Lisa Theresa Hauser: Ein richtig guter Sommer

Lisa Theresa Hauser: Ein richtig guter Sommer

Seitdem sie vor vier Jahren den Aufstieg von den Juniorinnen in den Weltcup wagte, ist Lisa Theresa Hauser das Gesicht der österreichischen Damenmannschaft geworden. Sie ist bei zwei Olympischen Winterspielen und vier IBU Weltmeisterschaften angetreten, schaffte es auf Platz 15 in der Weltcup-Gesamtwertung und hat bei fünf Single-Mixed-Staffeln im BMW IBU Weltcup auf dem Podest gestanden. Ihre Visitenkarte ist ihr Können am Schießstand, wo sie zuverlässig fast 90 % aller Scheiben schließt. 

Nach einer Saison, die „anders als erwartet“ verlief, ist sie jetzt nach einem „richtig guten Sommer“, in dem sie so viel Zeit wie möglich in ihren geliebten Bergen verbracht hat, erholt, zufrieden und bereit für die neue Saison.

Lisa Theresa Hauser: Ein richtig guter Sommer

BW: Die Trainingssaison ist jetzt fast zu Ende. Bist zu zufrieden damit, wie das Training gelaufen ist?
LH:
Ja, es war richtig, richtig gut. Ich bin den ganzen Sommer gesund geblieben, was, glaube ich, für jeden Athleten das Wichtigste ist. Das Training war toll: Ich war Rennradfahren auf Sardinien und habe Zeit in Obertilliach und Toblach verbracht. Ich liebe die Berge dort. Abgesehen davon habe ich den Großteil des Sommers hier in Hochfilzen verbracht.

BW: Hast du das Gefühl, dass du diesen Sommer Fortschritte gemacht hast, vor allem beim Laufen, was ja vermutlich deine größte Schwäche ist?
LH:
In diesem Sommer habe ich mich vor allem aufs Laufen konzentriert. In meinem Trainingsteam hat es eine Veränderung gegeben, weil Sandra (Flunger) in die Schweiz gewechselt ist. Jetzt arbeitet Walter Gapp mit Alfred (Eder) an unserer Drei-Frauen-Gruppe. Die Stimmung ist echt gut, und wir haben hart gearbeitet, auch wenn mir das heiße Wetter in diesem Jahr zugesetzt hat.

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BW: Warst du traurig, dass deine langjährige Trainerin Sandra Flunger in die Schweiz gewechselt ist?
LH:

Ich war sehr traurig darüber, aber wir stehen noch in Kontakt und sprechen über meine Technik, mein Schießen und darüber, wie ich mich verbessern kann...Ich habe sogar ein paar Tage mit den Schweizer Mädels in Lenzerheide trainiert. Das war echt toll, weil die Schweizer Mädels und ich auf demselben Niveau sind. Ich bin hier in Österreich die Beste, deswegen hat es mir gutgetan, mit dieser Gruppe zu trainieren, die mich fordern konnte.

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BW: Was war dein bester Tag in diesem Sommer, an welchen erinnerst du dich am liebsten?
LH:
Das ist schwer zu sagen, aber vermutlich die Rennradtouren in Sardinien... oder die Skiroller-Anstiege in Toblach. Eigentlich ist es egal, ob ich meine Laufschuhe anhabe, auf dem Rennrad sitze oder auf Skirollern stehe. Jeder Tag ist ein bester Tag, wenn ich in den Bergen bin.

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BW: Deine letzten vier Rennen am Ende der letzten Saison (alle mit Top-15-Resultaten) waren die besten in deinem ganzen Jahr. Warst du traurig, dass die Saison zu Ende ging, als du gerade so in Form warst?​LH: Klar, die letzte Saison lief anders als erwartet. Aber für mich war es eigentlich nicht so schlimm, wie alle gedacht haben. Ich wusste, dass ich beim Laufen ein kleines bisschen besser war als im Vorjahr, aber ich konnte am Schießstand einfach nicht liefern. Es waren immer ein oder zwei Fehler zu viel. In den Jahren davor war das Schießen meine Stärke gewesen, aber letztes Jahr war das nicht so.

Ich war nicht so traurig, dass die Saison nicht meine beste war. Das ist im Sport normal. In den Jahren davor ging es immer weiter aufwärts, aufwärts, aufwärts, und letztes Jahr eben ein bisschen abwärts. Das ist Biathlon. Ich war eigentlich ganz froh, dass die Saison dann zu Ende war, denn mit den ganzen langen Reisen, den Winterspielen und den verschiedenen Zeitzonen war es ein anstrengendes Jahr. Es war aber trotzdem schön, die Saison mit versöhnlichen Ergebnissen zu beenden. Das ist mental gut für den Wiedereinstieg im Mai. Dann weiß man, dass es nicht nur noch bergab geht!

