Saisonvorbereitung beginnt: Schweden, Norwegen und Finnland 

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Es ist Mitte Mai, und für die meisten Mannschaften hat die Vorbereitung auf die neue Saison mit Training in den Heimstadien und einigen Trainingslagern wieder begonnen. Noch haben nicht alle Mannschaften die Besetzungen der A-Kader für die neue Saison bekannt gegeben, doch ein Blick auf die drei skandinavischen Mannschaften zeigt, dass einige weniger überraschende Nachwuchstalente aufrücken, ein paar Veteranen noch weitermachen und, wie kürzlich bekanntgegeben, auch einer der größten Stars eine weitere Saison in Angriff nimmt.

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Finnland: Kaisa und Mari wieder dabei

Fangen wir gleich oben an: Finnland hatte die Trainingsgruppen schon vor einigen Wochen bekanntgegeben, doch fehlte auf dieser Liste der größte Star im finnischen Universum, Kaisa Mäkäräinen, wie auch ihre ständige Begleiterin Mari Laukkanen. Diese Liste muss jetzt noch aktualisiert werden, nachdem Mäkäräinen ein Video „Bis zur nächsten Saison“ gepostet hatte und Laukkanen seit diesem Wochenende wieder im Training ist. Gute Vorzeichen für den neuen finnischen Cheftrainer Jonne Kähkönen, der mit der Nummer 1 der Biathlonwelt auf die Jagd nach Gesamtweltcuptitel Nummer 4 und Medaillen aus ihrem Lieblingsaustragungsort Östersund gehen darf, wo im Jahr 2019 die IBU Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Auch Laukkanen wird auf ihren flinken Skiern noch einmal mit von der Partie sein. Ergänzt um Laura Toivanen, die in der letzten Saison Weltcuppunkte einheimsen konnte, sowie Juniorin Heidi Kuuttinen, die es bei der IBU JJWM unter die Top 20 schaffte, sieht es für die Damenmannschaft gut aus.

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Herrenmannschaft verbessert

Die Männer treten mit der Offenbarung der letzten Saison an, dem 23-jährigen Tero Seppälä, der sich in den Staffeln bisweilen wacker Schlug und in seinem ersten Massenstart bei den Winterspielen 21. wurde. Der Veteran Olli Hiidensalo ist nach einer persönlichen Bestleistung mit einem 19. Platz im Sprint von Pyeongchang ebenfalls wieder mit von der Partie. Zu ihnen stößt ein weiter Junior, Tuuka Invenius, der es bei den IBU JJOEM zweimal in die Top 6 und bei der IBU JJWM mehrfach unter die Top 20 schaffte. Mit diesen dreien und den Damen ist Finnland besser aufgestellt als in vergangenen Saisons, und mit einem motivierten neuen Trainer sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

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Große Hoffnungen in Schweden

Östersund 2019 ist im schwedischen Biathlon seit Jahren das Schlagwort schlechthin, und man hatte ein junges Team aufgebaut, das in der nächsten Saison auf heimischem Boden Medaillen holen sollte. Die Nachwuchshoffnungen waren dann aber früher bereit und aufeinander eingespielt als erwartet; sie brachten aus Pyeongchang zwei Goldmedaillen, einmal Silber und einmal Bronze mit, eine Bilanz, die sich sehen lassen konnte.

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Hanna und die Damen
Jetzt bereitet sich die Mannschaft auf eine Zugabe vor. Die Damenmannschaft wird von der Olympiasiegerin Hanna Oeberg angeführt, die als IBU Newcomerin des Jahres 2017 bei den Winterspielen direkt mit fehlerfreiem Schießen und Gold im 15 km Einzel auftrumpfte. Dieser Olympiasieg war ihr einziger Einzelpodestplatz des Jahres, aber wenn man nur einen holt, dann wohl den! Dann war da natürlich auch noch ihr Auftritt als Schlussläuferin der Bronze-Damenstaffel. Oebergs drei Staffelpartnerinnen sind nicht weniger beeindruckend. Mona Brorsson belegte die Plätze 10, 11, 13 und 14 in den Einzelrennen von Pyeongchang und schob sich im Sprint von Oslo im letzten Jahr mit zehn Treffern auf Platz 14. Linn Perssons persönliche Bestleistung war ein 11. Platz bei Oebergs Olympiasieg über 15 km, und sie war die dritte Schwedin im Massenstart mit einem 22. Platz. Für die 23-jährige Anna Magnusson, die 2017 in der Gesamtwertung 23. geworden war, war die letzte Saison ein Ausreißer, doch auch sie lief eine solide Runde in der Staffel von Pyeongchang.

