Martin Fourcade wieder auf Kurs: Gold in der Verfolgung

Martin Fourcade wieder auf Kurs: Gold in der Verfolgung

Der Franzose Martin Fourcade war nach einem enttäuschenden achten Platz im gestrigen Sprint heute Abend mit nur einem Fehler wieder auf Kurs und verteidigte seinen Titel als Verfolgungs-Olympiasieger mit einer Zeit von 32:51,7. Sebastian Samuelsson aus Schweden besiegte in einem Zweikampf auf der letzten Runde den Deutschen Benedikt Doll und gewann Silber mit 12 Sekunden Rückstand vor dem Deutschen mit 15,1 Sekunden Rückstand. Sowohl Samuelsson als auch Doll schossen je einen Fehler.

Martin Fourcade wieder auf Kurs: Gold in der Verfolgung

Enttäuschung und Erkenntnis führen zu Gold

Fourcade erklärte seine Verfassung nach dem Sprint und wie diese heute zu Gold geführt hatte. „Gestern Abend war ich nicht frustriert, ich war enttäuscht. Ich konnte einfach nicht verstehen, was passiert war, ich hatte so hart gearbeitet, um im Sprint gut zu sein. Diesen Wettkampf wollte ich mehr als jeden anderen gewinnen... Nach dem Wettkampf konnte ich einfach nicht verstehen, was schiefgelaufen war. Heute Morgen habe ich ein Bild (vom Wettkampf) gesehen und festgestellt, dass der Wind ganz anders war, als ich dachte. Da habe ich verstanden, dass das kein Pech war, sondern mein Fehler... Dann habe ich die Kraft gefunden, heute wieder anzutreten.“

*Titelverteidigung ähnlich wie in Sochi *

Mit seinem Sieg war Fourcade der erste Mann, der einen Olympiasieg in der Verfolgung wiederholt hatte. Vor vier Jahren hatte er in Sochi schon die Verfolgung gewonnen; nach einem sechsten Platz im Sprint arbeitete sich Fourcade damals im Verfolger zum Sieg vor, auch da mit einem Fehler und mit 14,1 Sekunden Vorsprung auf das Feld.

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Tarjei Boe gewann den Schlusssprint gegen den Deutschen Simon Schempp und sicherte sich Platz vier, der Norweger dabei 1:02,6 und der Deutschen 1:02,7 hinter dem Sieger. Beide schossen drei Fehler. Der Schweizer Benjamin Weger lag mit zwei Fehlern und 1:03,1 Rückstand knapp hinter ihnen.

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Wind und keiner ohne Fehler

In den zwei Stunden zwischen den zwei Verfolgern hatte sich an den Bedingungen nichts geändert; es war immer noch windig und kalt. Wie schon in der Verfolgung der Damen zuvor hatten alle mit den wechselhaften Winden zu kämpfen, und keiner der sechzig Herren kam ohne Schießfehler Davon.

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Peiffer führt in Liegendschießen

Peiffer verteidigte auf der ersten Runde die Führung und kam gut durch, während Fourcade hinten aufs Gas trat und bis zum ersten Liegendschießen auf Rang zwei vorgerückt war. Der Deutsche blieb ohne Fehler, während Fourcade einmal in die Runde musste. Eberhard machte es dem Sprintsieger nach und ging eine Nasenlänge vor Peiffer wieder auf die Strecke, während Doll als Dritter, aber mit 12 Sekunden Rückstand auf die Strecke ging. Die ersten acht Herren setzten allesamt fünf Treffer; Fourcade lag mit 27 Sekunden Rückstand auf neun. Eberhard führte auf der nächsten Runde, Peiffer hing an seinen Skienden und die Verfolgergruppe 15 Sekunden dahinter. Vor dem zweiten Liegendschießen zog Peiffer noch vorbei, lag wieder auf Bahn eins, traf alles und war weg. Lesser und Tarjei blieben zum zweiten Mal fehlerfrei und übernahmen Rang zwei und drei, gefolgt von einem ebenfalls fehlerfreien Schempp. Fourcade schoss besonnen, traf alles und rückte vor dem ersten Stehendschießen nun auf Rang sechs vor.

