Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Die Hälfte der olympischen Einzelmedaillen im Biathlon wird schon in den nächsten drei Tagen vergeben, wenn die Damen und Herren am Samstag und Sonntag in den zwei Sprints und am Montag in den beiden Verfolgern an den Start gehen.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Diese Eröffnungswettkämpfe sind die Rennen, auf die die Biathlonwelt alle vier Jahre am meisten hin fiebert. Sie sind der erste Formtest für die kommenden 10 Tage; hier zeigt sich, wer in den nächsten Wettkämpfen Furore machen könnte. Als wir den dreifachen Olympiasieger im Sprint Ole Einar Björndalen vor ein paar Jahren nach der Disziplin fragten, in der er am liebsten siegt, erklärte er uns das Geheimnis des Sprints: „Ich glaube, die 10 km, weil das für mich die wichtigste Distanz ist. Man muss laufen, was das Zeug hält, schnell schießen und natürlich treffen!“ Damit hat er die kommenden drei Tage perfekt erfasst. Wir dürfen rasante Laufrunden, blitzschnelle Schießeinlagen und, wenn nötig, Strafrunden unter Volldampf erwarten.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Sprint/Verfolgung Damen: Kuzmina im Fokus

Die Biathlonwettbewerbe 2018 in Pyeongchang beginnen mit dem 7,5 km Sprint der Damen. Mehrere Frauen werden im Rampenlicht stehen, aber die größten Erwartungen ruhen wohl auf der Slowakin Anastasiya Kuzmina. Kuzmina, die bei den vergangenen zwei Winterspielen Sprintgold holte, wird versuchen, den ersten Hattrick komplett zu machen. Die derzeit Führende in der Sprintwertung hat nach zwei Sprintsiegen und einem zweiten Platz in dieser Saison gute Siegchancen. Für Kuzmina entscheidet sich das Rennen am Schießstand; sie ist nicht die beste Schützin, hat aber bewiesen, dass sie unter großem Druck die Null oder Eins am Schießstand bringen kann. Bei ihren drei Podestplätzen im Sprint schoss sie einmal null und zweimal einen Fehler. In Sachen Kraft und Tempo hat sie nie Probleme gehabt. Sie ist eine der Frauen im Feld, die einen Schießfehler auf der Strecke wieder herauslaufen können.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Wenn der slowakische Star ohne Fehler durch das Liegendschießen kommt und im Stehendanschlag ruhig und konzentriert arbeitet, sind ein Podestplatz und auch die dritte Goldmedaille im Sprint zum Greifen nah. Ähnlich gut stehen ihre Chancen in der Verfolgung, wo sie ebenfalls zwei Siege und einen zweiten Platz vorweisen. Bei beiden Siegen ging sie die Stehendschießen (ihre Schwäche) besonnen und kontrolliert an. Kuzmina gehört an diesem Wochenende zu den Kandidatinnen mit doppelten Chancen auf Edelmetall.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Treffsichere Laura

Laura Dahlmeier geht als größte Herausforderin ins Rennen. Sie hat in dieser Saison noch keinen Sprint gewonnen, blieb aber bei beiden zweiten Plätzen ohne Fehler. Bei der letzten IBU WM gewann Dahlmeier alles außer den Sprint, in dem sie hinter Gabriela Koukalová Zweite wurde. Auch wenn die Deutsche sich meist in den Verfolgern besser schlägt, wäre ein Olympiasieg im Sprint gigantisch und würde zeigen, wie vielseitig sie ist. Im Sprint hat sie Podestchancen, ganz sicher aber in der Verfolgung. Nach ihrem zweiten Saisonsieg in der Verfolgung, einem mühelosen Triumph in Antholz, sagte sie: „Ich habe davon geträumt, auf der letzten Runde alleine zu sein... Das ist immer toll, wenn man auf der letzten Runde nicht mehr kämpfen muss... Für mich war das ein ziemlich perfektes Rennen.“ Es wäre kaum überraschend, wenn der Text am Montag ähnlich wäre.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Vita und Dasha

