IBU Cup: Sprungbrett in den BMW IBU Weltcup

IBU Cup: Sprungbrett in den BMW IBU Weltcup

Die Entstehung des IBU Cups, vor der Saison 2008/09 noch bekannt als Europacup, geht zurück auf die 1980er Jahre. Zu Beginn wurden nur Damenwettkämpfe ausgetragen; die Herrenrennen folgten wenige Jahre später. Über die Jahre hinweg hat der IBU Cup an Prestige gewonnen. Heute zählt die Kristallkugel für den Sieg in der Gesamtwertung des IBU Cups zu den begehrtesten Trophäen im Biathlonsport. Viele Jahre lang galt der IBU Cup als Zweite Liga für weniger talentierte Athleten, die im Weltcup Probleme hatten, zu bestehen. Das ist heute aber nicht mehr der Fall. Das Niveau im IBU Cup steigt mit jedem Jahr mehr an und viele Athleten können ohne weiteres auch mit den großen Namen des Biathlonsports mithalten.

Vom IBU Cup auf das Weltcuptreppchen

Das hat erst vor kurzem der Franzose Antonin Guigonnat beim Weltcup in Annecy Le Grand Bornand eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als er Dritter im Sprint der Herren wurde und so seinen ersten Podiumsplatz im Weltcup einfuhr. In diesem Rennen schafften es nur die zwei besten Herren des Weltcups, ihn zu bezwingen: Mannschaftskollege Martin Fourcade und der Norweger Johannes Thingnes Boe. Guigonnat bekam nach drei Treppchenplätzen im IBU Cup – darunter der Sprint- und Verfolgungssieg in Lenzerheide –die Chance, im Weltcup zu starten. Wahrscheinlich glaubten nicht viele, dass dieser junge Athlet das Zeug dazu hätte, in Annecy unter die Top 3 zu kommen, aber Guigonnat zeigte erneut, welches Talent und welche Stärke in den IBU-Cup-Athleten schlummert. Interessanterweise kam ein weiterer Athlet aus dem IBU Cup, Fredrik Gjesbakk aus Norwegen, im selben Rennen auf Rang sieben.

Stärke und Erfahrung

Der junge Franzose Emilien Jaquelin konnte sich in diesem Jahr erfolgreich im Weltcup etablieren. Er schaffte seinen ersten Podiumsplatz im Weltcup in der Herrenstaffel von Hochfilzen. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass die meisten der heutigen Weltcupsieger ihre Karriere im IBU Cup begannen. Dort lernten sie die taktischen Voraussetzungen, sammelten Kraft und Erfahrung, um sich schließlich ihren Weg bis ganz an die Spitze zu bahnen.

IBU Cup: Sprungbrett in den BMW IBU Weltcup

Sieg im ersten Rennen

In der letzten Saison gewann die ehemalige Langläuferin Denise Herrmann aus Deutschland ihren ersten IBU-Cup-Sprint in Beistostolen trotz sechs Strafrunden! Natürlich ist Herrmanns Laufstärke ihr großer Vorteil, doch während des Sommers hat sie ebenfalls hart an ihrem Schießen gearbeitet. Und das hat sich in dieser Saison bereits bezahlt gemacht: Sie eröffnete die Saison mit einem Sprintsieg im norwegischen Sjusjøen und schließlich auch beim ersten IBU Cup am selben Ort. Diese großartigen Ergebnisse bescherten Herrmann einen Startplatz im Weltcup – und wieder zeigte sie, was in ihr steckt. Sie gewann Sprint und Verfolgung in Östersund und zaubert seitdem ein gutes Resultat nach dem nächsten in den Schnee. Zurzeit liegt sie in der Weltcupgesamtwertung sogar auf Rang vier.

IBU Cup: Sprungbrett in den BMW IBU Weltcup

Horchler-Schwestern

Nach vielen Podiumsplätzen im IBU Cup bekam eine weitere Deutsche, Nadine Horchler, ihre Chance im Weltcup. Im letzten Jahr war sie drei Mal in den Top 3 und schaffte ihren ersten Karrieresieg in Antholz bei einem der bestbesetzen Wettkämpfe: dem Massenstart der Damen. Ihre jüngere Schwester Karolin tut es ihrer Schwester gleich, sammelt fleißig Treppchenplätze im IBU Cup und kann auch schon Erfolge im Weltcup verzeichnen.