Lisa Theresa Hauser: Ein richtig guter Sommer
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BW: Du bist ja quasi die „Königin der Single-Mixed-Staffel“, die du mit jedem Partner zu gewinnen scheinst. Was macht diese Disziplin für dich so besonders?
LH:
Das ist einfach ein sehr spannendes Rennen, bei dem man gleichzeitig schnell und sauber schießen muss, darum geht es vor allem. Die österreichische Mannschaft ist insgesamt recht gut am Schießstand, und einige andere Nationen haben deshalb zu uns aufgeschaut. Aber es wird jedes Jahr schwieriger. Ich bin fünfmal in der einfachen gemischten Staffel angetreten und habe fünfmal auf dem Podest gestanden, aber die meiste Zeit haben wir einfach viel Glück gehabt. In Canmore mit Simon (Eder) und in Kontiolahti mit Julian (Eberhard) war ich nicht so gut. Sie haben unsere Mannschaft getragen und die anderen konnten nicht mithalten. Mir macht das Spaß und meine Familie zu Hause ist immer ganz aufgeregt und feuert uns an, wenn eine einfache gemischte Staffel ansteht.

Lisa Theresa Hauser: Ein richtig guter Sommer
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BW: Wenn du an den Anfang deiner Weltcupkarriere und deinen ersten Start zurückdenkst, damals zu Hause in Hochfilzen, wie nervös warst du an dem Tag?
LH:
Es war eine Staffel und eine spannende Erfahrung. Ich habe hier geschlafen, nicht zu Hause (im nahegelegenen Kitzbühel). Ich habe am Abend vorher meine Mutter angerufen und fast geweint, weil ich nach Hause wollte! Es war ein tolles Rennen. Ich habe 0-0 geschossen, das ist vor heimischem Publikum ein ziemliches Erlebnis.

BW: Wie schwer ist es, vor diesem heimischen Publikum ein gutes Rennen abzuliefern oder aufs Podest zu kommen?
LH:
Es ist richtig schwer. Bei der WM hier hatte ich bei der ganzen Aufmerksamkeit, den Erwartungen und den ganzen Medien keinen einzigen guten Tag. Aber was eine gute Athletin ausmacht, ist dass sie überall aufs Podest kommen kann, auch zu Hause.

Lisa Theresa Hauser: Ein richtig guter Sommer

BW: Was ist der Unterschied zwischen der Lisa Hauser bei diesem ersten Start 2012 und der Lisa Hauser von heute?
LH

: Damals war es so einfach. Ich war ein Niemand, völlig unbekannt und stand unter gar keinem Druck. Ich war einfach nur dieses 18-jährige junge Mädchen aus Österreich. Es hieß, „Wenn sie sich gut schlägt, ist das schön. Wenn sie sich nicht gut schlägt, okay, macht auch nichts.“ Im letzten Jahr war es jedes Mal gleich ein schlechtes Rennen, wenn ich nicht in den Top 20 war, das ist für jede Athletin das gleiche Problem. Inzwischen bin ich ruhiger und selbstsicherer und weiß was ich kann und was möglich ist.

BW: Wärst du am Ende der Saison zufrieden mit einem Top-20-Platz in der Weltcup-Gesamtwertung und einem Einzel-Podest?
LH:
Ja, ich habe ja schon zweimal Platz 15 belegt und letztes Jahr Platz 29, also schaffe ich diesmal die Top 20. 

BW: Wie sehr freust du dich auf echten Schnee?
LH:
Unbändig. Ich trainiere gern auf Schnee, viel lieber als auf Skirollern! Das ist unsere letzte Trainingseinheit, 10 Tage mit der Herrenmannschaft...In Norwegen ist die Stimmung immer besonders. Da ist es kurz vor der Saison sehr ruhig. Wenn ich zu Hause wäre, gäbe es da immer etwas zu tun. In Norwegen muss man nur trainieren, essen und schlafen und sich konzentrieren. Im Trainingslager zu sein ist kein Problem. Unsere Mannschaft kann zum Glück nach fast jedem Weltcup nach Hause, und viele andere können das die ganze Saison über nicht, also ist ein kurzes Trainingslager kein Problem.“

Das zehntägige Schnee-Trainingslager im norwegischen Trysil begann für Hauser und ihre Mannschaftskameradinnen am Dienstag dieser Woche.

Lisa Theresa Hauser: Ein richtig guter Sommer

Fotos: IBU/Evgeny Tumashov, Ernst Wukits, Christian Manzoni, Jerry Kokesh Lisa Theresa Hauser

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