platz 4 Arnd Peiffer, Platz 9 Benedikt Doll, Platz 11 Erik Lesser, Platz 12 Simon Schempp, Platz 28 Johannes Kühn _

Peiffer, Schempp, Lesser und Doll sind seit drei Saisons die Gesichter der deutschen Herrenmannschaft. Insgesamt haben sie sechs Einzelmedaillen bei Weltmeisterschaften und Winterspielen, drei Staffelmedaillen, drei Medaillen mit der gemischten Staffel, 29 Einzelpodestplätze im Weltcup und 18 Podestplätze mit der Staffel oder der gemischten Staffel im Weltcup gewonnen. Nicht viele Mannschaften können da mithalten. Sie sind als Einzelathleten erfolgreich, vor allem aber als Mannschaft schwer zu schlagen.

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10 Jahre auf dem Podest
Im letzten Februar übernahm Peiffer mit Sprintgold bei Olympia die Führungsrolle.
Der ruhige, bescheidene Typ, der in jeder Saison ein paarmal auf dem Podest steht, stand plötzlich ganz oben auf der Liste. Mit 31 ist er der Älteste und der Erfahrenste in der Gruppe, der in jeder der letzten zehn Saisons mindestens einmal auf dem Podest gestanden hat. Nur dreimal blieb Peiffer im letzten Jahr fehlerfrei, und schaffte es davon zweimal aufs Podest. Mit seiner Trefferquote von 91 % im Liegendanschlag legt er in jedem Rennen ordentlich vor. Sechsmal schaffte er es auch bei nur einem Fehler im Stehen noch unter die Top 8. Hinzu kommt seine Laufstärke auf der Strecke, und damit die Erfolge. Mit Olympiagold um den Hals ist Peiffer in dieser Saison eine feste Größe. Er mag nicht viele Titel holen, aber er wird wie immer Jagd auf Podestplätze machen.

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Doll: Schnell auf der Strecke

Am Schießstand kann Doll mit Peiffer nicht mithalten. Der 28-Jährige hängt ein Stück hinterher, vor allem im Stehen, wo er bei 75 % zu kämpfen hat. Und doch hat Doll bei immer besseren Leistungen ein Tempo am Leib, mit dem er sich 2017 Sprintgold bei der IBU WM holte, und im letzten Winter eine olympische Bronzemedaille in der Verfolgung. Sein Stil auf der Strecke mag optisch nicht gerade ansprechend sein, aber sein Tempo gibt ihm Recht, und manchmal ist das alles, was zählt. Mit fünfeinhalb Jahren im IBU Cup vor dem Aufstieg in die Weltcup-Mannschaft 2015 hat er sein Lehrgeld gezahlt - und seitdem nie zurückgeschaut. Ein paar Treffer mehr, und der Biathlet/Koch könnte in dieser Saison problemlos doppelt so viele Podestplätze im Weltcup einfahren.

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Erik, der Fels in der Brandung

Lesser ist wie Peiffer eine Bank, der zuverlässig in jeder Saison einen oder zwei Podestplätze erkämpft. Auch wenn er in seiner Laufbahn nur zwei Siege errungen hat, war einer davon immerhin ein IBU-WM-Titel in Kontiolahti. Der 30-Jährige ist wie sein Mannschaftskamerad ein As im Liegendschießen und hat in den letzten drei Saisons 92,3 % seiner Scheiben getroffen. Sein 11. Platz in der Weltcup-Gesamtwertung der letzten Saison ist eine Fortsetzung der vorherigen Platzierungen 10, 14 und 10. Von Lesser ist nichts besonders Auffälliges zu erwarten, es sei denn, man stellt ihm eine Frage. Dann gibt er grinsend eine humorvolle, pointierte Antwort und macht sich ungerührt wieder an die Arbeit. Der Erfolg der Big Four ist zu einem großen Teil seinen zuverlässigen Leistungen zu verdanken. Jede Mannschaft braucht einen Fels in der Brandung.

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Schempps beachtliche Erfolgsbilanz
Schempp hat mit 12 Weltcupsiegen, 12 zweiten Plätzen und 2 dritten Plätzen sowie IBU-WM-Gold im Massenstart und olympischem Massenstart-Silber von allen deutschen Männern die beachtlichste Erfolgsbilanz. In der letzten Saison kam er allerdings nicht so recht in Schwung, blieb nur in Annecy einmal fehlerfrei und wurde 4. im Sprint.  Seine Trefferquote fiel von 88 % in der Vorsaison auf 81 %. Es lief einfach nicht so recht für den sympathischen Schempp ... bis zum Massenstart von Pyeongchang. Auf der letzten 3-km-Runde duellierte er sich mit seinem guten Freund Martin Fourcade bis zum letzten Hechtsprung über die Ziellinie, mit dem Fourcade Gold holte und Schempp seine erste Einzelmedaille bei Olympischen Spielen.

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Wegen einer gebrochenen Schulter konnte er im Mai nur eingeschränkt trainieren, ist aber inzwischen vollkommen wiederhergestellt. Seine Chancen stehen gut, wenn seine Schießleistungen wieder das Niveau von 2015-16 erreichen, als er sechsmal fehlerfrei blieb und sich damit fünf Siege und insgesamt zehn Podestplätze sicherte. Mit einem solchen Leistungsniveau dürfte dieses Quartett in der kommenden Saison noch mehr Podestplätze und Medaillen absahnen.

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Angesichts der Namen, der Vorgeschichte und des Potentials ist klar, dass die deutschen Frauen und Männer wohl auch in dieser Saison wieder die Top-Mannschaft im BMW IBU Weltcup sein werden.

Photos: IBU/Christian Manzoni, Evgeny Tumashov, Jerry Kokesh

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