Kristall krönt die Saison... Teil 1: Martin siegt auf ganzer Linie

Kristall krönt die Saison... Teil 1: Martin siegt auf ganzer Linie

(Teil 1 der drei Artikel) Zu Beginn der Saison gibt es immer viele Anwärter auf die kleinen und großen Kristallkugeln. Und doch war es am Ende dann nur eine Dreiergruppe: Die Gesamtweltcupsieger Martin Fourcade und Laura Dahlmeier plus Gabriela Koukalová sichern sich alle zehn heißbegehrten Kristallkugeln.

Fourcade und Dahlmeier bestimmten in der BMW IBU Weltcupsaison 2016-17 klar, wo es langgeht, und zogen in den leuchtendgelben Trikots regelmäßig an ihren Konkurrenten vorbei. Ende Dezember stand bereits fest, dass Fourcade die Saison erneut dominieren würde, sodass seine Rivalen nur noch ratlos den Kopf schütteln und sich um Platz zwei duellieren konnten.

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Martin meisterhaft

Fourcade bewies in dieser Saison erneut, dass ER es ist, den es zu schlagen gilt. Seine Rivalen bemühen sich, sein Talent und seine Fähigkeiten nachzuahmen, allerdings mit nur geringem Erfolg. In die neue Saison stieg er gleich mit einem ersten Sieg im ersten Wettkampf ein, wenn auch in der einfachen gemischten Staffel von Östersund. Er hatte das Rennen meisterhaft im Griff, glitt mühelos und entschlossen über die Strecke und schloss auch die Scheiben mit Leichtigkeit. Anders als anderen Saisons, in denen ihm mal ein Patzer unterlief, war dieses Jahr makellos. Fourcades schlechtestes Einzelergebnis in dieser Saison war ein 8. Platz im Sprint von Oberhof, wo er sich überraschend drei Fehler leistete. Mit einem Sieg über die 20 km konnte er im gelben Trikot in die Saison starten, seine Herausforderer kamen nie an ihn heran, er siegte 14-mal, stand 22-mal auf dem Podest und beendete das Jahr mit einem dominanten Massenstartsieg im gelben Trikot mit der Nummer 1.

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Unvorstellbare Saison

Auf diese großartige Saison zurückblickend sagte er: „Ich hätte mir eine solche Saison nie vorstellen können. Es ist die beste Saison in der Geschichte des Biathlon und ich hätte ganz ehrlich nicht gedacht, dass das möglich ist!“

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Fulminanter Dezember

Diese dominante Saison ist eine, auf die man wohl noch lange und voller Ehrfurcht zurückblicken wird. Die Statistiken unterstreichen dies noch. Die Saison begann zwar in Östersund, doch der Dezember zeigte klar, wohin die Reise gehen würde. Zehn Starts, darunter eine Staffel und eine einfache gemischte Staffel, führten zu einem Dezemberrekord mit sieben Einzelsiegen plus zwei Staffeln; die einzige Enttäuschung war der dritte Platz in der Verfolgung von Östersund. In allen Wettkämpfen des Monats zusammengenommen traf Fourcade mit 130 abgegebenen Schüssen nur neunmal nicht sein Ziel, was eine Erfolgsquote von 93 % ergibt. Auch auf der Strecke lief alles tadellos; im ersten Sprint der Saison lag der Mann im gelben Trikot 41 Sekunden vor dem Zweitplatzierten. Als Emil Hegle Svendsen in der Verfolgung von Pokljuka mit 20 Schuss und 20 Treffern mit Fourcade gleichzog, lag der Mann im gelben Trikot immer noch sechs ganze Sekunden vor ihm. Der Hattrick in Nove Mesto mit zwei Siegen vor Anton Shipulin und einem vor Simon Schempp kostete die beiden Herren im Prinzip die Chance auf den Sieg im Gesamtweltcup. Vor der Winterpause häuften sich die Punkte langsam: Fourcade 468, Shipulin 310, Johannes Thingnes Boe 308, Ole Einar Björndalen 258 und Schempp 251. So nahe sollte niemand mehr an ihn herankommen.