Vita Semerenko holte in Sochi wie auch bei den IBU-Weltmeisterschaften 2012 und 2013 Bronze. Nach einer Verletzung und Elternzeit hat Semerenko in dieser Saison ein paar fehlerfreie Tage abgeliefert und einmal auf dem Podest gestanden. Wenn sie auf der Strecke so schnell ist wie zu Saisonbeginn, dürfte die Ukrainerin vorn mit dabei sein.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Dasha

Darya Domracheva wurde im Sprint von Sochi mit einem Fehler 9., erkämpfte sich dann aber den Sieg in der Verfolgung und noch zwei weitere Goldmedaillen. Ihre Chancen im Sprint stehen in diesem Jahr nach einem Sieg, einem 4. und einem 7. Platz in ihren drei Rennen gut. Auf der Strecke ist sie nicht so explosiv wie andere, ist aber stark und kann ein hohes Tempo lang halten. Will sie mit aufs Podest, kann die Weißrussin sich im Sprint nicht mehr als einen Fehler leisten. In der Verfolgung hat sie zehn Siege auf dem Konto und ist dort ähnlich überragend wie im Massenstart. Ihr unbedingter Siegeswille macht dieses direkte Duell mit den Rivalinnen zu ihrer Königsdisziplin. Mit einem Sieg sowie den Plätzen 3 und 4 in Antholz zeigte die amtierende Olympiasiegerin in der Verfolgung, dass sie bereit ist, ihren Titel zu verteidigen.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Kaisa, die Frau ohne olympische Medaille

Die Frau ohne olympische Medaille, aber mit den besten Aussichten ist Kaisa Mäkäräinen. Sie führt die Rangliste mit insgesamt siebzehn Siegen in Sprint/Verfolgung bei den Damen an. Mit vier Podestplätzen in dieser Saison, zweiten Plätzen in der Verfolgung von Hochfilzen und dem Sprint von Oberhof ist sie eine klare Anwärterin auf den olympischen Thron. Ihr legendäres Tempo und ihr absoluter Wille, noch eine und noch eine und noch eine Rivalin zu überholen sind ihr Schlüssel zum Sieg. Mit einer Trefferquote von 90 % ist die Finnin zufrieden. Diese ist ausschlaggebend für ihre erste olympische Medaille, mit den besten Chancen in der Verfolgung.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger
Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Nicht zu vergessen: Tiril und Denise
Tiril Eckhoff zeigte bei ihrem Sieg in Antholz, dass sie niemand mehr einholen kann, wenn sie denn trifft. Das war in einer Saison mit 50, 52 und 78 als weiteren Sprintplatzierungen allerdings auch der einzige Lichtblick. Bei den Damen ist Eckhoff Norwegens größte Hoffnung, aber egal, wie schnell sie läuft, wird sie mindestens neun Scheiben treffen müssen, wenn sie aufs Treppchen will.

Denise Herrmann hat schon eine olympische Medaille... im Langlauf. Im olympischen Biathlon ist sie noch neu. Trotzdem hat sie wie Eckhoff Medaillenchancen. Wie bei der Norwegerin hängt alles vom Schießen ab. Mit einem Fehler und ihrem wahnsinnigen Skitempo erkämpfte sie in Östersund einen Weltcupsieg für die Deutschen, mit zwei Fehlern reichte es für einen Sieg in der Verfolgung. Neben den Schießfehlern sind auch ihre Schießzeiten noch nicht ideal. Wenn Herrmann in einigermaßen akzeptabler Zeit 90 % trifft, darf auch sie auf Medaillen in Sprint und Verfolgung hoffen.

Bei den Damen scheinen Kuzmina und Dahlmeier die besten Karten zu haben, aber mit ein oder zwei Fehlern wird aus einem olympischen Traum schnell ein Alptraum. Die zwei stehen also ganz oben auf der Liste, aber auch Domracheva, Mäkäräinen und die Überraschungsgäste können schnell nachrücken.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger
Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Zwei Männer - wen meinen wir da bloß?

