Neue Saison, neue Sieger?

Neue Saison, neue Sieger?

Die beste Vorhersage für die nächste Biathlon-Saison bekommt man vermutlich, wenn man versucht, in der großen Kristallkugel die Zukunft zu lesen. Nur für den Fall, dass das nicht funktioniert, haben wir einige ehemalige Biathleten gefragt, wer ihrer Meinung nach den Gesamtweltcup gewinnen wird und was sie von dieser Saison erwarten.

Marie Dorin Habert

Die Olympiasiegerin und Weltmeisterin Marie Dorin Habert hat gerade erst zum Ende der letzten Saison die Skier an den Nagel gehängt und kennt ihre ehemaligen Biathlon-Kollegen gut.

Kaum überraschend: Beim Sieg im Gesamtweltcup setzt sie darauf, dass ihr ehemaliger Mannschaftskamerad Martin Fourcade den achten Titel in Folge holt.

„Ich glaube, dass Martin noch einen Gesamtsieg schaffen kann, weil er in diesem Jahr sehr ruhig und entspannt wirkt. Ich glaube, es stresst ihn alles weniger und er muss jetzt nur noch er selbst sein.“

Der Gesamtsieg bei den Frauen ist deutlich schwieriger vorherzusagen.

„Bei den Frauen weiß ich es nicht. Ich glaube, dass Lisa Vittozzi beeindrucken könnte, weil sie unglaublich gut und schnell schießt und auf der Strecke Tempo machen kann. Ich hoffe, dass Kaisa Mäkäräinen bei den Weltmeisterschaften eine Goldmedaille holen kann und dass Selina Gasparin auch ein gutes Ergebnis schafft, weil sie aus der Elternzeit zurückkehrt und ich da einfach mehr mitfühle.“

Französische Hoffnungen

Natürlich kennt sie auch ihre Freundinnen in der französischen Damenmannschaft sehr gut.

„Die französischen Mädels sind gut. Anais Bescond natürlich, sie ist eine meiner besten Freundinnen und ich wünsche ihr jede Menge Podestplätze. Sie hat einen starken Willen, und wenn sie an sich glaubt, könnte sie dieses Jahr sehr gut sein. Justine Braisaz genauso. Sie muss nur noch zuverlässiger am Schießstand werden, aber auf den Skiern ist sie perfekt. Anais Chevalier könnte mit ihrem guten Schießen auch regelmäßig vorn dabei sein. Von den Männern habe ich nicht viel gesehen, aber ich glaube, dass sie sich deutlich verbessert haben und ich hoffe, dass sie Martin irgendwann schlagen können.“

Christoph Sumann

Wie auch in den vergangenen Wintern wird der mit drei olympischen Medaillen dekorierte Sumann das österreichische Publikum durch die Biathlon-Saison führen. Ähnlich wie seine Kollegen glaubt auch Sumann, dass die bekannten Namen im Gesamtweltcup oben stehen werden.

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Posted by ÖSV Biathlon on Friday, August 17, 2018

„Wie in jedem Jahr wird sicher Martin der Topfavorit für den Gesamtsieg sein, aber in Johannes hat er einen ernstzunehmenden Gegner! Kaisa, Tiril und natürlich Laura sind meine Favoritinnen für den Gesamtsieg bei den Frauen!“

Aber der 42-Jährige hat auch große Hoffnungen für seine Landsleute nach der starken Vorbereitung unter dem wachsamen Auge vom neuen Trainer Ricco Groß.

„Die Österreicher haben einen guten Sommer gehabt. Ich glaube, Simon Eder, Julian Eberhard und Dominik Landertinger werden in diesem Jahr auf Topniveau angreifen!"

Weronika Nowakowska

Wie alle anderen denkt auch die ehemalige polnische Biathletin, dass es bei den Männern einen Zweikampf um den Titel geben wird, aber sie hat auch noch ein paar andere Namen auf dem Zettel.

_„Bei der Gesamtwertung der Herren wird sich nicht viel ändern, denke ich. Johannes Boe, Fourcade und vielleicht Simon Schempp."
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Sie hofft auch auf eine gute Saison für ihre ehemaligen Mannschaftskameradinnen in der polnischen Damenmannschaft.

