„Supersvendsen“ beendet Karriere; „Motivation nicht mehr gefunden“

„Supersvendsen“ beendet Karriere; „Motivation nicht mehr gefunden“

Emil Hegle Svendsen, auch für seinen Twitter-Handle ‚Supersvendsen‘ bekannt, trat heute wie sein Mannschaftskamerad Ole Einar Björndalen in der letzten Woche vor die Presse, um seinen Abschied vom Biathlon zu erklären. Der 32-Jährige verlässt den Sport nach beachtlichen 4 Olympiasiegen und 12 IBU-Weltmeistertiteln.

Nachdem er im Februar mit Bronze im Massenstart sowie Silber in der Staffel und der gemischten Staffel seine sechste, siebte und achte olympische Medaille gewonnen hatte, hatte er ein bevorstehendes Karriereende bereits angedeutet. Doch auch wenn er die letzten drei BMW IBU Weltcups der Saison ausfallen ließ, war noch nichts entschieden. Nach einem Urlaub in Puerto Rico und Florida erklärte er nun seine Entscheidung. „Bislang war es immer so, dass der Funke nach der Pause zurückgekehrt ist, aber in diesem Jahr war das nicht so. Deswegen habe ich entschieden, dass es jetzt vorbei ist.“ Björndalen bestätigte, wie wichtig die Motivation ist. „Er hat Schwierigkeiten gehabt, sich zu motivieren, und Motivation ist unabdingbar. Wenn man die nicht hat, hat man keine Chance.“

„Supersvendsen“ beendet Karriere; „Motivation nicht mehr gefunden“

Motivation und Gesundheit
Dem Norweger hatte es seit Jahren immer an der Motivation gemangelt, hauptsächlich wegen wiederkehrender gesundheitlicher Probleme, darunter Verdauungsstörungen und Atembeschwerden. Er sagte dazu: „Man muss unglaublich motiviert sein und der Körper muss funktionieren. Diese beiden Dinge hängen sehr eng zusammen.“ Und doch kämpfte er an diesen beiden Fronten, sagte im letzten Jahr sogar „Ich höre nicht auf, bis ich nicht wieder ganz oben gestanden habe.“

„Supersvendsen“ beendet Karriere; „Motivation nicht mehr gefunden“
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Noch einmal ganz nah dran

Svendsen kam in dieser letzten verkürzten Saison noch einmal ganz nah dran an die Spitze, insbesondere in Oberhof, als er ohne Fehler blieb, den Sprintsieg aber um wenige Sekunden hinter seinem alten Erzfeind Martin Fourcade verpasste. Er gab zu: „Ich war im letzten Monat krankheitsbedingt ausgefallen, wusste also nicht, wie es hier laufen würde. Ich habe überhaupt nichts erwartet, wollte einfach nur wieder einsteigen und mich gut fühlen.“ In der darauffolgenden Woche stand er noch einmal nach einem Staffelsieg in Ruhpolding auf dem Podest, wo der alte Svendsen noch einmal hervorblitzte, der nur einen Nachlader brauchte und Fourcade bis zum nächsten Wechsel ordentlich unter Druck setzte. Über den Moment, als er den Mann in Gelb neben sich erblickte, sagte er: „Es war nicht schön, ihn da zu entdecken, aber ich habe es geschafft, bis zum Wechsel an ihm dranzubleiben, damit bin ich also zufrieden.“

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Steiler Aufstieg zum Star

Björndalen ist natürlich der Top-Athlet in der Geschichte des norwegischen Biathlon, aber Svendsen folgt ihm auf dem Fuße. Erste Ehren errang er 2003 bei der IBU JJWM im verschneiten polnischen Koscielisko, wo er Bronze im Jugend-Einzel gewann, hinter Goldmedaillengewinner Simon Fourcade. Von da an kannte seine Karriere nur noch eine Richtung: Steil aufwärts. Er holte im nächsten Jahr Gold in der Jugend und 2005 zwei JWM-Titel in Kontiolahti. Seinen ersten Weltcupsieg sicherte er sich im 20 km Einzel 2007 in Pokljuka. Kurz danach folgte sein großer Durchbruch: Bei der IBU WM 2008 in Östersund gewann der damals 22-jährige Goldmedaillen im 20 km Einzel und im Massenstart sowie Silber mit der Staffel.