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Oeberg Nummer 2

Der Zuwachs in der schwedischen Damenmannschaft ist die jüngere Oeberg-Schwester, die 19-jährige Senkrechtstarterin Elvira, die im letzten Jahr bei der IBU JJWM gleich drei Titel holte: Sprint, Einzel und Staffel. Wie ihre ältere Schwester ist auch Elvira eine ausgezeichnete Schützin. Mit ihr als Neuzugang und einigen guten Rückkehrern verfügen die schwedischen Damen nun über mehr Tiefe und Medaillenpotential als je zuvor.

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Die Herren mit Samuelsson und Lindström

Wie Oeberg war auch Sebastian Samuelsson der IBU Newcomer des Jahres 2017. Den Titel verdiente er sich mit rasend schnellem Tempo und einigen Top-20-Platzierungen. In diesem Jahr zog er mit einer olympischen Silbermedaille in der Verfolgung rechts am Klassement vorbei und lag nur 12 Sekunden hinter Martin Fourcade. Dann lief Samuelsson ein spektakuläres Staffelrennen als dritter Starter, Seite an Seite mit Johannes Thingnes Boe, und brachte Fredrik Lindström in die Ausgangsposition für eine Schlussrunde, die olympisches Gold einbrachte. Gleich bei seinen ersten Winterspielen erlangte das junge Talent Star-Status.

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Lindström mit Glück zu Gold

Und doch ist Veteran Lindström immer noch der Schlussläufer der schwedischen Herren. Mit einem 8. Platz im olympischen 20 km Einzel, einem 15. im olympischen Massenstart sowie dem zweiten Platz in der Verfolgung von Tyumen lieferte der Veteran erneut eine starke Saison ab. Am Ende der Saison war er treffsicher wie selten. In den letzten fünf Einzelrennen traf er 76 von 80 Scheiben. In seiner gewohnt galanten Art sagte er über sein Duell mit Emil Hegle Svendsen um das olympische Staffel-Gold: „Das war ein guter Zweikampf. Wir haben uns vor unserem Start Glück gewünscht. Es war ein gutes Duell, weil wir bis zum letzten Stehendschießen gleichauf lagen, aber heute war ich wohl der Glückspilz. Ich bin so stolz, dass ich die Situation gemeistert und für Schweden Gold geholt habe.“

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Staffelmedaillen geholt​Hinter diesen beiden steht eine starke Mannschaft. Jesper Nelin ging als Zweiter für die siegreiche Olympiastaffel auf die Strecke. Es war der Abschluss einer Serie persönlicher Bestleistungen in Korea: Platz 18 in der Verfolgung, dann ein grandioser 9. Platz im Massenstart, getragen von deutlich verbesserten Schießleistungen in der letzten Saison. Für Mannschaftskamerad Pepe Femling war es ein Jahr voller Höhen und Tiefen, doch mit nur einem Nachlader hatte er als Startläufer die Staffel auf einen guten Weg gebracht. Martin Ponsiluoma war Teil der siegreichen Oberhofer Staffel, trat in Korea aber nur einmal und wurde 38. im 20 km Einzel. Er bringt dieser im Grunde immer noch jungen Mannschaft zusätzliche Tiefe.

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Sie waren ein Jahr zu früh dran, doch die Schweden sind zweifelsohne die Mannschaft, von der man in diesem und den nächsten Jahren viel erwarten darf.

