Neuanfang in Obertilliach für Esten und neuen Trainer Indrek Tobreluts

 Neuanfang in Obertilliach für Esten und neuen Trainer Indrek Tobreluts

Nach einem langen, heißen Sommer im gemütlichen Heimstadion in Otepää beginnt der September für die estnische Biathlonmannschaft mit einem zweiwöchigen Trainingslager im sonnigen und kühlen Obertilliach. Für die Mannschaft ist es das erste Auswärtstraining mit dem ehemaligen Mannschaftskameraden und neuen Cheftrainer Indrek Tobreluts.

Ein Flug und eine lange Anfahrt
Der Flug nach Deutschland und die anschließende Fahrt in das österreichische Dorf dauert fast einen Tag, und so sind die Athleten bei der Ankunft müde, aber auch voller Energie. Während die Mannschaft im Flieger sitzt, reißt der junge Trainer im Mannschaftsbus mit allem Equipment mal eben in 24 Stunden 2034 Kilometer herunter. Bei der Ankunft ist auch er hochmotiviert, noch müder als sein Team und freut sich auf die nächste Stufe des Trainingsplans, der für die vielversprechende Mannschaft einen Neuanfang bedeutet.

 Neuanfang in Obertilliach für Esten und neuen Trainer Indrek Tobreluts

Große Verantwortung
Viele junge Cheftrainer haben sich ihre Sporen erst auf regionaler, Junioren- oder IBU-Cup-Ebene verdienen müssen, aber dieser Weltcup-Veteran mit 20 Jahren Erfahrung schaffte den Aufstieg zum Cheftrainer gerade mal drei Jahre nach seinem Rückzug aus dem aktiven Sport. Er sagt: „Ich hatte gehofft, ein paar Jahre lang Assistenztrainer sein zu können, aber manchmal läuft es anders als geplant. Es war entweder dieser Job oder der Platz auf dem Sofa vor dem Fernseher, dazwischen gab es nichts. Es war eine leichte Entscheidung. Natürlich ist es eine große Verantwortung, aber es ist auch aufregend, vor allem, weil ich merke, dass mir die Athleten vertrauen und dass sie sich in den letzten drei Monaten entwickelt haben. Der Sommer ist gut gelaufen; ich habe ein gutes Gefühl.“

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Herausforderungen
Einen Cheftrainerposten zu besetzten, der über ein Jahr vakant gewesen ist, ist eine Herausforderung. „Die Männer haben die größte Herausforderung zu meistern, vor allem in der Staffel. Wir haben gute Junioren, aber die müssen sich noch 2 - 3 Jahre entwickeln. Unter den sieben Frauen gibt es eine gute Rivalität. Sie sind talentiert und als Gruppe vielleicht ein bisschen weiter.“

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Fokus auf Kraft und Intensität
Im Trainingslager in Obertilliach steht das für den Herbst übliche Übergangstraining auf dem Programm. „Wir wollen hier die Intensität hochschrauben und mehr Krafttraining machen. Das geht hier beides gut. Wir haben die Berge und ein Stadion mit schweren Skirollerstrecken. Wir werden ein paar leichte Läufe und Wanderungen von 3 - 4 Stunden machen, auf Skirollern Einheiten wie fünfmal fünf Minuten bergan laufen und dann Intensitätstraining mit Schießen im Stadion. Das ist nichts Neues, nur dass wir in den Bergen sind und nicht zuhause, wo wir solche Bedingungen nicht haben.“

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Akklimatisieren
Bevor die wirklich harte Arbeit beginnt, nutzt die Mannschaft die ersten paar Tage nach der langen Reise, um sich zu akklimatisieren. „Wir beginnen das Trainingslager mit ein paar leichten Einheiten. Ein Trainer muss vor allem wissen, wie es den Athleten geht Man muss verstehen, dass man das Training anpassen muss, wenn es jemandem nicht gut geht.“ Bei wolkenlosem blauem Himmel und milden Temperaturen beginnt das Trainingslager also mit einem leichten Morgenlauf.

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Motiviert; Obertilliach vermisst
Die Mannschaft kann es kaum erwarten, dass es losgeht. Grete Gaim und Meril Beilmann, die um die Wette strahlen, sagen fast übereinstimmend: „Wir sind seit ein paar Jahren nicht hier gewesen und wir haben diesen Ort und die Berge wirklich vermisst. Das ist so ein toller Trainingsort.“

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Eineinhalb Stunden auf Skirollern
Am Nachmittag werden die Skiroller ausgepackt, und einer nach dem anderen laufen die Athleten aus dem Dorf hinaus, den Hügel hinunter und zum Biathlonzentrum Osttirol. Um vier Uhr nachmittags haben sie die Skirollerstrecken für sich. Der neue Trainer spricht mit der Gruppe und mit einigen einzeln, bevor sie sich zu eineinhalb Stunden klassischem Skirollerlaufen auf den Weg machen. Manche ziehen für sich im Schatten der Bäume ihre Runden, während andere auf den Runden miteinander plaudern.

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Ziele und Motivation
Der Trainer beobachtet die Athleten, die alle 8 - 10 Minuten durch das Stadion laufen, mit Argusaugen und achtet auf die Technik. Zwischendurch gibt es einen Schluck zu Trinken und Anweisungen vom Trainer. „Ich lerne jeden Tag etwas Neues. Mein Ziel ist, jedem Athleten dabei zu helfen, seine persönlichen Ziele zu erreichen. Die Ziele gebe ich nicht vor, sie sind alle motiviert. Athleten wie Regina Oja und Grete Gaim konzentrieren sich ganz auf ihren Sport und man kann gut mit ihnen zusammenarbeiten, Motivation ist da kein Problem.“

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Potential
Und trotzdem macht sich Tobreluts auch Gedanken über das Potential der Mannschaft. „Ich würde mich freuen, wen Kalev Ermits und Rene Zahkna ein paar Top-20-Ergebnisse einfahren könnten. Vielleicht schafft Ermits es auch in die Top 10. Bei den Damen denke ich, dass wir uns in der Staffel verbessern können. Wir werden inzwischen nicht mehr überrundet und würden uns jetzt gern an die Top 10 heranarbeiten, aber das ist sehr schwer. Aber die Mädels sind gut, und wir haben eine gute Chance auf die Top 10.“

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Saison rückt näher
Ein paar Wochen in den Bergen und ein weiterer Schritt in Richtung Zielerreichung, so läuft das Sommertraining, während die neue BWM IBU Weltcupsaison immer näher rückt.

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