Kanada: Saisonvorbereitung... zu Hause

Kanada: Saisonvorbereitung... zu Hause

Während die meisten europäischen Mannschaften die ersten sechs Wochen der neuen Trainingssaison in weit entfernten Schneegebieten verbringen, konnte das kanadische Team ihre harten Trainingseinheiten zu Hause absolvieren und jeden Abend im eigenen Bett schlafen.

Kanada: Saisonvorbereitung... zu Hause

Knappes Budget; Heimvorteil

In den vergangenen Saisons bekam die kanadische Mannschaft (nach den WM-Medaillen von Nathan Smith und der Staffel) Unterstützung aus dem landeseigenen „Own the Podium“-Programm, sodass auch Trainingslager außerhalb Kanadas möglich waren. Nach der schweren Saison 2016/17 verfügt das Team leider nicht mehr über dieses Extrageld. Auf ihrem Weg zu den Olympischen Winterspielen werden die Kanadier daher ausschließlich auf ihrer Heimstrecke in Canmore und in der näheren Umgebung trainieren. Obwohl das Geld knapp ist, haben sie einen entscheidenden Vorteil: Direkt vor ihrer Tür liegt ein Weltcupstadion, ein Kraftraum, Rollerskistrecken, ein Gletscher, sowohl extreme Höhenlage als auch mittlere Höhe und Gebirgsstraßen.

Kanada: Saisonvorbereitung... zu Hause

Frühling im Schnee

Wie die meisten Mannschaften starteten auch die Kanadier Anfang Mai in die neue Saison. Doch im Gegensatz zu ihren Konkurrenten schlugen sie auf dem „Weg nach Pyeongchang“ eine andere Route ein. Trainer Matthias Ahrens sagte: „Wir konnten in unserem Heimstadion (Canmore Nordic Center) gleich am ersten Tag, dem 3. Mai, die Ski anschnallen und loslaufen. Uns standen 15km gut präparierter Strecken zur Verfügung... Dann verbrachten wir eine weitere Woche im Schnee in Banff Sunshine Village, um unsere neue Trainingssaison zu beginnen. Wir haben Glück, dass dieser Ort in der näheren Umgebung liegen. Sie präparieren für uns eine 6km lange Strecke, doch wenn die Temperaturen es zulassen, nutzen wir auch gern die Bergwiesen, um einfach querfeldein durch Gelände zu fahren. An einem Tag war es so kalt, dass man dort oben mühelos Ski laufen konnte. Das war das Highlight unseres Frühlingstrainings!“

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Schnee und Radfahren im Juni

Auch Skifahren gegen Ende des Frühlings stellt für die Kanadier in den Rocky Mountains keine Besonderheit dar. Üblicherweise beginnen sie ihre neue Trainingssaison im Schnee. Das winterliche Weiß schmilzt in den hohen Lagen erst sehr spät und kann in Canmore selbst kurz vor dem kalendarischen Sommerbeginn in gerade einmal 2 Wochen noch heimsuchen. Es schneite während des Schießtrainings am 25. Mai und auch „am Samstag (10. Juni) kam eine Mischung aus Schnee und Graupel vom Himmel, als wir unsere geplante Radtour starten wollten!“

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Training auf dem Trockenen – mit einer kanadischen Besonderheit

Doch jetzt wurden auch in Kanada die Skier erst einmal in die Ecke gestellt und es geht ans „Trockentraining“ – allerdings mit einer kanadischen Besonderheit. Ahrens sagt dazu: „Im Frühling kombinieren wir eine Mischung aus vielen verschiedenen Trainingsarten. Radfahren spielt eine große Rolle und wir verfügen über wunderbare Gebirgswege, sodass wir sowohl auf geraden Strecken fahren als auch mountainbiken können. Jede Einheit bis 2 Stunden wird auf dem Mountainbike absolviert, bei längeren Einheiten bis 5 Stunden fahren wir auf der Straße. Natürlich laufen wir auch oder machen Nordic Walking. Wir nutzen auch Rollerski, aber darauf liegt im Moment nicht der Fokus.“

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Dickhornschafe, Elche... und ein Grizzlybär

Mountainbike fahren, im Wald joggen und vor der fantastischen Landschaft der zerklüfteten Rocky Mountains Fahrrad oder Rollerski fahren – was könnte einen Trainingstag schöner machen? Natürlich kommt es da auch immer wieder zu Begegnungen mit der Tierwelt. „Bei unserem Rollerskitraining in den Bergen sehen wir immer Dickhornschafe, Elche, Rehe und Hirsche. Auch Grizzlybären kommen immer mal wieder um die Ecke. Vor Kurzem wollten wir an einer Stelle parken und von dort aus das Training beginnen – und dann stand genau dort ein Grizzlybär. Die Parkwächter haben ihn beobachtet und wir mussten natürlich einen anderen Ort für unser Training finden!“ Die Möglichkeiten, Wildtieren hautnah zu begegnen, hält sowohl die Athleten als auch die Trainer auf Zack. „Ein Teil unseres Trainings beinhaltet das Ausschauhalten nach Tieren. Deshalb möchten wir nicht, dass jemand beim Training Musik hört. Alle Sinne müssen hellwach sein, damit man mitbekommt, wenn ein Bär den Weg kreuzt!“

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Vom Winde verweht

Neben den physischen Trainingseinheiten spielt natürlich das Schießtraining eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung auf die neue Saison. Da die Kanadier nicht über eine Innenschießbahn verfügen, müssen Sie bei Wind und Wetter raus an den Schießstand. Ahrens sind das allerdings nicht als Nachteil. „Es kann hier sehr windig sein, aber so können wir auch das Schießen bei starkem Wind üben. Ich sehe das als einen Vorteil für uns. Wir verfügen jetzt auch über ein Megalink-System, dass es den Athleten ermöglicht, sofort zu sehen, wie sie schießen.“

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Natürliche Klimaanlage

Auch die Tatsache, dass die Kanadier den ganzen Sommer über zu Hause trainieren, hat Vorteile. Der Juli wartet mit viel Sonnenschein und Höchsttemperaturen von ungefähr 25°C auf. Die Luft ist trocken, sodass die Athleten kaum von Insekten geplagt werden. Ahrens erinnert sich an einen Trainingstag: „Wir sind Rollerski gefahren und befanden uns gerade auf halber Strecke zwischen Lake Louise und Banff. Es war ein warmer Tag und wir wollten hoch zum Moraine Lake. Am Straßenrand lag immer noch Schnee und wenn der Wind darüberstrich, bekamen wir einen kühlen Zug ab.“ Eine natürliche Klimaanlage also. Perfekte Bedingungen für ein Sommertraining!

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