Karin Oberhofers gelassener und zufriedener Abschied 

Karin Oberhofers gelassener und zufriedener Abschied 

Kurz vor dem Beginn der neuen Trainingssaison hängte am Wochenende mit Karin Oberhofer eine weitere feste Größe im Biathlon die Skier und das Gewehr an den Nagel. In einem Facebook-Post äußerte sie sich gelassenen und zufriedenen zu ihrem Leben und ihrer Karriere: „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen…Heute wird mein Sohn 10 Monate alt, und ich habe mich nach langer Überlegung entschieden, mit dem Leistungssport aufzuhören... Diese unbeschreibliche „innere Ruhe“, die der kleine Paul mir seit seiner Geburt gibt, ist wunderschön zu erleben und ich genieße jeden einzelnen Tag und Augenblick mit ihm.“

Karin Oberhofers gelassener und zufriedener Abschied 
Karin Oberhofers gelassener und zufriedener Abschied 

Hingebungsvolle Biathletin und Mutter

Wie die meisten professionellen Biathletinnen hatte sich Oberhofer dem Sport jahrelang mit Hingabe gewidmet und ihr ganzes Herzblut in den Sport gesteckt. Als im letzten Juli ihr Sohn Paul geboren wurde, entdeckte sie eine neue Herzensaufgabe für sich: Mutter sein. Vor einigen Monaten sagte sie zu dem Spagat zwischen dem Sport und ihrer Familie: „Biathlon ist ein toller Teil meines Lebens, aber die Familie kommt zuerst, die Kinder. Ich habe in den letzten acht Monaten gesehen, wie schnell die Zeit vergeht. Gerade war er noch ein Baby, jetzt ist er schon fast ein großer Mann. Das Wichtigste ist, dass ich keine Zeit mit ihm verpasse; ich versuche, dem Baby und dem Sport mein Bestes zu geben. Das ist nicht so einfach, es ist harte Arbeit, aber mir gefällt es.“

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In dieser vergangenen Saison, Paul immer im Schlepptau, kehrte sie noch für eine letzte Runde Biathlon-Action zurück, lief ein paar IBU Cups und die IBU OEM zuhause in Ridnaun, wo die Südtirolerin Fünfte im Sprint wurde, während sich ein Familienteam aus Mutter, Tanten und Cousins um Paul kümmerte. Sie beendete ihre letzte Saison und Karriere mit einem 4. Platz im Sprint und einem 5. in der Verfolgung beim IBU Cup in Martell.

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Große Jahre 2013-15

Die 33-jährige Oberhofer absolvierte als Teil der aufstrebenden italienischen Mannschaft eine beachtliche Karriere. Sie trug zwischen 2013 und 2015 einen Großteil zum Durchbruch der Damenmannschaft bei. Bei der IBU WM 2013 in Nove Mesto na Morave sicherte sie als Schlussläuferin den Italienerinnen mit Bronze die erste WM-Medaille überhaupt. Im nächsten Jahr reichte es bei den Olympischen Winterspielen von Sochi beinahe für eine Medaille, als sie fehlerfrei im Sprint auf Platz vier landete, nur 6,2 Sekunden hinter der Bronzemedaille. Im vergangenen Herbst wurde nach der IOC-Disqualifikation von Olga Vilukhina aus diesem 4. Platz doch noch Bronze. In ihrer unnachahmlichen Art sagte Oberhofer zu der Chance auf eine Überreichung der Medaille: „Es würde mich sehr überraschen, wenn das öffentlich geschehen würde. Aber das ist nicht so wichtig. Für mich wäre es das Schönste, die Medaille überhaupt zu bekommen. Aber was ich weiß, ist dass ich diese nachträgliche Medaille im Nachhinein mit Familie und Freunden im kleinen Kreis feiern würde.“

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Gemischte Staffel in Sochi
Der Sprint von Sochi war nur der Vorlauf zum nächsten Stück italienischer Biathlon-Geschichte, einer Bronzemedaille mit der gemischten Staffel, die sie mit Dorothea Wierer, Lukas Hofer und Dominik Windisch gewann. Seither ist Italien in dieser Disziplin eine feste Größe, gewann in diesem Jahr die Disziplinwertung und die kleine Kristallkugel. In einem Interview an diesem Wochenende bezeichnete sie Sochi als „unvergessliches und wunderschönes Erlebnis.“

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Podestplatz in Hochfilzen

Die darauffolgende Saison ist und bleibt jedoch ihr persönliches Highlight. Die Bronzemedaillengewinnerin von Sochi stieg mit einer persönlichen Bestleistung, einem 2. Platz im Sprint von Hochfilzen, in die Saison ein, traf alle Scheiben und kam nur 10 Sekunden hinter Kaisa Mäkäräinen ins Ziel. Einige Monate später gewann Oberhofer in Mäkäräinens Heimstadion Kontiolahti die erste WM-Einzelmedaille aller Zeiten für die italienischen Damen, Bronze im Massenstart. Nur zwei Tage zuvor war sie als zweite Läuferin mit der Damenstaffel zu Bronze gelaufen.

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WM-Silber- und Bronzemedaillen

Im Rückblick auf ihre Karriere erinnert sie sich besonders an die IBU-WM-Medaille im Massenstart. „Den Tag, an dem ich in Kontiolahti den dritten Platz geschafft habe, werde ich nie vergessen, das war so ein historisch wichtiger Sieg für Italien.“ Weiter sagte sie: „Ich habe so viele schöne Erinnerungen und Ergebnisse, die ich immer in meinem Herzen tragen werde.“

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Neue Herausforderung
Jetzt konzentriert sich die mehrfache Medaillengewinnerin mit ganzem Herzen auf ihren kleinen Sohn. Die immer fröhliche Mutter gesteht ein, dass sie den Biathlon und das Athletenleben vermissen wird. „Ich glaube, das Leben eines Spitzensportlers hat viele Vor- und Nachteile; es wird mir fehlen. Aber mit meinem Sohn Paul habe ich eine neue Herausforderung, auf die ich mich auch sehr freue!“

Karin Oberhofers gelassener und zufriedener Abschied 

Die IBU und die Biathlonfamilie wünschen Karin viel Erfolg und Zufriedenheit in ihrer neuen Rolle als Mutter und bei allen weiteren Plänen!

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