Dominik Windischs olympische Medaille: Erfolg teilen, Nachwuchs inspirieren und... ein besonderer Ring

Dominik Windischs olympische Medaille: Erfolg teilen, Nachwuchs inspirieren und... ein besonderer Ring

Vor den Olympischen Winterspielen 2018 stand Dominik Windisch nicht besonders unter Druck. Seine Saison war nicht eben herausragend, ein 7. und ein 9. Platz beim BMW IBU Weltcup in Le Grand Bornand im Dezember waren die einzigen Höhepunkte gewesen. Mit dem Schießen lief es nicht so, dafür aber auf der Strecke, und damit war immerhin das Potential dafür da, dass es doch mal ein gutes Resultat gibt. Das gab es dann auch. Er gewann gleich zu Beginn im 10 km Sprint der Herren Bronze und führte danach als Schlussläufer die italienische gemischte Staffel zu Bronze. Seither hat sich sein Leben grundlegend verändert, aber „ich bin immer noch der Gleiche wie vorher, das ist sicher!“

Der erfahrene italienische Biathlet ist ein hervorragendes Beispiel für #UnitedBy, bringt den olympischen Geist und die Ideale mit in seine Heimat und verbreitet sie dort durch Aktionen und Taten. Windisch ist auch ein Vorbild für Kinder, teilt seine Erfolge mit der nächsten Generation und hat Pläne, in denen ein besonderer Ring für seine Freundin eine Rolle spielt.

Dominik Windischs olympische Medaille: Erfolg teilen, Nachwuchs inspirieren und... ein besonderer Ring

Erfolg durch harte Arbeit und ein Motto
Auch vor Pyeongchang war Windisch im Biathlon kein Unbekannter. In Sochi gewann er eine olympische Bronzemedaille mit der gemischten Staffel, er holte Weltcupsiege und kann auf eine ganze Reihe von Podestplätzen mit der gemischten Staffel zurückblicken. Für den Italiener aus dem Antholzer Tal war es ein mühsamer Weg nach oben. Er war nie der schnellste Läufer oder der beste Schütze, sondern musste hart arbeiten und fest an sich glauben. Schon früh lautete sein Motto „Aufgeber gewinnen nie, Gewinner geben nie auf.“ Und wie recht er damit im Februar wieder einmal hatte.

„Es war so aufregend, weil ich ganz ohne Erwartungen nach Pyeongchang gekommen war, ganz ohne Druck, und ich glaube, das hilft bei den Spielen. Viele der Favoriten standen unter immensem Druck und für sie war es schwer, ihr Bestes zu geben.“

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Glück im Sprint
In seinem ersten Wettkampf in Pyeongchang, dem Sprint der Herren, kämpfte Windisch mit den kalten und windigen Bedingungen, blieb im Liegen ohne Fehler und verfehlte im Stehen nur einmal. „Es war unfassbar kalt, ich habe versucht, mich komplett einzupacken. Der Wind war tückisch, weil er immer gewechselt hat... Wir haben meine Hände und Finger gegen die Kälte getapt, damit der Wind nicht so in die Handschuhe geht und meine Hände warm bleiben.“

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Nach dem Stehendanschlag zeigte der 28-Jährige auf der Strecke, was in ihm steckt. Zu seiner völligen Überraschung reichte das für eine Bronzemedaille. „Ich glaube, ich habe an dem Tag Glück gehabt. Bei diesen schwierigen Bedingungen war das Glück auf meiner Seite, als Fourcade und Johannes beide einen schlechten Tag hatten. Man muss im richtigen Moment ein bisschen Glück haben und man muss eine gute Leistung bringen. So ist das bei mir gelaufen.“

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Leben verändert
Diese Medaille veränderte sein Leben. „Die Einzelmedaille hat mein Leben wirklich verändert, weil plötzlich alle Aufmerksamkeit auf mich gerichtet war. Ich war der erste Italiener, der in Pyeongchang eine Medaille gewonnen hatte, also wollten alle Medien mit mir sprechen, das war ganz neu für mich.

Selbst nach den Winterspielen hatte ich noch wirklich viele Interviewanfragen und Einladungen. Plötzlich erkannten mich die Leute ohne Rennanzug und Brille. Sie kennen jetzt mein Gesicht. Auf der Straße und in den Läden habe ich das Gefühl, dass die Leute mich erkennen, was merkwürdig ist, aber auch schön.“

