#KON18: Nach Winterspielen Stabilität, Sportsgeist und einige Überraschungen

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Der nach-olympischen Weltcup in Kontiolahti ist vorbei. Einige Stars sind vermutlich froh, den windigen Schießstand im Wald und den kräftezehrenden, mörderischen Anstieg auf fast jeder Runde hinter sich lassen zu können. Ein paar Athleten jedoch, vor allem die, für die das Wochenende herausragend oder zumindest solide gelaufen ist, wären sicher gern noch für ein paar Rennen geblieben.

In aller Kürze könnte man die Woche so zusammenfassen: Bei den gelben Trikots hat es keine Änderungen geben, obwohl Martin Fourcade wegen eines Magen-Darm-Infekt den Sprint ausfallen lassen musste und Kaisa Mäkäräinen das Podest verpasste, aber immerhin vor ihren treuen Fans zwei gute Rennen ablieferte. Italien siegte zum ersten Mal in der gemischten Staffel und sicherte sich damit auch die erste Kristallkugel in dieser Disziplin. Vanessa Hinz hatte gleich mehrere Premieren zu feiern: Podestplatz, 20 Treffer in einem Rennen und dann der Sieg bei ihrem 112. Weltcup-Start. All das nur Stunden, nachdem der Sprint-Spezialist Julian Eberhard auf den letzten Metern des Massenstarts zu seinem ersten Sieg nicht in einem Sprint an Fourcade vorbeigezogen war.

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Kampf um Gelb
Fourcade krank, Johannes in der Strafrunde

In Sachen Gesamtwertung brachten die gewerteten Rennen, Sprint und Massenstart, keine neuen Erkenntnisse. Fourcade fühlte sich mit einem Magen-Darm-Virus zu schlapp, um im Sprint anzutreten, und öffnete so die Tür für seinen Rivalen Johannes Thingnes Boe. Johannes wurde mit zwei Fehlern Vierter und konnte trotz Fourcades Ausfall nicht viele Punkte gutmachen. Nach drei Tagen völliger Bettruhe kam der französische Star im Massenstart nach zwei Fehlern im Liegendanschlag mit Macht zurück (bis auf die letzten paar hundert Meter zumindest) und wurde Zweiter, während der sichtlich erschöpfte (und am Schießstand überforderte) Norweger mit fünf Strafrunden 19. wurde. Fourcade behält für eine weitere Woche die Oberhand.

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Mäkäräinen weiter in Gelb; herausragender Massenstart

Mäkäräinen stand die ganze Woche über unter enormem Druck: Olympia-Enttäuschung, Erwartungen, Heimwettkämpfe und das gelbe Trikot lasteten auf ihren Schultern Trotzdem schlug sie sich wacker, schaffte es zwar nicht aufs Podest, wurde aber 10. im Sprint und herausragende 4. im Massenstart nach einer atemberaubenden letzten Runde. Ihre größte Rivalin in der Gesamtwertung, die dreifache Olympiasiegerin Anastasiya Kuzmina, verfehlte in Sprint/Massenstart bei 10 von 30 Schuss und wurde 30. und 16. Laura Dahlmeier und Dorothea Wierer verpassten beide in beiden Rennen das Podest. Dahlmeier war zügig unterwegs, konnte aber wegen eines Fehlers im Sprint und dreier Fehler im Massenstart in der Gesamtwertung nicht viel Boden gutmachen. Sie liegt noch immer 100 Punkte hinter der Finnin. Die deutsche Doppel-Olympiasiegerin in Sprint/Verfolgung liegt jetzt aber nur noch 20 Punkte hinter der drittplatzierten Wierer.

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Sprints

Während Fourcade außer Gefecht und Johannes in der Strafrunde war, wirkte Anton Shipulin so fit wie eh und je, schoss sicher und sauber, lieferte gute Schießzeiten und gute Rundenzeiten ab, was am Ende für den ersten Saisonsieg reichte. Der blitzschnelle aber am Schießstand völlig unberechenbare Andrejs Rastorgujevs machte dem russischen Star mit einem seltenen, fehlerfreien zweiten Platz gehörig Druck, während Quentin Fillon Maillet sich von seinem olympischen Tief erholt hatte und seit der ersten Saisonwoche zum ersten Mal wieder auf dem Podest stand.

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Sieg für Domracheva; Ende der Durststrecke für Hildebrand

Darya Domracheva ging mit olympischer Form in den Sprint der Damen. Die inzwischen vierfache Olympiasiegerin war auf der Strecke die schnellste, arbeitete am Schießstand ausgesprochen geruhsam und vorsichtig und konnte trotz eines Fehlers im Stehen den dritten Saisonsieg einfahren. Franziska Hildebrand blieb ohne Fehler und verpasste den Sieg knapp, um nur 0,5 Sekunden. Trotzdem war es für die erfahrene Deutsche das Ende einer Durststrecke ohne Podestplätze. Sie selbst sagte: „Endlich wieder auf dem Podest, das ist gut fürs Selbstbewusstsein... Jetzt freue ich mich auf Oslo!“

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Lisas großes Wochenende

Platz drei ging an die Frau, die dieses Wochenende in Kontiolahti so schnell nicht vergessen wird: Lisa Vittozzi. Die 23-jährige war einfach bestens in Form, treffsicher und unglaublich schnell in ihren drei Rennen. Nach ihrem dritten Podestplatz insgesamt startete sie als zweite Läuferin in der italienischen gemischten Staffel. Selbst nach einer Strafrunde im Stehendschießen flog sie nur so über die Strecke und übergab auf Rang 5 mit gerade einmal 6,8 Sekunden Rückstand an Dominik Windisch. Damit war der Grundstein für den italienischen Sieg gelegt. Gestern konnte sie dann endlich die Serie der 3., 4. und 5. Plätze beenden und im Massenstart, wieder mit einem Fehler, den zweiten Platz belegen. Für sie geht es weiter aufwärts.

