Italiens nächste Generation: Michela, Irene und Samuela

Italiens nächste Generation: Michela, Irene und Samuela

Bei den Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften in Osrblie war die italienische Mannschaft noch ein unbeschriebenes Blatt: Junge Talente, gut trainiert und betreut von einem erfahrenen Trainerteam, aber ob sie es mit den etablierten Mannschaften würden aufnehmen können? Am 28. Februar, als die Weltmeisterschaften zu Ende gingen, war die Antwort klar. Sie verließen Osrblie mit einer Rekordzahl von acht Medaillen (dreimal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze), nicht weit hinter Russland mit 11 und Norwegen mit 8.

Italiens nächste Generation: Michela, Irene und Samuela

Durchbruch für drei Freundinnen

 Diese Leistung war ein klarer Durchbruch; die nächste Generation italienischer Damen hatte ihren Aufschlag gemacht. Irene Lardschneider (Gold in Sprint/Verfolgung der Jugend, Staffelbronze), Michela Carrara (Sprintgold und Verfolgungssilber bei den Junioren) und Samuela Comola (Bronze in Sprint/Verfolgung/Staffel der Jugend) allein gewannen sieben dieser Medaillen, und auch Martine Vigna (Staffelbronze Jugend) und Cedric Christille (Verfolgungssilber Jugend) gingen nicht leer aus. Trainerin Michela Ponza sagte „Wir wussten vorher schon, dass eine paar gute Leistungen durchaus möglich waren, aber wir hätten nie mit so vielen Medaillen gerechnet. Die Mädchen haben den ganzen Sommer über alles getan, was wir gefordert haben, ganz ohne Murren... Das Tolle an dieser Gruppe ist, dass sie nicht nur Mannschaftskameradinnen sind, sie sind auch enge Freundinnen.“ Lardschneider bestätigte dies. „Wir drei verstehen uns wirklich prima, und im Sommertraining haben wir eine Menge Spaß zusammen. Die ganze harte Arbeit ist viel leichter, wenn wir das zusammen angehen.“ Wie eng sie befreundet sind, war offensichtlich, als die drei strahlenden jungen Damen Lardschneider, Carrara und Comola mitsamt ihren Medaillen lachend das Interview zu ihrem überraschenden Erfolg bestritten.

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Pink-weiße Skier

Für alle drei war der Sport zunächst ein Freizeitvergnügen: Lardschneider war mit vier Jahren zusammen mit ihrer Mutter auf gelbroten Skiern unterwegs, während es von der dreijährigen Carrara viele Fotos „auf meinen pink-weißen Skiern“ gibt. Als sie etwa 12 waren, kamen sie im örtlichen Skiclub zum ersten Mal mit Biathlon in Berührung. Keine von ihnen war ein Fan oder hatte im Fernsehen Biathlon geschaut, bevor sie in den Sport einstiegen. Carrara, die sich mit fehlerfreiem Schießen Sprintgold bei den Junioren gesichert hatte, sagte: „Mein erster Ausflug zum Biathlon war ein Rennen bei meinem Skiclub. Im ersten Rennen haben ich sieben von zehn Scheiben stehen lassen. Ich war damals wirklich alles andere als eine gute Schützin, aber inzwischen bin ich besser geworden!“

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Gold: 1:06 Vorsprung auf das Feld

In Osrblie begann der Medaillenregen mit dem Sprint der Jugend weiblich, aber schon im Einzel der Jugend weiblich zeichnete sich ab, was bevorstand. Die schnellste Streckenzeit hatte die fünfplatzierte Lardschneider, während Comola 19 von 20 Schuss ins Schwarze setzte. Im Sprint ging die spätere Goldmedaillengewinnerin vor dem Liegendschießen in Führung, welches sie an einem windigen Tag mit Bravour und fünf Treffern meisterte. Trotz eines Fehlers im Stehendschießen baute sie ihre Führung dann bis ins Ziel auf dominante 1:06 vor dem restlichen Feld aus. Comola blieb bei den schwierigen Bedingungen fehlerfrei und holte Bronze. Lardschneider sagte: „Ich habe davon geträumt, Medaillen zu gewinnen, und darauf gehofft. Wir hatten hart hierfür trainiert, aber ich habe nicht damit gerechnet... Das waren meine ersten Weltmeisterschaften, und eine Medaille zu gewinnen, war fantastisch.