„Supersvendsen“ beendet Karriere; „Motivation nicht mehr gefunden“
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Vancouver und große Kristallkugel
Die Saison 2009-10 war wohl die beste seiner Karriere. In dieser Saison holte er sich mit Gold im 20 km Einzel von Vancouver die erste seiner vielen Medaillen bei drei aufeinanderfolgenden Olympischen Winterspielen. Bei den Spielen von Vancouver legte er mit Silber im Sprint und Gold mit der Staffel noch nach. Am Ende dieser Saison gewann er, obwohl er nur bei 19 der 25 Rennen angetreten war, den Gesamtweltcup und die große Kristallkugel mit einem Vorsprung von gerade mal 13 Punkten vor dem Österreicher Christoph Sumann.

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Duell mit Fourcade im Massenstart von Sochi
In einer Karriere voller Höhepunkte war einer der mitreißendsten Momente Svendsens Massenstartsieg über Fourcade beim olympischen Massenstart von Sochi 2014. Der Norweger bog mit einem beachtlichen Vorsprung vor Fourcade auf die Zielgerade ein. Doch der französische Star holte mit jedem Schritt gewaltig auf. 5 Meter vor dem Ziel wechselte Fourcade in den rechten Korridor, gab noch einmal alles und warf sich über die Ziellinie. Svendsen überquerte die Ziellinie mit in Siegerpose himmelwärts gestreckten Händen, und das Zielfoto gab dem selbstbewussten „Supersvendsen“ recht: Er hatte Gold gewonnen. Später auf der Pressekonferenz sagte er beiläufig: „Ich wusste, dass ich gewonnen hatte.“

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IBU WM-Gold in 6 Disziplinen
Neben seinen Olympia-Medaillen und Weltmeistertiteln hat Svendsen 38 Weltcupsiege errungen, 88-mal auf dem Podest gestanden und ist in fünf aufeinanderfolgenden Jahren in der Weltcup-Gesamtwertung Erster oder Zweiter geworden. Und noch einen weiteren besonderen Rekord hält er: Er hat in jeder Disziplin IBU WM-Gold gewonnen: Einzel, Sprint, Verfolgung, Massenstart, Staffel und gemischte Staffel, eine Meisterleistung, die außer ihm nur Björndalen gelungen ist. Der NRK-Biathlon-Kommentator Andreas Stabrun Smith sagte heute: „Er ist meiner Meinung nach einer unserer verkanntesten Athleten, weil er schon so viel gewonnen hat.“

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Johannes und Tarjei
Alle Mannschaftskameraden von Svendsen äußerten großes Bedauern über seinen Rücktritt. Die Brüder Johannes und Tarjei Boe hätten sich beide gewünscht, dass er noch bleibt. Johannes sagte zuvor: „Das bricht uns das Herz, wenn er aufhört. Er ist einer von den ganz Großen, und ein sehr warmherziger und guter Mensch.“ Tarjei fügte hinzu: „Was Emil geschafft hat, ist einfach unglaublich. Er hat alles gewonnen, und auch noch alles mehrfach, und hat sich nach Tiefs immer wieder hochgekämpft. Er hat eine wunderbare Karriere gehabt...“

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Dank an Samantha und Ole Einar
Der mehrfache Olympiasieger und IBU-Weltmeister bedankte sich bei den vielen Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet und unterstützt haben, darunter Familie, Betreuer und Sponsoren. Ein besonderer Dank galt seiner Verlobten Samantha Skogrand und Björndalen. „Besonders möchte ich mich bei meinem Idol Ole Einar Björndalen bedanken, und nicht zuletzt auch bei Samantha. Manche Jahre sind sehr schwierig gewesen, und sie hat mich immer unterstützt.“

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Bei seinen letzten Worten war Svendsen sichtlich aufgewühlt und fügte noch hinzu: „Es ist ein bisschen traurig, aber ich merke, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich bin eigentlich sehr glücklich... das war jetzt viel schwerer, als ich gedacht hatte.“

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