Feierabend für Eva Tofalvi

Feierabend für Eva Tofalvi

Im Jahr 1997 feierte Eva Tofalvi ihr Debüt im Biathlon-Weltcup. 20 Jahre später trat sie zum letzten Mal im Weltcup an, als sie in der Verfolgung der Damen den Schnee am Holmenkollen unter die Skier nahm.

„Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich glaube, es ist an der Zeit, sich niederzulassen und eine Familie zu gründen. Ich weiß, dass die Winterspiele direkt vor der Tür stehen, aber glaube nicht, dass ich noch die Kraft habe, die man für ein solches Ereignis braucht,“ sagte sie.

„Ich liebe die Wettkämpfe und ich liebe Ski laufen über alles, das wird mir also definitiv fehlen, aber den Stress und vor allem die Reiserei werde ich nicht vermissen. Ich kann es kaum erwarten, mal eine Weile zuhause zu sein und Zeit mit meinem Freund zu verbringen. Ich glaube, der Moment für diese große Veränderung ist gekommen.“

Die schnelle und gute Schützin Tofalvi schrieb für ihr Land Wintersportgeschichte, als sie die erste Rumänin wurde, die ein Weltcuprennen gewann: 2008 triumphierte sie im 15 km Einzel von Hochfilzen, was die damals 30-Jährige überraschte, aber auch sehr stolz machte.

„Der Sieg im Weltcup ist wohl die unglaublichste Erinnerung meines Lebens: Nicht nur wegen des Sieges, sondern auch wegen der Arbeit, die ich dafür investieren musste.Auch damals hatte ich kein wirkliches Team als Unterstützung, meine Skier waren nicht so gut und ich hatte keine Ärzte, Trainer und Betreuer dabei wie das bei größeren Mannschaften wie Norwegen war. Der Sieg in Hochfilzen war deshalb wirklich etwas Besonderes, weil es wie der gerechte Lohn dafür schien, dass ich doppelt so hart arbeiten musste wie die meisten, um das auszugleichen, was mir fehlte.“

Sie erinnert sich daran, dass sie im alpinen Skisport anfing und erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf Langlauf umsteigen konnte. Als sie sich für den Biathlon entschied, galt es eine weitere Hürde zu nehmen: Sie ist Linkshänderin.

„In Rumänien gab es damals keine Linkshänderwaffen.Solchen Luxus gab es einfach nicht...“ erinnert sie sich, also musste sie lernen, als Rechtshänderin zu schießen.

Seitdem sie im Weltcup für so viel Aufruhr gesorgt hat, hat sich einiges verändert, und heute trifft sie auf Starterinnen, die in der Zeit um ihr Weltcup-Debüt geboren wurden:

„In 20 Jahren hat sich im Biathlon so viel verändert: Jetzt ist alles viel professioneller und alle konzentrieren sich viel mehr auf ihre Karriere; ich glaube, wir haben das damals alles viel leichter genommen. Jetzt sehe ich Mädels, die ungefähr zu der Zeit geboren wurden, als ich mein Weltcup-Debüt hatte, und sie sind entschlossen, Dinge zu erreichen, die wir erst konnten, als wir schon älter waren.“

„20 Jahre im Biathlon, das ist einfach unglaublich... Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Heute habe ich daran gedacht, dass meine ersten Weltmeisterschaften 1999 hier in Oslo stattgefunden haben, und wenn ich dann darüber nachdenke, dass das jetzt meine letzten Wettkämpfe waren, ist das ein passendes Ende, denke ich. Ich bin ehrlich gesagt einfach nur sehr glücklich über alles, was hinter mir liegt. Das einzig Traurige ist das, was letzten Sommer passiert ist, aber ich bin froh, dass ich da sauber wieder herausgekommen bin und mich an meine guten Zeiten im Biathlon erinnern kann.“

In diesen 20 Jahren gab es sicher viele denkwürdige Momente, aber eines wird ihr wohl besonders in Erinnerung bleiben: Als Fahnenträgerin für ihr Land bei den Winterspielen einzulaufen: „Für mich war es etwas Besonderes, die rumänische Fahne bei drei Winterspielen zu tragen, und das ist es noch: Ich bin Teil einer ungarischen Minderheit, und deswegen ist es noch etwas bedeutsamer und wichtiger, dass mir das gestattet wurde.“

Was bringt also die Zukunft für die erfolgreichste rumänische Biathletin?

„Meine Zukunft ist zuhause, in Harghita-Bai, da habe ich ein kleines Unternehmen, ein kleines Hotel, das gut läuft, und jetzt eröffne ich auch noch ein Sportgeschäft. Ich glaube nicht, dass ich im Biathlon bleiben werde, das scheint mir momentan doch zu stressig.“

Wir wünschen dir viel Glück, Eva.

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