Slowenien und Frankreich: Auf Schnee in Sjusjøen

Slowenien und Frankreich: Auf Schnee in Sjusjøen

Mit einer frühen Anreise aus dem heimischen Pokljuka ins norwegische Sjusjøen am 25. Oktober hatte die slowenische Mannschaft vor so manchem Rivalen die Nase vorn. In den letzten Tagen vor dem Umzug in den Norden vergnügte sich der slowenische König der Trainingsvielfalt Klemen Bauer noch einen Tag lang an der sonnigen Adria-Küste und wurde am Tag darauf in Shorts beim Kombi-Training in der Nähe seiner Heimatstadt gesichtet. „Vor zehn Tagen war ich an der Adria noch im Meer, und die Jungs ziehen mich damit immer noch auf!“

Slowenien und Frankreich: Auf Schnee in Sjusjøen

Bauer sagt weiter: „Als wir ankamen, waren wir eine ganze Woche lang die Einzigen auf der Strecke, mal abgesehen von den ganzen norwegischen Vereinen, um die wir uns arrangieren mussten. Aber seit Anfang November sind jetzt auch ein paar andere Mannschaften hier, einschließlich der Franzosen.“

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Keine märchenhafte Winterlandschaft

Von der frühen Ankunft konnten sie in der ersten Woche nicht ganz so profitieren wie erhofft. „Es ist nicht die märchenhafte Winterlandschaft, die wir erwartet hatten. Es ist recht warm, es hat geregnet und nachmittags ein bisschen geschneit, aber es ist nicht mal weiß, wenn man aus dem Fenster schaut, sondern nur bewölkt und ein bisschen neblig. Wir haben bislang nur auf einer kleinen Runde trainieren können. Es sieht gerade nicht ganz so romantisch aus. Was uns wirklich fehlt sind nachmittags die eineinhalbstündigen klassischen Ski-Einheiten mit der Stirnlampe im Wald. Das geht momentan einfach nicht.“

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Runde um Runde​Quentin Fillon Maillet hatte einige Tage nach der Ankunft der französischen Mannschaft ähnliches zu berichten. Seine erste Trainingseinheit bestand aus einer Runde nach der anderen auf der kurzen Strecke mit seinen Mannschaftskameraden, und das bei leichtem Regen. „Die Bedingungen hier sind nicht die Besten. Wetter und Schnee sind nicht besonders gut, aber wir können auf der 2,5-km-Runde Skifahren und draußen Laufen gehen.“

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Neue Strecken bereit
Fillon Maillet und seine Mannschaftskameraden haben sich mit den derzeitigen Bedingungen arrangiert, hoffen aber auf „Schnee und Frost“. Mutter Natur ist zwar etwas unkooperativ, aber die Temperaturen fallen nachts schon unter den Gefrierpunkt, und das Sjusjøen Skisenter hat inzwischen etwa 12.000 Kubikmeter Schnee produziert, den sie am 1. November auf die Strecken ausgebracht haben. Damit standen den immer zahlreicheren Mannschaften am Wochenende Strecken von 2,5 und 3,5 km zur Verfügung.

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Schnelle Umstellung

Für die Slowenen ist es das erste Schneetraining der Saison, anders als für viele andere Mannschaften, die vor ein paar Wochen auf dem Gletscher oder in Oberhof waren. Und doch ist die Umstellung auf den Schnee nicht so schwer und nicht mehr so heiß ersehnt wie früher. Bauer erklärt: „Vor 10 Jahren war es noch total aufregend, zum ersten Mal wieder auf Schnee zu stehen. Jetzt denkt man nur noch ‚Okay, morgen dann auf Skiern‘. Ich habe mich an die schnelle Umstellung auf Schnee gewöhnt. Die Umstellung von Skirollern auf Skier war kein großes Problem, das könnte ich auch erst eine Woche vor dem ersten Rennen umstellen. Das merke ich schon seit mehreren Jahren, also ist es entweder Erfahrung oder das Alter! Vor 7 oder 8 Jahren haben wir die Umstellung vor Östersund gemacht und waren ziemlich erfolgreich.“

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Geschwindigkeit und Testrennen

Auf Schnee machen die Slowenen dann das Gleiche wie alle anderen, denn bis zur Saisoneröffnung und den ersten Rennen sind es jetzt nur noch 27 Tage. In den letzten Skiroller-Einheiten haben sie das Tempo angezogen und sind jetzt mit „mittlerer Geschwindigkeit“ unterwegs. Gestern war es Zeit für die ersten „Testrennen“ auf Schnee; später in der Woche stehen die nächsten auf dem Plan.

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Fußball und Fitness
Auch wenn die Saison schon bald vor der Tür steht, gibt es auch im Trockenen noch viel zu tun. Am letzten Donnerstag, während der Schnee auf die Strecken ausgebracht wurde, fuhr die Mannschaft zum Krafttraining und Hallenfußball nach Lillehammer. Wie schon im Sommer waren vor allem zwei Jungs heiß auf einen kurzen Kick. „Egal wie müde sie nach Intervalltraining oder so sind, Jakov (Fak) und Miha (Dovžan) wollen immer spielen.“

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Eröffnung auf heimischem Boden

Auch wenn die Bedingungen nicht so gut waren wie erhofft, freuen sich Bauer und seine Mannschaftskameraden auf die Eröffnung der neuen BMW IBU Weltcupsaison im heimischen Pokljuka. „Das wird mal etwas ganz Neues, weil die Eröffnung sonst immer in Schweden stattfindet. Hoffentlich hilft uns das, zu Hause anzutreten. Wir hoffen, dass das Wetter mitspielt und dass die Organisatoren eine Menge Zuschauer bekommen. Alle sind schon ganz aufgeregt und ich persönlich habe große Erwartungen an die Rennen bei uns zu Hause. Für uns wird das die erste Gelegenheit seit ein paar Jahren, vor heimischen Publikum zu zeigen, was wir drauf haben. Wir freuen uns drauf!”

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Dilemma
Vor diesen ersten Rennen müssen die Slowenen nach der Abreise aus Norwegen gegen Ende der Woche aber noch ein anderes Dilemma lösen. „Uros‘ (Velepec) Hauptsorge ist die Suche nach einen Trainingsort für die Wochen vor Pokljuka. Ich persönlich glaube, es ist besser, ein paar gute Skiroller-Einheiten einzulegen als unter schlechten Bedingungen Ski zu laufen, weil es an vielen Orten noch warm ist.“

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Countdown
Bis dahin versuchen sie und die anderen Mannschaften in Sjusjøen und an Orten wie Vuokatti, Kontiolahti und Tyumen das meiste aus den Schneetrainingszeiten herauszuholen, egal bei welchen Bedingungen, und zählen die Tage bis zum Beginn der neuen BMW IBU Weltcupsaison.

Slowenien und Frankreich: Auf Schnee in Sjusjøen

*Fillon Maillet fasst zusammen, was in dieser Jahreszeit alle denken. „Ich kann es kaum erwarten, wieder eine Startnummer zu tragen.“ *

Fotos: Klemen Bauer, Quentin Fillon Maillet, Rene Miko

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