Zum Saisonende gab es Kristall: Kaisa und Martin ganz oben (Teil 3)

Zum Saisonende gab es Kristall: Kaisa und Martin ganz oben (Teil 3)

Als die Flutlichter im Stadion von Tyumen am 25. März zum letzten Mal erloschen, stand eines fest: Martin Fourcade und Kaisa Mäkäräinen hatten die Titel der Gesamtsieger im IBU Weltcup 2017-18 errungen und die großen Kristallkugeln gewonnen.

In diesem dritten und letzten Artikel der Serie werfen wir einen Blick auf Mäkäräinens Comeback der letzten Saisonwochen im Titelkampf und auf Anastasiya Kuzmina und Nadezhda Skardino, die kleine Kristallkugeln gewannen.

Zum Saisonende gab es Kristall: Kaisa und Martin ganz oben (Teil 3)

Mäkäräinen ist schon immer eine Kämpferin gewesen, konnte sich selbst nach den größten Niederlagen wieder aufrappeln, Reserven mobilisieren und erneut beherzt angreifen. In diesem Jahr bewies sie erneut Talent und Durchhaltevermögen: Sie hatte das gelbe Trikot ergattert und wieder verloren, keine olympischen Medaillen gewonnen, war scheinbar schon zu Platz zwei verdammt und konnte dann in den letzten 32 Minuten und 44 Sekunden der Saison doch noch die glitzernde Kristallkugel gewinnen!

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Kaisas Comeback sichert Gesamtweltcupsieg Nummer 3

Mäkäräinens Comeback, mit dem sie zum Saisonende doch noch die dritte große Kristallkugel erbeutete, war ein wahrer Biathlonkrimi. Bevor im Massenstart der Startschuss fiel, war noch völlig offen, wer die große Kugel mit nach Hause würde nehmen dürfen. Es war ein Herzschlagfinale, ein Duell um die begehrteste Trophäe der BMW IBU Weltcupsaison, und ein Platz Vorsprung würde reichen, um den Titel zu sichern. Nach dem ersten Stehendschießen lagen Mäkäräinen und Kuzmina auf 8 und 9. Im entscheidenden letzten Stehendschießen setzte Mäkäräinen fünf Treffer, während Kuzmina in die Strafrunde musste. Die Finnin legte eine atemberaubend schnelle letzte Runde hin und ging als Sechste über die Ziellinie, während Kuzmina 11. wurde. Als sich der Staub gelegt hatte, trennten die beiden 19 Sekunden und 3 Punkte. Nur zweimal zuvor war das Endergebnis im Weltcup ähnlich knapp gewesen: 2013-14, als auch schon Mäkäräinen Tora Berger um 4 Punkte schlug, und 2008-09, als Helena Ekholm und Kati Wilhelm die Saison punktgleich mit 952 Punkten beendeten und der Titel an Ekholm ging.

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Überwältigt und verwirrt im Ziel
Am Tag nach dem Sieg sagte Mäkäräinen, immer noch etwas überwältigt und mit der Kristallkugel fest in den Händen: „Es ist eine fantastische letzte Woche gewesen. Als wir aus Oslo abreisten, war ich so enttäuscht und ziemlich sicher, dass ich in dieser Woche nichts mehr würde machen können (um die Kristallkugel zu gewinnen). Aber dann ging die Woche gut los, und heute hing dann alles von der letzten Runde ab. Ich war so verwirrt, als ich im Ziel war. Ich wusste nicht, auf welchem Platz ich gelandet war oder Anastasiya, oder wer das Rennen gewonnen hatte, so viele offene Fragen...“

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Kurz in Gelb

Neben dem Gesamtsieg für die Saison holte sich Mäkäräinen mit dieser letzten Runde auch den Sieg in der Massenstartwertung und damit ihre fünfte kleine Kristallkugel, ein passendes Ende für eine so mühsame Saison. Schon der Saisonbeginn war für sie mit den Plätzen 11, 6 und 7 in der Saisoneröffnungswoche nicht so vielversprechend gewesen. Justine Braisaz trug das gelbe Trikot, bis es nach einem zweiten Platz in der Verfolgung von Hochfilzen an Mäkäräinen ging. Tragen durfte sie es am Ende nur in zwei Wettkämpfen, bevor Kuzmina es ihr mit den Plätzen 1, 2 und 4 in Le Grand Bornand wieder abjagte und mit in die Weihnachtsferien nahm.

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Magische Geburtstagswoche

Doch in der alljährlichen magischen Kaisa-Geburtstagswoche in Ruhpolding wendete sich das Blatt wieder: Platz 2 im 15 km Einzel an ihrem 35. Geburtstag, gefolgt von einem Massenstartsieg, der ihr 19 Punkte Vorsprung und erneut das gelbe Trikot einbrachte. Nach drei weiteren Rennen blieb der Vorsprung weiter hauchdünn: Mit 15 Punkten Vorsprung ging es in die olympische Weltcup-Pause.