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Ein Beitrag geteilt von Weronika Nowakowska (@nowakowskaweronika) am Aug 25, 2018 um 8:59 PDT

„Ich bin sehr gespannt auf diese Saison. Die Mädels haben eine neue Trainerin, die anspruchsvolle und sehr erfahrene Nadia Bielova. Vielleicht kann die Umstellung im Trainingssystem Monika Hojnisz und den anderen Mädels gute Ergebnisse verschaffen. Ich habe auch ein Auge auf Kamila Żuk und ihren Fortschritt. Sie könnte uns in dieser Saison überraschen.“

Weitere Überraschungen erwartet Nowakowska von der jungen schwedischen Mannschaft und von einer erfahreneren Biathletin.

„Die schwedische Mannschaft wird uns sicher überraschen, vor allem Samuelsson und Oeberg. Ich habe das Gefühl, dass wir auch Anais Bescond öfter auf dem Podest sehen werden.“

Karin Oberhofer

Die Italienerin Karin Oberhofer hofft nach all den Rücktritten, darunter ihrem eigenen, auf ein paar neue Gesichter auf dem Podest.

_„In diesem Jahr wird es sehr interessant, weil ein paar von den Großen ihre Karriere beendet haben. Wir können also bei den Frauen und bei den Männern mit ein paar Überraschungen rechnen. Bei den Männern glaube ich, dass es bei dem Duell zwischen J. T. Boe und Martin Fourcade bleiben wird, aber hinter ihnen sind die französische und norwegische Mannschaft sehr stark. Die schwedische Mannschaft war die Überraschung der letzten Saison, und vielleicht können sie die starken Resultate wiederholen.“
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Als Bronzemedaillengewinnerin mit der Staffel bei Olympia und Weltmeisterschaften weiß sie, was eine gute Mannschaft ausmacht und ist zuversichtlich, dass ihre Landsleute in dieser Saison mehr Erfolge werden einfahren können.

Herbert Cool

Der ehemalige niederländische Biathlet Herbert Cool ist inzwischen Kommentator für Eurosport in den Niederlanden und beobachtet die Entwicklungen im Sport genau.

„Die letzte Saison war für mich bei den Männern die spannendste der letzten Jahre. JT Boe hat Fourcade ganz schön unter Druck gesetzt, und ich bin mir sicher, der Franzose hat die Warnung gehört. Dies könnte die Saison sein, in der Boe die neue Nummer eins wird. Aber Fourcade wird es ihm sicher nicht leicht machen. Ich hoffe auf einen neuen Kampf der Giganten zwischen den beiden!“

Bei den Damen erwartet er, dass weitere Rivalinnen die derzeitige Spitzenreiterin Kaisa Mäkäräinen herausfordern werden.

„Bei den Damen gehe ich davon aus, dass einige der jüngeren Athletinnen stabiler werden. Mit dieser Stabilität, kombiniert mit dem großen Talent, dass wir bei einigen sehen, wird es nicht bei einem Zweikampf zwischen Mäkäräinen und Kuzmina bleiben. Ein besonderes Auge habe ich auf Vittozzi und Braisaz, und auch Wierer wird ein Wörtchen mitzureden haben. Es ist schade, dass Dahlmeier nicht zu 100 % fit ist. Damit entgehen ihr wertvolle Punkte zur Saisoneröffnung.“

*Neue Sieger
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Er hofft auch, ein paar neue Gesichter auf dem obersten Treppchen zu sehen.

„Bei den Sprints ist Johannes Kühn ein heißer Kandidat. Er ist ein bisschen der nächste Julian Eberhard. Wenn er seine Scheiben trifft, kann er mit den Besten mithalten. Und er ist noch sehr jung.“

"Bei den Frauen rechne ich mit einem Sieg von einer der jungen Schwedinnen, da spürt man einfach, dass es so weit ist. Vor allem natürlich nach diesen Winterspielen!“

Die Zeit wird zeigen, ob diese Vorhersagen sich bewahrheiten. Zum Glück müssen wir nicht mehr lange warten, bis es endlich so weit ist. Die Saisoneröffnung in Pokljuka hat gerade begonnen, und egal, wer am Ende siegt, können wir mit Sicherheit vorhersagen, dass es eine sehr spannende Weltcupsaison werden wird.

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