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Norwegen ohne Ole und Emil

Mit den Norwegern braucht man auch nach dem Verlust von Ole Einar Björndalen und Emil Hegle Svendsen noch kein Mitleid zu haben... sie sind einfach immer noch sehr gut. Die Kernmannschaft aus Johannes Thingnes Boe, Tarjei Boe und Lars Helge Birkeland ist bei den Herren immer noch da. Über Johannes braucht man kaum ein Wort zu verlieren. Er ist schnell, er schießt mit jedem Rennen besser, gewinnt an Sicherheit und Erfahrung. Er gibt den Ton an und ist der klare Anführer. Bruder Tarjei hat immer noch das Zeug und den Willen zum Sieg, nur sein Körper durchkreuzt bisweilen seine Pläne. In der letzten Saison gelangen ihm ein Sprintsieg in Östersund und zwei weitere Einzelpodestplätze, sowie eine Silbermedaille mit der Staffel und ein 7. Platz in der Gesamtwertung. Mit 29 kann Tarjei seinen kleinen Bruder immer noch herausfordern. Birkeland ist eine Bank: 14. in der Gesamtwertung, im Liegendanschlag eine Trefferquote von 91 %, viele fehlerfreie Tage und dann noch die olympische Staffelmedaille.

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Erlend, Henrik und Vetle
Nimmt man den inzwischen 27-jährigen Erlend Bjoentegaard hinzu, dessen Trefferquote bei 88 % liegt und dessen persönliche Bestleistung ein 2. Platz im Massenstart von Tyumen war, hat man ein recht solides Quartett beisammen. Dann ist da noch die inzwischen wirklich graue Eminenz, der 32-jährige Henrik L’Abee Lund, der den Sprint von Oslo gewann und die Saison mit einem 17. Platz in der Gesamtwertung und damit einer persönlichen Bestleistung beendete. Der sechste Mann in der norwegischen Mannschaft ist Vetle Sjastad Christiansen, doch von der 6 darf man sich nicht täuschen lassen. Im letzten Jahr gewann er die IBU-Cup-Gesamtwertung mit 6 Siegen im IBU Cup, darunter der erste Supersprint. Christiansen ist ein hervorragender Schütze, der im Liegen im letzten Jahr 97 % seiner Scheiben schließen konnte. Es gibt also wirklich keinen Grund, die norwegische Herrenmannschaft im Vorlauf zur nächsten Saison zu bemitleiden.

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Tiril und Marte

Die norwegischen Damen sind eine gute, solide Gruppe, angeführt von Tiril Eckhoff und Marte Olsbu. Eckhoff schaffte ihren alljährlichen Weltcupsieg im Sprint von Antholz und holte beeindruckend Bronze im olympischen Massenstart und Silber mit der gemischten Staffel. Davon abgesehen hatte sie die ganze Saison über am Schießstand zu kämpfen. Eckhoff punktet mit ihren grandiosen Laufleistungen; ein Neustart mit neuem Trainer wird ihr und auch der restlichen Damenmannschaft hoffentlich guttun.

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Olsbu schaffte es in der vergangenen Saison nur zweimal in Einzelrennen aufs Podest, eine dieser Platzierungen war allerdings die überraschende Silbermedaille im olympischen Sprint. Daneben hat sie Silber mit der gemischten Staffel sowie Plätze 4 und 9 in Verfolgung und Massenstart auf dem Zettel stehen, und das kann sich durchaus sehen lassen. Sie muss in diesem Sommer an ihrem Stehendschießen arbeiten, will sie ihre Podestchancen für die nächste Saison verbessern.

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Synnøve, Emilie und Ingrid

In der zweiten Reihe steht bei den Damen unter anderem noch Synnøve Solemdahl, die es nach langer Krankheit wieder aufs Podest schaffte. Wenn sie gesund bleibt, wird ihr ein weiterer Trainingssommer zu besseren Leistungen und besseren Ergebnissen verhelfen. Die 20-jährige Emilie Kalkenberg rückt nach Staffelsilber bei der IBU JJWM und Bronze mit der gemischten Staffel bei der IBU OEM in die Nationalmannschaft auf. Sie sorgt zusammen mit der 21-jährigen Ingrid Landmark Tandrevold für frischen Wind in der Mannschaft.

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Alle drei skandinavischen Mannschaften gehen mit einer guten Mischung aus erfahrenen Kräften und vielversprechendem Nachwuchs in den Sommer. Jetzt müssen sie nur noch trainieren!

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