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Staffeln

Die Entscheidungen in den einfachen und normalen gemischten Staffeln waren hochspannend und äußerst knapp. Frankreich, Österreich und Norwegen lagen in der einfachen gemischten Staffel ganze 4,4 Sekunden auseinander, und in der gemischten Staffel ging Italien gerade einmal 1,5 Sekunden vor der Ukraine und 9,1 Sekunden vor Norwegen über die Ziellinie.

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Lisa, Königin der Single-Mixed

Lisa Theresa Hauser trat mit Julian Eberhard in der einfachen gemischten Staffel an und stand in ihrer 5. Single-Mixed-Staffel zum fünften Mal auf dem Podest. Hauser ist damit die „Königin der Single-Mixed“ mit drei zweiten und zwei ersten Plätzen bei fünf Starts in dieser Disziplin. Wieder einmal ein gutes Ergebnis für eine mittelgroße Mannschaft im ewigen Kampf gegen die Überflieger wie Norwegen, Deutschland und Frankreich.

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Kristallkugel für Italien

Das Gleiche gilt auch für die mittelgroße italienische Mannschaft, die mit der zweiten olympischen Bronzemedaille in der gemischten Staffel im Rücken die erste gemischte Staffel gewinnen konnten. Lukas Hofer bezwang mit kraftvollen Schritten den mörderischen Anstieg von Kontiolahti und führte seine Mannschaft mit diesem Einsatz zum Sieg. Damit hatte Italien zugleich seine erste Staffel-Kristallkugel gewonnen.

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Ukraine: Drei Nachlader, knapp verpasst

Auch der Ukraine gebührt Respekt: Sie hatten tapfer um den Sieg gekämpft und wurden am Ende Zweite, eine beachtliche Leistung nach enttäuschenden Winterspielen. Für ihr herausragendes Schießen mit nur drei Nachladern insgesamt und Dmytro Pidruchnyis beherzte Schlussrunde, die ihn bis auf 1,5 Sekunden an die Italiener heranbrachte, hätten sie den Sieg definitiv verdient gehabt.

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Überraschungen im Massenstart
Hätte man vor den gestrigen Massenstarts eine Umfrage gestartet, hätten wohl wenige den Sprint-Spezialisten Julian Eberhard oder Vanessa Hinz, bis dahin ohne Podestplätze, als Sieger getippt. Aber wir sind nun mal beim Biathlon... und da ist alles möglich.

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Eberhard: Sportsgeist beim Sieg

Eberhard lag nach dem letzten Stehendschießen auf einem sicheren dritten Platz mit 17,2 Sekunden Rückstand auf den führenden Fourcade. Wie Eberhard erklärte, wollte er „...Platz drei verteidigen. Aber nach der halben Runde habe ich gesehen, dass ich die Spitze einholen kann. Auf den letzten 200 Metern habe ich gemerkt, dass ich gewinnen kann...“ Der Zwischenfall mit Anton Shipulin auf der letzten Brücke vor dem Ziel war nur eine Fußnote; Eberhard war nicht mehr aufzuhalten, als er an dem überraschten und erschöpften Mann in Gelb vorbeizog und zum ersten Mal in einem Rennen mit vier Schießen siegte. Eberhard bewies Sportsgeist und wartete im Ziel auf Shipulin, um sich zu entschuldigen, und dieser bewies ebenfalls Größe, als er sagte: „Ich mache Julian keinen Vorwurf. Das kann im Sport mal passieren, und es ist alles fair gelaufen.“ Es war ein guter Sieg und ein schöner Moment, in dem die Kameradschaft zwischen den Biathleten einmal erleben konnte.

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Sich selbst gut zugeredet, Moment des Sieges
Hinz schaffte es einige Stunden später aufs Podest, als die treuen Mäkäräinen-Fans die Frau in blau und weiß anfeuerten. Hinz redete sich wie Eberhard im rechten Moment gut zu, um den Sieg zu erringen. Ich war schon so oft so nach dran am Podest. Ich wusste, dass ich das schaffen kann. Heute habe ich mir gesagt, ‚Okay, wir versuchen das mal, und wenn es klappt, ist das gut, und sonst kommt ja auch noch eine neue Saison und andere Rennen.‘ Es funktionierte, denn auch im hochangespannten letzten Stehendschießen schoss sie souverän und fehlerfrei. Ihre Verneigung vor dem Publikum im Moment des Sieges war einer dieser wunderbaren Biathlon-Momente, die man einfach immer wieder anschauen kann.

#KON18: Nach Winterspielen Stabilität, Sportsgeist und einige Überraschungen

Das war #KON18. Die Stars in Gelb sind die gleichen wie in der Vorwoche. Die italienische Mannschaft, Hinz und Eberhard nehmen ein paar unvergessliche Momente mit, und vor uns liegen noch zwei spannende Biathlon-Wochen.

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