Ole und Dasha... Routinierte Sommertraining

Ole und Dasha... Routinierte Sommertraining

Wenn die ersten Trainingswochen und Trainingslager abgeschlossen sind, stellt sich langsam Routine ein, die Tage gleichen einander und nur noch die Abwechslung bei den Trainingseinheiten und die Pausen abseits des Sports schaffen Struktur. Das betrifft alle Athleten gleichermaßen, auch solche mit Familie wie Ole Einar Björndalen und Darya Domracheva, die im Juni und Juli viel Zeit in einem ausgedehnten Trainingslager in Hochfilzen verbracht haben. Für die beiden ein perfektes Arrangement: Sie können trainieren und haben ein wenig Zeit für sich, ohne dabei ständig unterwegs zu sein. Domracheva: „Es ist wunderschön hier mit all dieser Natur ringsum. Es ist gut, hier zu sein und jeden Tag konzentriert arbeiten zu können. Wir haben beschlossen, in diesem Sommer etwas länger an einem Ort zu bleiben und weniger zu reisen. Wenn man so viel Gepäck hat mit Babybadewanne, Spielzeug und so weiter, dann ist Reisen etwas umständlicher.“

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Freier Tag; Spaziergang, Perfektes Wetter

Eine typische Woche beginnt diesmal mit einem trainingsfreien Tag für die junge Mutter. „Ich habe in den letzten Tagen einige harte Einheiten absolviert, das war also nötig.“ Sie beginnt den Tag mit einem gemütlichen Spaziergang vom Dorf hoch ins Stadion und genießt die kühle Sommerluft, während Töchterchen Xenia zufrieden im Kinderwagen schlummert. „Ich verbringe den Tag mit ihr: Wir gehen spazieren, dann spielen wir ein bisschen und später gehen wir noch einkaufen. Wir brauchen noch ein paar Babysachen.“ Währenddessen absolviert Björndalen an seinem entspannteren Tag eine Schießeinheit am Schießstand. Mühelos mäht er während seines einstündigen Trainings die Scheiben nieder. Er selbst sagt: „Was für ein perfekter Trainingstag, sonnig und kühl. Wir haben hier fast die ganze Zeit solches Wetter gehabt, aber ein paar Tage lang war es richtig heiß, und das war wirklich hart.“ Er ist mit seinem Morgen zufrieden, packt seine Waffe ein und macht sich auf dem Weg zu dem Häuschen, welches das Paar bei einem Hotel am Ort gemietet hat.

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Einfacher Zeitplan für Biathlon-Powerduo

Am nächsten Tag geht es mit dem üblichen Training weiter. Domracheva erklärt: „Unser Zeitplan ist ganz einfach. Wir stehen gegen sieben mit Xenia auf, frühstücken mit ihr und versuchen, zu 08:15 Uhr im Stadion oder wo das Training beginnt zu sein; erst Schießen, dann das restliche Training. Bis 11:30 Uhr sind wir normalerweise fertig und die Kleine hat ihr Morgenschläfchen hinter sich. Nach dem Mittagessen spielen wir mit Xenia, sie macht noch mal einen Mittagsschlaf und wir ruhen uns aus, bis es mit dem Nachmittagstraining weitergeht. Die zweite Trainingseinheit dauert 1,5 - 2 Stunden, das ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Dann nach Hause, Abendessen, Zeit mit der Familie, eine Massage zur Erholung und alle gehen früh ins Bett. Wir können immer gut einschlafen!“ So ist der Tagesablauf von diesem Biathlon-Powerduo, ganz egal, was auf dem Trainingsplan steht.

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Volles Sommerprogramm

Für Domracheva ist dieser Tagesablauf vertraut und doch neu, nachdem sie einen Sommer mit Pfeiffer‘schem Drüsenfieber und einen weiteren wegen der Schwangerschaft hatte aussetzen müssen. „Es ist lange her, dass ich ein so volles Sommerprogramm hatte. Im letzten Jahr habe ich Xenia in einem dicken Bauch vor mir hergetragen. Jetzt habe ich ein volles Trainingsprogramm für den Sommer, das ist ein gutes Gefühl. Es ist vor allem erfreulich, dass mein Körper darauf so gut reagiert hat.“