Schlussläuferin in der Staffel

Nach zwei Siegen im italienischen Ridnaun wurde im vergangenen Jahr die Ukrainerin Anastasiya Merkushyna zum Weltcup in Pokljuka gerufen, wo sie gleich als Schlussläuferin der Staffel eingesetzt wurde. Merkushyna hielt dem Druck stand und sicherte ihrer Mannschaft Platz drei. Später in der Saison gewannen sie und ihre Mannschaftkolleginnen Silber bei der WM-Staffel in Hochfilzen.

Es gibt noch weitere Erfolgsbeispiele, vor allem in großen, starken Mannschaften wie Norwegen, Frankreich, Deutschland und Russland. Viele der jungen Talente müssen sich im IBU Cup bewähren, u.a. auch Dorothea Wierer, Gabriela Koukalovà, Vanessa Hinz, Simon Schempp, Lars Helge Birkeland und Anton Babikov.

IBU Cup: Sprungbrett in den BMW IBU Weltcup

Mehr Selbstvertrauen

Es kommt vor, dass Athleten aufgrund von Verletzung oder Krankheit einige Cups oder sogar eine ganze Saison verpassen. Sie steigen dann im IBU Cup wieder in den Biathlonzirkus ein und absolvieren ein, zwei Rennen, um ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen und wieder in Fahrt zu kommen. Die Norweger Synnøve Solemdal und Tarjei Boe begannen ihr Comeback in der vergangenen Saison in Osrblie. Boe wurde Sechster im Sprint und kam beim Verfolger am nächsten Tag auf Rang zwei. Er absolvierte das Rennen zwar mit einer schnellen Laufzeit, musste allerdings zwei Mal in die Strafrunde. Danach sagte er:

Johannes Kühn aus Deutschland verpasste die vergangene Saison aufgrund einer Verletzung und kam in diesem Jahr mit einer starken Leistung zurück. In seinem ersten Rennen im IBU Cup in Sjusjøen wurde er Zweiter im Sprint. Danach durfte er in den Weltcup aufsteigen.

IBU Cup: Sprungbrett in den BMW IBU Weltcup

Wettkampferfahrung

Aber es gibt auch andere Gründe als Krankheit oder Verletzung aus denen Topathleten im IBU Cup starten. Auch nach schönen Momenten im Leben, wie der Geburt eines Kindes, treten Athletinnen erst einmal im IBU Cup an. Olympiasiegerin Anastasiya Kuzmina aus der Slowakei kehrte an die Spitze des Biathlonsports mit einem Start beim Sprint in Martell 2016 zurück, in welchem sie mit einem Fehler Zehnte wurde. Am Ende der letzten Saison, beim IBU Cup in Otepää, gingen auch andere junge Mütter wie die polnische WM-Medaillengewinnerin Weronika Nowakowska und die ukrainische Olympiasiegerin Vita Semerenko zum ersten Mal nach langer Zeit wieder ins Rennen. Semerenko feierte ihre Rückkehr in den Biathlonsport nach einer fast dreijährigen Pause, die sie aufgrund der Geburt ihres Sohnes und einer Verletzung einlegen musste. In ihrem ersten Rennen war sie Teil der Mannschaft, die Platz drei in der Gemischten Staffel belegte.

Kurz vor der Weihnachtspause gab auch die olympische Bronzemedaillengewinnerin von Sotschi, Katrin Oberhofer aus Italien, ihr Comeback im IBU Cup in Obertilliach, nur wenige Monate nach der Geburt ihres Sohnes Paul.

Saisoneröffnung

Viele Mannschaften nutzen den ersten IBU Cup als Saisoneröffnung und Test vor den Weltcuprennen. In der ersten Woche der Saison sieht man viele bekannte und berühmte Gesichter im IBU Cup, die den Kampf auf den Strecken noch interessanter gestalten. Es passiert auch, das bekannte Athleten ihren Trainingsplänen nach ein oder zwei Weltcups auslassen, um im IBU Cup anzutreten. Das passierte z.B. im letzten Jahr in Kontiolahti.

Der IBU Cup ist mehr als nur ein Auffangbecken für weniger talentierte Athleten. Es ist ein Sprungbrett in den Weltcup: Wer genügend Ausdauer besitzt, hart arbeitet und groß träumt, der ist nicht mehr weit entfernt von einem Platz unter den besten Biathleten der Welt. Jeder, der die Chance hat, sollte dieses Sprungbrett nutzen!

Top