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Fourcade übernimmt das Kommando

Peiffer und Fourcade lagen nun auf 1 und 2. Peiffer setzte den ersten Schuss, während der noch amtierende Olympiasieger in der Verfolgung die Sache langsam anging. Peiffer musste in die Runde, Fourcade räumte ab und übernahm die Führung, alle anderen Herren in dieser Gruppe schossen einen Fehler. Der Franzose hatte nun 20 Sekunden Vorsprung vor Peiffer auf Rang zwei und Tarjei auf Rang drei. Die Verfolgergruppe mit Samuelsson, Schempp, Doll und Bjoentegaard lag etwa 30 Sekunden zurück.

Fourcade gab zu, dass dieses Schießen für den Sieg entscheidend war. „Ich glaube, das dritte Schießen war der Knackpunkt, weil der Wind da schwierig war. Das war heute vermutlich das schwierigste Schießen. Ich habe mir mit meinem ersten Schuss etwas mehr Zeit gelassen. Als mir klar wurde, dass ich als Einziger alles getroffen hatte, wusste ich, dass ich es jetzt in der Hand habe.“

5 Treffer, Siegerfaust, Fahne, Ziel

Auf den nächsten 2,5 km zog der Führende das Tempo kontinuierlich an und setzte sich vom Feld ab. Auch zum letzten Schießen kam er wieder einmal allein, gelassen und konzentriert. Die Scheiben fielen schnell, eine nach der anderen. Er drehte sich zum Publikum um, reckte die bekannte Siegerfaust in die Luft und machte sich auf die 2,5 km lange Ehrenrunde. Die Zeit reichte locker, um noch eine Fahne zu greifen und auf der Zielgeraden zu feiern. Als erster Mann hatte er bei Winterspielen einen Verfolgungstitel verteidigt.

Martin Fourcade wieder auf Kurs: Gold in der Verfolgung
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Samuelsson setzt sich ab zu Silber.

Hinter ihm blieben Doll und Samuelsson ohne Fehler. Beide hatten die Medaille sicher; der Vorsprung auf Rang vier und Weger betrug über 40 Sekunden. Der junge Schwede mühte sich, den Deutschen einzuholen, und am vorletzten Anstieg hatte er ihn eingeholt. Am letzten kleinen Hügel vor der langen Abfahrt ins Ziel stob der 20-jährige Samuelsson dann an Doll vorbei und zog davon, um sich mit großem Jubel im Ziel die Silbermedaille zu sichern.

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Gute Skier, brüllende Wachstechniker
Der IBU Newcomer des Jahres erzählte, wie er sich auf der letzten Runde die Silbermedaille erkämpft hatte. „Mein Ziel war, ihn nach dem letzten Stehendschießen einzuholen. Ich wusste, dass wenn ich oben noch dran bin, ich gute Skier habe. Ich wollte eigentlich noch länger hinter ihm im Windschatten bleiben, aber meine Techniker haben oben am Anstieg so gebrüllt, dass ich angegriffen habe.“

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Doll und die letzte Runde
Doll hatte die Größe, vor seinem jungen Rivalen den Hut zu ziehen, was den Zweikampf auf der letzten Runde angeht. Der junge Schwede war heute einfach besser. „Auf der letzten Runde war ich schon echt schlapp. Ich habe Sebastian hinter mir gesehen, meine Beine haben am letzten langen Anstieg immer mehr nachgelassen und er ist nähergekommen. Ich habe versucht, mir eine neue Taktik für den Schlusssprint einfallen zu lassen, aber dann ist er bei der Einfahrt ins Stadion vorbeigezogen.  Ich konnte da nicht dranbleiben. Er war schneller und hatte noch mehr Kraft über, also ist es nur richtig, dass er Silber gewonnen hat.“

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