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Nervöser Weg zu zweiter Bronzemedaille
Windischs Popularität legte weiter zu, als er nach Lisa Vittozzi, Dorothea Wierer und Lukas Hofer in der gemischten Staffel als Schlussläufer auf die Strecke ging und ihr Bronzeresultat von Sochi wiederholte. Diese zweite Medaille in Korea war fast noch schwieriger zu gewinnen als die unerwartete Bronzemedaille in Sochi. „Nach Sochi hatten wir in gemischten Staffeln oft auf dem Podest gestanden, also rechneten alle mit einem Podestplatz. Ich war sehr nervös vor meinem Einsatz. Ich bin in der Kabine geblieben um nicht zu hören, wie die anderen schießen, und hab mich einfach aufgewärmt. Als ich zum Start ging, sah ich, dass wir führen, und war sofort nervös. Sobald ich dann aber gestartet war, war alles normal. Ich hatte dieses Tunnelblick-Gefühl... Nach dem letzten Schießen auf die letzte Runde zu gehen, das war sehr hart. Ich wusste, dass es jetzt um die Medaille geht. Alle meine Mannschaftskameraden standen an der Strecke und haben mich angefeuert.“

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Olympische Emotionen

Mehrere Monate nach diesem Tag gesteht er ein, dass dieser Zieleinlauf ein Moment war, den es nur bei Olympia geben kann. „Als ich ins Ziel kam, fehlten mir völlig die Worte, ich war so ergriffen, habe geweint und war komplett durcheinander... für diese Gefühle brauchte man keine Worte; für uns ist da ein Traum wahrgeworden. Das war ein besonderer olympischer Moment, den werde ich nie vergessen.“

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Inspirierende Schulbesuche

Wieder zuhause mit zwei Olympia-Medaillen im Gepäck war der Lokalheld Windisch entschlossen, sich einzubringen und eine neue Generation zu inspirieren. „Meine Schule hat mich eingeladen, an dem Tag dabei zu sein, an dem sie jedes Jahr Bäume im Wald pflanzen. Das habe ich als Kind auch gemacht. Mein Besuch war eine Überraschung. Manche Kinder waren ganz aufgeregt, andere schüchtern. Sie sind schnell aufgetaut, als wir über Sport gesprochen haben, und alle wollten ein Autogramm. Einige sind drei- oder viermal gekommen, und ich habe Fotos, Köpfe und Arme signiert! Es war unglaublich niedlich und süß, wie sie reagiert haben. Viele von ihnen sind auch schon beim Biathlon und sagen dann ‚Ich will so werden wie du.‘ Der Lehrer sagt, sie malen jetzt Bilder von mir. Ich werde sie auch noch einmal besuchen und meine Geschichte erzählen, mit meinem Motto ‚Aufgeber gewinnen nie, Gewinner geben nie auf.‘ Das ist für mich eine der wichtigsten Botschaften.“

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*„Ich weiß noch, damals...“
Der inzwischen dreifache olympische Bronzemedaillengewinner kann sich noch daran erinnern, wie es war, diese Dorfschule vor vielen Jahren zu besuchen.  „Ich war genauso wie sie. In ihrem Alter hatten wir auch Superstars hier im Tal wie den olympischen Medaillengewinner Johann Passler und IBU-Weltmeister Willi Pallhuber. Ich habe diese Rennen gesehen, und wenn ich sie laufen sah, habe ich versucht, mitzuhalten. Ich hatte Poster in meinem Zimmer hängen und habe Bilder von Biathleten gemalt. Es war sehr ergreifend zu sehen, dass diese Kinder genauso reagieren.“
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Dominik Windischs olympische Medaille: Erfolg teilen, Nachwuchs inspirieren und... ein besonderer Ring

Stipendiumsversteigerung
Darüber hinaus wollte Windisch mit seinem olympischen Erfolg jungen Sportler dabei unterstützen, ein Teil der nächsten Generation erfolgreicher italienischer Wintersportstars zu werden. „Ich habe meinen Rennanzug und meine Startnummer von der olympischen gemischten Staffel für einen guten Zweck versteigert. Der Erlös geht an eine Gruppe, die Stipendien für eine Sportschule an Nachwuchssportler vergibt. Als ich jünger war, hat mich diese Gruppe beim Besuch der Sportschule unterstützt. Ich wollte mich jetzt revanchieren. Wir haben 2500 Euro eingenommen, die an 4 oder 5 Sportler gehen werden. Es geht nicht so sehr um den Betrag, sondern mehr darum, diese Gruppe bekannter zu machen. Es war auch eine Einladung an andere Sportler, diese Gruppe und zukünftige Athleten zu unterstützen.“

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Der besondere Ring
Einen weiteren Plan hat er noch, wie er seinen olympischen Erfolg teilen will. Alles begann, als er in Pyeongchang gerade mit dieser ersten olympischen Medaille von der Bühne gegangen war. „Das war mein bester olympischer Moment. Viele Menschen (und Reporter) haben mich gefragt, was ich mit meiner Medaille machen werde. Ich habe gesagt, dass ich das Material der Medaille verwenden will, um daraus einen Ehering für meine Freundin zu machen. Das war ein besonderer Moment, an den ich mich immer erinnern werde. Das Projekt läuft jetzt, ist aber noch nicht fertig, weil ich das gut machen will!“

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