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Ole, Dasha und Alfred

Bei 17° C bricht im Hochfilzener Stadion ein frischer, klarer Trainingstag an. Um kurz nach acht morgens finden sich Domracheva, Björndalen, Trainer Alfred Eder und Physio/fleißiger Helfer Dima im Stadion ein. Aufwärmen, Anschießen und über eine Stunde Schießtraining von Einzelschüssen bis zu getakteten fünf Schüssen, es geht Schlag auf Schlag. Schießen, Nachladen und wieder von vorn. Eder zeichnet alles auf, kommentiert, gibt Ratschläge und korrigiert. Er stoppt fünf Schüsse: „Ole - 16 (Sekunden). Dasha 22 Sekunden; Ole, 16, Dasha, 21...“ Beide verfehlen kaum. Wenn doch mal eine Scheibe stehen bleibt, sorgt Eder dafür, dass diese beiden Olympiasieger wissen, wohin der Fehler ging. Der erfahrene Trainer sagt dazu: „Ole schießt schnell und verfehlt fast nie. Dasha ist etwas langsamer, aber sie trifft. Sie ist auf der Strecke so stark, dass sie diese paar Sekunden wieder herausholt.“

Domracheva genießt es besonders, dass Eder während ihres längeren Aufenthaltes in Österreich am Glas steht. „Das ist wirklich klasse. Ich kann spüren, dass er hinter mir steht, und er hat jeden Tag viele gute Ratschläge für mich.“

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Domracheva genießt es besonders, dass Eder während ihres längeren Aufenthaltes in Österreich am Glas steht. „Das ist wirklich klasse. Ich kann spüren, dass er hinter mir steht, und er hat jeden Tag viele gute Ratschläge für mich.“

Ole und Dasha... Routinierte Sommertraining
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Drei Stunden auf dem Rennrad

Um 09:30 Uhr steht die Sonne schon weit über den Bergen, als Domracheva mit Eder eine Rennradstrecke bespricht. Sie lässt Eder und Björndalen am Schießstand zurück und geht zu dem weithin bekannten Wohnmobil der beiden mit Fotos von ihnen auf den Seiten, um sich dort umzuziehen. Dima macht das Rennrad für die dreistündige Fahrt (85 km) nach Kossen und zurück bereit. „Das ist nur eine leichte Tour, nicht zu heftig“, so Domracheva. Der erste Teil ist eine schnelle Abfahrt durch Fieberbrunn und St. Johann, auf dem sie sich die schmalen Straßen mit großen LWKs und vielen Autos teilen muss. Nach St. Johann wird die Straße schmaler und schlängelt sich durch das Tal, führt durch einige kleine Dörfer und sanfte Steigungen hinauf. Die mehrfache Olympiasiegerin gleitet an anderen Rennradfahrern vorbei, denen die Strecke deutlich schwerer zu fallen scheint. Auf einem anderen Weg zurück landet sie wieder im Verkehr; sie fährt ein hohes Tempo, bis es auf dem langen Anstieg wieder von Fieberbrunn nach Hochfilzen geht. Als sie in dem kleinen Ort ankommt, steht 2:40 auf ihrer Uhr: „Ich bin eine kleine Schleife gefahren, um die drei Stunden vollzubekommen.“ Rennrad verstauen, Familie und Mittagessen warten: 4:15 h seit Trainingsbeginn. Zum Schluss steht vor dem Abendessen noch mal ein leichter Lauf an, „etwa 1,5 Stunden“ in der kühlen Luft der Berge.

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Harter Tag auf dem Kitzbüheler Horn

Ein ordentlicher Trainingstag, aber nicht der härteste in diesem Sommer. „Meine härteste und beste Trainingseinheit war auf dem Kitzbüheler Horn. Ich bin auf Skirollern zum Intensivtraining dort gewesen. Das war hart, aber die Intensität hat gestimmt und mein Körper hat gut darauf reagiert. Ich habe diesen Anstieg auch schon mit Alfred auf dem Rennrad gemacht. Er ist sehr gut auf dem Rennrad, aber ich war wirklich beeindruckt, dass er diesen Anstieg ohne Probleme am selben Tag zweimal gefahren ist.“