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Überraschungsgold für hochkonzentrierte Carrara

Nach diesem Start war Carraras Junioren-Sprinttitel eine Überraschung. Bis Osrblie waren ihre Sprint-Resultate der Saison im Juniorencup ein 13., 41. und 32. Platz gewesen. Bei wenig Wind blieb sie jedoch fehlerfrei am Schießstand, und sobald die letzte Scheiben gefallen war, konnte niemand sie mehr einholen. „Das war eine große Überraschung für mich... ich hätte nie gedacht, dass ich eine Goldmedaille gewinnen würde. Ich habe im Einzel sechs Scheiben stehen lassen, aber heute bin ich gut in Form und habe gut geschossen.“ Ponza fügte hinzu: „Im Einzel fehlte es ihr an Konzentration und sie hat nicht richtig auf die Windfahnen reagiert. Im Sprint war das anders. Sie war sehr konzentriert.“

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Gejagt

Die beiden Sprintsiegerinnen waren in den Verfolgungsrennen dann die ersten Starterinnen, die von allen anderen gejagt wurden - eine beklemmende Situation. Lardschneider gab zu, dass ihr das nicht leicht gefallen war. „Ich bin in so einem internationalen Rennen noch nie in Führung gewesen.“ Und doch legte sie trotz vier Fehlern in den Stehendschießen einen Start-Ziel-Sieg hin, der nie wirklich in Gefahr war. Wieder einmal ging die Bronzemedaille an Zimmergenossin Comola. Eine Stunden später sagte sie über ihren Sieg: Ich hätte nicht im Traum gedacht, dass ich zweimal Gold holen und ein zweites Mal mit meiner Zimmergenossin auf dem Podest stehen würde; langsam begreife ich, was mir da gelungen ist.

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Soll erfüllt

Die Verfolgung der Juniorinnen sollte für Carrara eine größere Herausforderung werden; ihre 15 Sekunden Vorsprung beim Start ließen ihr wenig Spielraum für Fehler - wie die in den ersten drei Schießen. Im letzten Stehendschießen traf sie jedoch alle fünf Scheiben. Mit einem Schlusssprint sicherte sie sich die Silbermedaille. „Die Verfolgung hat mir wirklich Spaß gemacht; mit der Goldmedaille hatte ich ja ein Stück weit mein Soll erfüllt. Mit dem letzten fehlerfreien Schießen habe ich mich von Platz fünf vorgearbeitet... Zwei Medaillen sind mehr, als ich je zu hoffen gewagt hatte.“

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Noch eine Medaille

Die Jugendstaffel brachte noch eine weitere Medaille, Bronze, für Lardschneider, Comola und Mannschaftskameradin Vigna. Die Mannschaft hatte einen Meilenstein erreicht: Sie hatte mehr Medaillen abgeräumt, als ihr Land je bei der IBU JJWM gewonnen hatte, und dabei gleichgezogen mit den drei Goldmedaillen von Lukas Hofer und Dorothea Wierer 2009 und 2011.

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Fürsorgliche Trainer

Die Athletinnen wissen, dass der Schlüssel zu ihrem Erfolg ihr Talent, aber auch ihre Trainer sind. Lardschneider, die in Vollzeit unter Ponza trainiert, sagt über die Trainer: „Sie sind ein gutes Team und sie verstehen uns. Diese Medaillen zeigen, dass sich die ganze harte Arbeit gelohnt hat... Nach den ersten Medaillen haben sie sich sehr gefreut, uns aber auch gesagt, dass wir uns auf unsere Arbeit in den anderen Rennen konzentrieren sollen.“ Carrara fügt hinzu: „Alex (Inderst) bereitet uns gut vor und passt auf uns auf. Er weiß, wann wir müde sind und eine Pause brauchen. Michela achtet am Schießstand auf jedes kleinste Detail. Sie ist es, der wir unseres Fortschritte verdanken... Nach meiner Medaille haben sie mir gesagt, dass das jetzt die verdiente Belohnung ist.“

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Ziele

Auch wenn diese Gruppe sehr erfolgreich gewesen ist, haben sie noch ein bisschen Zeit, bis die nächste große Herausforderung bevorsteht: Die Wettkämpfe der Senioren. Alle drei bleiben in der Juniorenkategorie, auch wenn Carrara hofft, „in einigen IBU Cups anzutreten, um Erfahrungen zu sammeln, aber der große Traum ist der Weltcup.“ Lardschneider und Comola, die im nächsten Jahr die Schule beenden, haben noch ein paar Jahre Zeit, aber auch große Träume. Die Siegerin aus Sprint und Verfolgung sagte: „Es in den Weltcup und zu Olympia zu schaffen, eine der stärksten Biathletinnen zu werden, das ist das Ziel. Aber ich muss einen Schritt nach dem anderen machen und mich kontinuierlich verbessern.“

Dorothea Wierer und Co. sollten ein Auge auf dieses Trio haben; sie sind auf dem Vormarsch!

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