Sunday Funday mit… Vincent Defrasne

Sunday Funday mit… Vincent Defrasne

Das Leben eines Athleten ist geprägt von unterschiedlichen Einschränkungen und Herausforderungen. Das Schwierigste ist wohl die lange Trennung von der Familie. Athleten verbringen viel Zeit – auch am Wochenende und im Urlaub – in Trainingslagern und bei Wettkämpfen, meist weit weg von zu Hause. Doch die Geburt eines Kindes in einer Biathlonfamilie ist ein wichtiges Ereignis, das nicht nur die Eltern überglücklich macht, sondern ihnen auch neue Kraft, Energie und Motivation verleiht.

Eine fantastische Woche

Olympiasieger und Weltmeister Vincent Defrasne aus Frankreich hat genau das erlebt und teilt heute diesen wichtigen Moment in seinem Leben mit uns.

Sunday Funday mit… Vincent Defrasne

„Ich möchte Ihnen etwas über eine sehr spezielle Woche bei den Weltmeisterschaften in Antholz 2007 erzählen. Innerhalb weniger Tage wurde ich zum ersten Mal Vater und gewann meine erste WM-Einzelmedaille.

Meine Frau war während der WM-Woche hochschwanger und das Kind sollte zwei bis drei Wochen nach der WM zur Welt kommen. Aber wenige Tage vor Wettkampfbeginn rief mich meine Frau an – am Dienstag, morgens um 8 Uhr – und sagte mir: ‚Wenn du dein erstes Kind sehen möchtest, musst du nach Hause kommen!‘

Also entschloss ich mich dazu, schnell von Antholz nach Hause zu fahren. Ich wollte mein Auto nehmen, aber mein Trainer machte sich Sorgen und schlug vor, dass unser Physiotherapeut mich begleitet. Wir traten aufs Gas und waren schnell in Frankreich. Aber leider kam ich dreißig Minute zu spät, um die Geburt noch mitzuerleben. Unser Junge kam in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zur Welt. Ich war so glücklich, ihn im Arm zu halten. Wir nannten ihn Ullyse und natürlich war er mein ganzer Stolz.

Sunday Funday mit… Vincent Defrasne

Am nächsten Tag, Mittwoch, entschieden meine Frau und ich, dass ich zurück nach Antholz fahren und an der WM teilnehmen sollte. Ich hatte mein Kind gesehen, mich etwas ausgeruht und am Freitag stieg ich wieder ins Auto und fuhr nach Antholz. Nach der langen Fahrt war ich sehr müde, konnte aber beim Sprint am nächsten Tag, Samstag, starten. Das Rennen lief nicht schlecht und ich wurde 16.

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Bei der Verfolgung gelang es mir, mich auf Platz drei nach vorn zu arbeiten! Ich konnte es nicht glauben, aber ich gewann hinter Ole Einar Björndalen und Maxim Tchudov die Bronzemedaille. In nur wenigen Tagen war ich zum ersten Mal Vater geworden und hatte eine WM-Bronzemedaille errungen.

Sunday Funday mit… Vincent Defrasne

Zwischen Dienstag und Freitag war ich einmal zwischen Frankreich und Italien gependelt, ich hatte zwei Nächte nicht geschlafen und war nach der Geburt meines Jungen vollkommen aufgedreht. Ich war todmüde vom Reisen, aber am Ende doch so beflügelt von diesem wunderbaren Ereignis, dass ich es schaffte, eine Medaille in der Verfolgung zu gewinnen. Diese Woche war einfach fantastisch!“

Gold bei Olympia

Nach seinem Debüt 1997 bei den IBU Juniorenweltmeisterschaften in Forni Avoltri feierte Defrasne über die kommenden 12 Saisons große Erfolge, darunter drei Olympia- und sechs WM-Medaillen. Bei den OWS 2002 in Salt Lake City und den OWS 2006 in Turin holte die französische Herrenstaffel Bronze.

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Turin wurde für Defrasne zu einem besonderen Ort: Er verließ Italien mit zwei weiteren Olympiamedaillen für seine Sammlung! In der Verfolgung ging er als Fünfter ins Rennen, schoss nur zwei Fehler beim letzten Stehendschießen und holte sich 2,7 Sekunden vor Ole Einar Björndalen die Goldmedaille. Ein Jahr später gewann der französische Star in der Verfolgung WM-Bronze und feierte die Geburt seines ersten Kindes mit dessen Namen auf seinem Rennanzug.

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Fotos: IBU archive

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