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Kraft und Stärke

Die nächste Woche beginnt moderat, viel Volumentraining mit geringer Intensität. Am nächsten Tag liegt der Schwerpunkt dann auf Kraft und Stärke, und mit den Beinen geht es los. Im Stadion von Hochfilzen tummelten sich am Vortag unter anderem Teile der österreichischen Weltcup-Mannschaft und eine Schulsportgruppe. Heute morgen um 08:15 Uhr sind jedoch nur Domracheva, Björndalen, Eder und Co. im Stadion, außerdem ein Filmteam von Eurosport. Los geht es mit den bekannten Aufwärm- und Schießübungen mit ein paar kleinen Veränderungen. Den Kameramann, der versucht, in der Stunde Schießen so nah wie möglich an das Paar heranzukommen, bemerken die beiden gar nicht. Konzentration ist alles. Nach dem Aufwärmen, bevor sich Björndalen auf den Weg zu seiner Einheit außerhalb des Stadions macht, beantwortet er 20 Minuten lang geduldig Fragen vor der Kamera. Nach 30 Minuten Runden auf den Skirollerstrecken beginnt das eigentliche Training. Eine große Runde Doppelstockschub, Waffe aufnehmen, eine Schießeinlage, Waffe ablegen, schnell ein Laktat-Check um sicherzustellen, dass die Intensität stimmt, dann ohne Stöcke von vorn und alles noch einmal. In diesem Takt geht es fast bis mittags weiter, jeder mit genau der richtigen Anstrengung. Die dreifache Olympiasiegerin arbeitet hart, doch scheint sie jede Runde mühelos zu absolvieren. Sie ist müde und schaut auf die Uhr, aber die Fragen fürs Fernsehen beantwortet sie wie immer freundlich und mit einem Lächeln. Es ist Zeit für die Familie und ein Mittagessen.

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Mutter und Leistungssportlerin: Organisation ist alles

Das Training Tag für Tag und die Aktivitäten darum herum sind für jeden eine Herausforderung, aber ganz besonders für eine Familie mit einem kleinen Kind. Mit einem Lächeln sagt Domracheva: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass es leichter ist, nur die Sportlerin zu sein oder eben nur die Mama, alle Zeit mit dem Kind zu verbringen und nicht über Leistung, Form oder Training nachzudenken. Aber ich war darauf vorbereitet. Ich weiß, dass es wichtig ist, alles darum herum zu organisieren, Zeit zur Erholung zu haben und auch Zeit für unser Baby. Wir sind sehr froh darüber, dass wir Xenia haben.“ Weiter sagt sie, dass Björndalen eine große Hilfe ist, vor allem wenn es darum geht, ihr Nomadenleben zu organisieren. „Ich bin mir nicht sicher, dass Ole irgendetwas von mir gelernt hat, aber ich habe definitiv von ihm gelernt. Er ist sehr gut organisiert. Er ist vor allem gut darin, nicht nur über heute oder diese Woche nachzudenken, sondern weiter vorauszuplanen - bei unserem Training, aber auch bei unserem Leben darum herum.“

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Schwitzen im Fitnessraum: Gewichte

Die Zeit zum Erholen und Spielen am Nachmittag ist schnell vorbei. Um 16:20 Uhr sitzt Domracheva auf ihrem Fahrrad und fährt zum Krafttraining um 16:30 Uhr. Der kleine Fitnessraum in den Räumlichkeiten des Militärs am Stadium ist vollgepackt mit Maschinen, Gewichten, 20 anderen Sportlern und Eder, der an diesem schwülen Nachmittag vor allem moralische Unterstützung bietet. Das iPad, auf dem das Programm für das Krafttraining gespeichert ist, wird aus dem Rucksack geholt. Aufgewärmt hat sie sich auf dem Fahrrad. „Heute morgen ging es um die Beine, jetzt geht es um Tiefenmuskulatur und den Oberkörper. Das mache ich normalerweise zwei- oder dreimal wöchentlich.“ Das Oberkörpertraining beginnt mit Gewichten. Bei jeder Übung fängt sie mit weniger Gewicht an und legt dann zwei- oder dreimal zu. Bei so vielen Sportlern im Fitnessraum ist es ganz schön eng, aber wenn eine Station belegt ist, ist Zeit für eine kurze Pause. Auch wenn das Tempo moderat wirkt, läuft ihr nach 20 Minuten der Schweiß durchs Gesicht. „Das war hart!“

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Tiefenmuskulatur in allen Varianten

Zwölf Stationen sind absolviert; jetzt beginnt die Arbeit an der Tiefenmuskulatur. Stütz, Seitstütz, Superman, Stabilisation - diese Einheit ist anspruchsvoll. Als kleine Hommage an ihre Begeisterung für den Tanz endet der Nachmittag mit einigen Ballettübungen. Jeder Muskel in ihrem Körper ist heute irgendwann trainiert worden. Sie zieht sich etwas Frisches an und setzt sich um 18:30 Uhr, müde nach einem weiteren langen Tag, aufs Rad und fährt heim zur Familie.

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Die Belohnung

Ein weiterer Tag der Trainingsroutine geht zu Ende. Jede Muskelgruppe ist bis an ihre Grenze trainiert worden, und sicherlich tun einige auch weh, aber die Belohnung wartet nur einen Kilometer die Straße hinunter. „Oh, ja, das ist der beste Teil des Tages, wenn da ein kleiner Mensch lächelt und einen umarmt. Dann vergisst man all seine Sorgen!“

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