Trainer im Fokus: Vegard Bitnes und seine österreichischen Mädels

Trainer im Fokus: Vegard Bitnes und seine österreichischen Mädels

Obwohl Österreich traditionsgemäß eher als Ski-Alpin-Nation gilt, hat das kleine Land vor allem im Herrenbereich immer wieder gute Biathleten hervorgebracht. Nun arbeitet der Norweger Vegard Bitnes daran, auch seine junge Damenmannschaft an die Spitze zu führen. Seine Erfolgsformel ist eine Mischung aus harter Arbeit und einer positiven Atmosphäre, in welcher Motivation auf einem fantastischen Zusammengehörigkeitsgefühl beruht anstatt auf Druck oder hohen Erwartungen. Der niedrige Altersdurchschnitt der Mannschaft führt dazu, dass – anders als bei anderen Teams – Olympia für die österreichischen Mädels eher ein Schritt in Richtung eines weiter in der Zukunft liegenden Ziels ist und kein Schlüsselevent. Natürlich bedeutet das nicht, dass Lisa-Theresa Hauser nicht versuchen wird, in Pyeongchang in Bestform zu sein und eine Überraschungsmedaille zu gewinnen.

Eine besondere Olympiasaison

Normalerweise folgt das Training in diesem Sport dem Rhythmus der olympischen Spiele und die Saison vor den Spielen ist etwas Besonderes“, sagt Bitnes über die Vorbereitung auf Pyeongchang, „Deshalb will man auf der sicheren Seite sein und im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen vornehmen: Jeder konzentriert sich auf diese Saison und man möchte nichts riskieren.

Das stimmt zwar für die meisten Mannschaften, doch Bitnes spürt, dass die Dinge in Österreich ein bisschen anders liegen: „Wir haben ein junges Team und für die meisten werden das die ersten Olympischen Spiele sein. Daher wollen wir die Wettkämpfe, die wir zuvor absolvieren, nutzen, um uns auf Olympia einzustellen und die bestmögliche Mannschaftszusammensetzung herauszufiltern. Wir wollen natürlich in physischer und mentaler Bestform nach Pyeongchang reisen, aber auch die Weltcuprennen davor sind für uns sehr wichtig.

Kein bestimmtes Erfolgsrezept

Jetzt, wo das Sommertraining vorbei ist und die ersten Blätter sich bereits bunt färben, kann Bitnes einen der wichtigsten Trainingsabschnitte auswerten – und die Zeichen stehen gut. Obwohl er mit seiner Mannschaft ein etwas anderes Ziel als die meisten anderen Teams verfolgt, gibt er zu, dass die Vorbereitung sich nicht großartig abhebt: „Im Allgemeinen glaube ich, dass unsere Vorbereitung der anderer Teams sehr gleicht. Über den Sommer hinweg haben wir die Grundlagen gelegt und gehen nun härtere Trainingseinheiten an. Wir nehmen auch an einigen internen und offenen Testwettkämpfen teil. Ich denke, dass man das gleiche Erfolgsrezept bei anderen Mannschaften findet. Meiner Meinung nach machen wir nichts Besonderes.

Schnelles Schießen

Eines der charakteristischen Merkmale, das die Österreicher über die Jahre so erfolgreich machte, ist ihre Fähigkeit schnell und präzise zu schießen. Bitnes kommt zwar aus Norwegen, hat die Österreicher in diesem Bereich aber immer genau studiert. Als er nun eine Zusammenarbeit mit der Mannschaft begann, haben sich die Dinge ein bisschen verändert: „Jeder kann schnell schießen. Das Problem ist, dass nicht jeder dabei auch die Scheiben trifft. Die Österreicher sind berühmt für ihre Fähigkeiten am Schießstand und ich kann Ihnen als Norweger sagen, dass wir sie immer dafür bewundert haben: Die Art, wie sie den Anschlag stabilisieren und phänomenale Ergebnisse erreichen.

Aus diesem Grund musste er seine Vorgehensweise und den anfänglichen Plan ein wenig anpassen: „Jeder hat einen Plan, wenn er mit einer Mannschaft zu arbeiten beginnt. Ich war da keine Ausnahme. Aber man muss flexibel sein und den Plan je nach den vorherrschenden Bedingungen und unseren Zielen anpassen. Natürlich hat sich mein Plan verändert, aber ich arbeite immer noch auf einige Ziele hin, die ich von Anfang an verfolgt habe.

Ziele und Erwartungen ausbalancieren

Das Ziel ist es, einen gut strukturierten Trainingsplan für die Mannschaft zu erstellen, vor allem für die Mädels. Außerdem wollen wir mehr Leute in Österreich für den Biathlonsport begeistern, Nachwuchs ziehen. Österreich ist immer noch eine kleine Biathlonnation“, meint Bitnes im Hinblick auf die langfristigen Ziele seiner jungen Mannschaft, „Österreich hatte immer ein gutes Team, das ordentliche Ergebnisse erreicht hat. Trotzdem betreiben nicht viele Menschen im Land Biathlon.

Wenn man allerdings über konkrete kurzfristige Ziele spricht, trifft man schnell auf den Kern von Bitnes Trainingsphilosophie: „Für mich ist das Schlimmste, was man tun kann, Erwartungen an die Athleten zu stellen. Ich erwarte nur eins: Sie sollen ihr Bestes geben, hart arbeiten und zeigen, was sie drauf haben. Das ist vielleicht eine langweilige Antwort, aber ich glaube nun einmal daran. Im Sport bauen viele Leute oftmals großen Druck auf die Athleten auf. Manche Trainer machen das, weil sie glauben, es würde die Athleten motivieren und sie bis an ihre Grenzen gehen lassen. Aber ich bin der Meinung, dass alles, was man tun kann, eben auch alles ist, was man tun kann. Athleten wollen und versuchen immer schon mehr, als sie können. Es besteht kein Anlass für einen Trainer, noch mehr von ihnen zu verlangen. Dann versuchen die Athleten bloß, auf Teufel komm raus ihre Grenzen zu überschreiten und das ist vor allem auf lange Sicht nicht gut.

Was ist also die Aufgabe des Trainers?

Ein Trainer muss die Athleten in die Lage versetzen, das Beste zu leisten, was in ihnen steckt.

Top