Marie Dorin Habert: Mit der Familie an den Schießstand

Marie Dorin Habert: Mit der Familie an den Schießstand

Es war ein hektischer Tag für Marie Dorin Habert: Über zwei Stunden Training in ihrem Heimstadion in Correncon en Vercors, dann eine Stunde Fahrt zu einem Sponsorentermin, dann um halb sechs abends wieder an den Schießstand für die letzte Trainingseinheit der Woche mit Ehemann Lois und Töchterchen Adele.

Marie Dorin Habert: Mit der Familie an den Schießstand

Heißer Tag im Golfcart

Im Golfcart auf dem Weg zum Schießstand, mit der ganzen Familie, Maries Waffe und Adeles Fahrrad und Puppe im Gepäck, sagt Dorin Habert: „Momentan ist es schwer, alles unter einen Hut zu bekommen. Adele wird älter, sich um sie zu kümmern braucht mehr Zeit und Aufmerksamkeit, aber trotzdem genieße ich diese Tage zuhause, auch wenn sie hektisch sind.“ An diesem strahlenden Nachmittag bei 31° C gibt die mehrfache Weltmeisterin mit olympischem Edelmetall zu: „Es ist schon ziemlich heiß, etwas kühler wäre mir lieber, aber ich werde nur ein bisschen schießen, also geht das schon.“

Karriereende rückt näher

Lois holt die Schießmatte heraus und hängt die Papierziele auf, dann fällt ihm ein, dass das Spektiv noch im Auto ist. Zusammen mit Adele macht er sich auf den 10-minütigen Weg zurück, und so hat Mama Zeit, die Waffe bereit zu machen und über ihr Leben und die neue Saison zu sprechen. „Ich freue mich darauf, mich in diesem Jahr so gut zu fühlen wie zum Beispiel bei der IBU WM in Oslo. Vielleicht ist es gut, mal ein nicht so erfolgreiches Jahr zu haben, wie in der vergangenen Saison (zwei WM-Staffel-Medaillen und Platz vier im Gesamtweltcup, im Vergleich zu sechs Medaillen und dem zweiten Platz im Gesamtweltcup im Vorjahr). Ich bin wieder siegeshungrig; ich will eine gute Saison abliefern, weil das Ende meiner Karriere näher rückt. Ich werde das sicher nicht vor April entscheiden, aber dies könnte mein letztes Jahr werden. Anders als die jüngeren Mädchen in unserer Mannschaft befinden Anais (Bescond) und ich uns schon in der zweiten Hälfte unserer Laufbahn, während Celia Aymonier, Anais Chevalier und Justine Braisaz gerade in die besten Jahre kommen.“

Marie Dorin Habert: Mit der Familie an den Schießstand

Schießübungen und Adeles Spielplatz

Zwanzig Minuten lang absolviert die braungebrannte Biathletin Ein-Schuss-Übungen auf Papier, während der Ehemann/Trainer jeden Schuss kommentiert und mit Argusaugen die Bewegungen des Gewehrlaufs und das Nachhalten beobachtet. Die 3-jährige Adele hat sich derweil ihr Fahrrad geschnappt und spielt etwa 100 Meter entfernt auf den Sit-Up-Bänken und an den Klimmzug-Stangen. Plötzlich sprintet ihr Vater zu ihr hinüber: Sie ist an die oberste Stange geklettert, hängt dort jetzt und kommt nicht mehr herunter. „Ich habe sie am Boden gesucht, aber sie hing plötzlich ganz oben.“ Wieder mit sicherem Boden unter den Füßen spielt sie mit ihrer Puppe, als wäre nichts gewesen. Dorin Habert gibt zu: „Sie ist unheimlich gerne hier, das ist ihr großer Spielplatz.“

Mountainbike und Schwimmbad

Dann geht es wieder an die Arbeit, und mit vier Fünf-Schuss-Einlagen auf Zeit endet die Trainingseinheit für heute. Mit einem verschmitzten Grinsen sagt Lois zum Trainingsfortschritt: „Ich sagte ihr immer, dass sie gut geschossen hat, aber das hat sie gar nicht! Nein, Scherz beiseite, das war ganz gut.“ Dorin Habert fügt hinzu: „Manchmal läuft es gut, manchmal nicht so. Ich habe es so gut gemacht, wie ich konnte.“ Damit geht eine Woche voller Skiroller-Touren, Schießübungen und Trainingseinheiten auf einem neuen grünen Mountainbike zu Ende. „Wir haben hier viele nette Singletrail-Strecken, und das macht mir deutlich mehr Spaß als Rennradfahren.“ Die müde französische Biathletin lächelt beim Gedanken an ihren freien Samstag. „Ich glaube, wir machen einen Familientag und gehen mit Adele hier ins Schwimmbad. Heute abend gehen wir zu einem Musikfestival, das wird sicher auch schön.“

Marie Dorin Habert: Mit der Familie an den Schießstand

Hotelprojekt

Für die französische Mannschaft stehen als nächstes das alljährliche Trainingslager und das Blink Festivalen in Norwegen auf dem Plan. Im August macht Dorin Habert eine Pause vom Mannschaftstraining. „Adele kommt im September in den Kindergarten, deshalb werde ich den ganzen Monat alleine trainieren und viel Zeit mit ihr verbringen. Dann ist es auch schon nicht mehr lang bis zum Saisonstart.“ Auf dem Rückweg über den sattgrünen Golfplatz zurück zum Parkplatz deutet Lois auf den nächsten Abschnitt in der Sportlerkarriere des Paars. „Zusammen mit unserem Partner/Ex-Langläufer Robin Duvillard werden wir hier im nächsten Monat mit dem Bau unseres Sporthotels mit 56 Betten beginnen. Wir haben Zwei- und Dreibettzimmer vorgesehen, außerdem ein Restaurant. Für Mannschaften, die zum Training herkommen, wird das perfekt.“

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Jeder Tag ist ein guter Tag

Mitsamt der Biathlon-Ausrüstung, Spielzeug und Kinderfahrrad steigt Dorin Habert wieder ins Auto. Sie wirkt nach dem Nachmittag am Schießstand mit der Familie glücklich und entspannt. „Das war ein guter Tag. Eigentlich ist jeder Tag ein guter Tag... Ich freue mich auf die Saison. Ich will ein paar schöne Erinnerungen sammeln.“

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