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Großer Sieg, Foto-Finish im Januar

Fourcade setzte seinen Siegeszug im Januar mit drei weiteren Siegen fort, darunter der verschneite Verfolgungssieg in Ruhpolding vor Svendsen. Die meisten Athleten hätten es mit drei Strafrunden wohl nicht auf den ersten Platz geschafft, aber für Fourcade gelten eben eigene Gesetze. Svendsen blieb ohne Fehler, kam aber mit 18,3 Sekunden Rückstand ins Ziel, brach zusammen und musste von seinen Mannschaftskameraden aus dem Zielbereich begleitet werden. Nur wenige Tage zuvor hatte Fourcade gegen Schempp und Erik Lesser in einem dramatischen Foto-Finish im Massenstart von Oberhof verloren, aber der Abstand betrug insgesamt nur 0,4 Sekunden. Beide hatten einen Fehler weniger als Fourcade und konnten ihn nur knapp schlagen. Der Sieg war nicht immer sicher, aber diese Version von Martin Fourcade war immer auf der Jagd danach.
Ende Januar: Zehn Siege auf dem Zettel, 824 Punkte für Fourcade, dahinter Shipulin mit 548.

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Viertes WM-Gold in der Verfolgung und... Kristallkugel Nummer 1

Bei der IBU WM Medaillen zu gewinnen ist nie leicht, aber mit den zwei Staffelmedaillen und den drei Einzelmedaillen, darunter Gold in der Verfolgung, hat Fourcade nun ganze 25 WM-Medaillen im Trophäenschrank. Mit der Bronzemedaille über die 20 km begann er die Kristallkugel-Sammlung für dieses Jahr; die Gravur für die kleine Kristallkugel in der Einzel-Disziplin stand fest. Der Name? Martin Fourcade. Die Goldmedaille in der Verfolgung war sein fünfter Verfolgungssieg in Folge und sein vierter Titel in dieser Disziplin. Seine Führung in der Gesamtwertung baute der Mann aus Villard de Lans weiter aus: 1020 zu 690.

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Schicksal und Perfektion

Pyeongchang ist für 2018 das große Ziel aller Athleten. Von einem kleinen Schluckauf mit dem dritten Platz und zwei Fehlern im Sprint mal abgesehen zeigte der Mann in Gelb ganz klar, dass das Schicksal ihm auch an diesem Austragungsort wohlgesonnen sein könnte. Verfolgungssieg Nummer sechs und Saisonsieg Nummer zwölf unterstrichen erneut seine Dominanz. Mit zwölf Siegen holte er zudem Björndalens Saisonrekord ein. Fourcade gab zu, dass der Sieg, mit dem er den Rekord einstellte, „alles andere als ein perfektes Rennen war. Die anderen waren mir auf den Fersen und haben mir wieder und wieder Druck gemacht. Das perfekte Rennen hebe ich mir für den nächsten Winter auf.“

Kristallkugel-Express

Den kurzen Ausflug nach Kontiolahti könnte man als den Kristallkugel-Express bezeichnen. Der Sieg im Gesamtweltcup und die große Kristallkugel standen nun für Frankreich bereit; als sein Flieger in Finnland landete, konnte schon niemand mehr seine 1169 Punkte einholen. Mit einem Sprintsieg und einem fünften Platz in der Verfolgung konnten auch diese beiden Kristallkugeln für den französischen Trophäenschrank vorbereitet werden.

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Mein Tag: Massenstart krönt die Saison

Nur noch ein letztes Mal Kristall, nur noch die Kugel für den Massenstart war zu Beginn der letzten Saisonwoche noch zu vergeben. Der Massenstartsieg, trotz kurzer Aufregung am Schießstand, war der krönende Abschluss für Fourcades brillante Saison. Nach den Liegendschießen ließ er seine keuchenden Rivalen hinter sich; zwanzig Schuss, zwanzig Treffer, neuer Rekord mit dem 14. Sieg und damit auch die Kristallsammlung komplett. Gewohnt selbstbewusst beendete Fourcade die Saison mit den Worten: „Ich wollte allen zeigen, dass heute mein Tag ist.“

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Eine wirklich „besondere“ Saison

Es war nicht nur sein Tag, sondern seine Saison, die von Anfang bis Ende voller bemerkenswerter Moment steckte. Fourcade fasste zusammen: „Es ist wirklich etwas Besonderes, Ole Einars Rekord eingeholt zu haben. Darauf bin ich wirklich stolz! Was den kompletten Satz Kristallkugeln angeht, ist Raphaël Poirée der einzige Biathlet, dem das je gelungen ist; mir klar, dass es etwas ganz Besonders ist, das dreimal zu schaffen!“
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Teil zwei am nächsten Dienstag: Lauras erste Kristallkugeln
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