Inzwischen weiß jeder, dass der rothaarige Norweger und der zielstrebige sechsfache Gesamtweltcupsieger die beiden besten Männer im Biathlon sind. Hier dürfen wir in Sprint und Verfolgung mit einem legendären Showdown rechnen. Johannes hat in dieser Saison bislang in jeder Disziplin dreimal gewonnen, davon zweimal fehlerfrei im Sprint und einmal in der Verfolgung. Auf Fourcades Konto gehen ein Sprintsieg, zwei Verfolgungssiege und vier fehlerfreie Sprintrennen.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Ohne alles noch einmal auszuwalzen, was schon lang und breit analysiert worden ist, scheint Johannes jedenfalls im Sprint und wohl auch in der Verfolgung mit seinen Laufzeiten die besseren Chancen zu haben. Den Großteil der Saison ist er seinem französischen Rivalen zwei Schritte voraus gewesen. Wenn er am Schießstand nicht völlig versagt, dürfte der junge Norweger hier seine ersten zwei olympischen Medaillen abräumen.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Fourcade hat in dieser Saison bislang in jedem Rennen auf dem Podest gestanden: Ein Sieg und vier zweite Plätze im Sprint, zwei Siege, zwei zweite Plätze und ein dritter Platz in der Verfolgung. Sein ruhiges, kontrolliertes und anpassungsfähiges Schießen sowie sein kraftvoller Laufstil sind die Grundlage für diese Bilanz. Vor etwas mehr als 60 Tagen sagte er in Östersund, er sei bei etwa „80 %“. Wenn er dieses Wochenende an die 100 % herankommt, wird Johannes alle Hände voll zu tun haben. Mental hat Fourcade nach seinem dominanten Massenstartsieg in Antholz die Oberhand. Ein Blick in unsere Kristallkugel zeigt ein geteiltes Ergebnis in Sprint/Verfolgung: eine Goldmedaille für den fröhlichen Norweger und eine für den französischen Star!

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Alle anderen

Es hat diese Saison geprägt: Diese beiden machen die Rennen unter sich aus. Der einzige andere Mann, der einen Sprint für sich entscheiden konnte, war der ältere Boe-Bruder Tarjei. Seine Form ist noch nicht konstant, hat es aber ein paarmal in der Verfolgung und dem Massenstart aufs Podest geschafft. Seine zweitbeste Leistung im Sprint ist ein 5. Platz in Oberhof. Auch beim Schießen hat er noch Aussetzer. Mit einem fehlerfreien Verfolger wie in Oberhof schafft er es aufs Treppchen.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Erik Lesser, Arnd Peiffer, Emil Hegle Svendsen, Antonin Guigonnat und Jakov Fak haben in dieser Saison alle im Sprint auf dem Podest gestanden. Fak, Quentin Fillon Maillet und Anton Shipulin haben die Podeste in der Verfolgung aufgefüllt.

*Der ehemalige IBU-Sprintweltmeister Peiffer kann auf respektable siebzehn Sprintpodestplätze zurückschauen. Sein fehlerfreier dritter Platz in Antholz lässt hoffen. Peiffer ist jemand, der einfach seinen Job macht, keine Show abzieht, sondern einfach konstant seine Leistung bringt und damit Chancen auf eine Medaille hat.
*

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Svendsen ist der Mann mit der besten Statistik: Stolze einunddreißig Podestplätze im Sprint kann der norwegische Veteran vorweisen. Mit dem entschlossenen und äußerst ambitionierten Svendsen muss man immer rechnen, und in dieser Saison können sich auch seine Schießergebnisse sehen lassen. In der Verfolgung von Antholz hat er sich hervorragend geschlagen, in Pyeongchang gilt es also, ein Auge auf ihn zu haben.

Drei spannende Tage: Sprints und Verfolger

Fak ist Dritter im Gesamtweltcup und auf der großen Bühne immer besonders erfolgreich. Er hat schon eine olympische Silbermedaille aus dem Sprint zuhause. Derzeit überzeugt er vor allem mit gutem Schießen, und das ist auch sein Ticket zum Glück. Die besten Chancen hat er in der Verfolgung.

Bei den Männern ist es im Grunde ganz einfach: Die großen Medaillen werden Fourcade und Johannes unter sich aufteilen. Beide könnten auch patzen, das ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Alle anderen streiten sich um die Reste. Montagabend wissen wir mehr!

Top