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Zurück im Kampf

Zurück im Kampf um Kristall zuhause in Kontiolahti lasteten Druck, Erwartungen und die Olympia-Enttäuschungen (keine Medaillen und ein 10. Platz im Massenstart als Bestplatzierung) eine Woche lang auf Mäkäräinens Schultern, die zuhause in Gelb antrat. Trotzdem schlug sie sich wacker, schaffte es zwar nicht aufs Podest, wurde aber 10. im Sprint und herausragende 4. im Massenstart nach einer atemberaubenden letzten Runde.  Kuzmina, immer noch ihre größte Rivalin in der Gesamtwertung, verfehlte in Sprint/Massenstart bei 10 von 30 Schuss und wurde 30. und 16. Die Führung in der Gesamtwertung betrug nun 53 Punkte.

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Gelb zurückerobert

Ein 40. Platz im Sprint von Oslo reichte Kuzmina, um das gelbe Trikot erneut zurückzuerobern. Sie legte mit einem 22. Platz in der Verfolgung nach und hatte jetzt 41 Punkte Vorsprung. Die Entscheidung sollte in Tyumen fallen. Mäkäräinen hatte sich wieder berappelt: Mit einem zweiten Platz im Sprint, während Kuzmina mit dem Druck im Heimstadion zu kämpfen hatte, verkleinerte den Vorsprung auf 16 Punkte. Nach einem Verfolgungssieg konnte die blonde Finnin erneut ins gelbe Trikot schlüpfen. Auch diesmal war ihr Vorsprung wieder hauchdünn, vier Punkte. Zum Showdown im Massenstart sagte sie: „Es ist nicht wichtig, wer am Start das gelbe Trikot trägt. Wichtig ist, wer es im Ziel trägt!“

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Der Rest ist Geschichte. Ein sechster Platz im Massenstart reichte für den Sieg im Gesamtweltcup und in der Massenstartwertung. Aus einer scheinbar hoffnungslosen Ausgangsposition schaffte sie den dritten Titelgewinn, mit einem sechsten Platz beim 377. Weltcupstart schaffte es Kaisa Mäkäräinen zurück an die Spitze der Biathlonwelt, im Alter von 35 Jahren, und ist damit auch die älteste Frau, die die große Kristallkugel je gewonnen hat.

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Zwei Kristallkugeln in Kuzminas fulminanter Saison
Auch wenn Kuzmina den Kampf um die große Kristallkugel am Ende verlor, hatte sie eine fantastische Saison abgeliefert, die beste überhaupt in einer Karriere, die bei der IBU JJWM in Ridnaun 2002 begonnen hatte. Sie war ausgesprochen enttäuscht und schrieb in den sozialen Medien: „Ich habe den großen Kampf um die große Kugel verloren. Sie war zum Greifen nah. Ich habe darum gekämpft, aber es hat nicht gereicht, und am Ende, so sagt man ja, kann es eben nur eine geben. Ich bin traurig und es tut mir so leid; ich war noch nie so nah dran...“

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Mit ihrem zweiten Platz in der Weltcup-Gesamtwertung verbessert sie ihren bisher besten 6. Platz aus der Saison 2013-14. Die fünf Weltcupsiege waren ebenfalls eine Bestleistung für den slowakischen Star. Die Krönung ihrer Saison war allerdings die Goldmedaille (Massenstart) bei ihren dritten Olympischen Winterspielen in Folge, ein Kunststück, das zuvor noch keiner Biathletin gelungen war, ganz zu schweigen von zwei weiteren olympischen Silbermedaillen im 15 km Einzel und der Verfolgung. Den würdigen Abschluss bildeten am Ende die zwei kleinen Kristallkugeln für Sprint und Verfolgung, ebenfalls eine Premiere in ihrer Karriere.

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Sprint-Kristall

Kuzminas Sprintsaison war ein Abbild ihres gesamten Jahres: Sie lief entweder brillant oder unterdurchschnittlich. Sie gewann drei der acht Rennen und wurde einmal Zweite, in den anderen vier wurde sie 15., 18., 30. und 12. Am Schießstand traf sie bei den vier Podestplätzen 37 von 40 Scheiben, bei den vier Nichtplatzierungen verfehlte sie 12 von 40 Schuss. Selbst mit einem 12. Platz in Tyumen zum Saisonende reichte es noch für den Sprinttitel mit 323 Zählern vor Darya Domracheva mit 313. Mit dieser ersten Kristalltrophäe in den Händen sagte Kuzmina: „Nicht mein bester Sprint, aber die erste Kristallkugel in meinen Händen... So hart und so fantastisch!“

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Hochfilzen tonangebend für Verfolgungskristall
In den Verfolgern schlug sie sich deutlich besser als in den Sprints, mit zwei ersten und zwei zweiten Plätzen, einem sechsten und einem elften sowie einem zu vernachlässigenden 36. zu Saisonbeginn. Der erste Sieg in Hochfilzen, ihr erster seit Oslo 2014, gab den Ton an für den Rest der Saison. Kuzmina hat mit dem Schießen immer Mühe gehabt, während sie auf Skiern schon immer mühelos über die Runden kam. In Hochfilzen kämpfte sie, schaffte aber trotzdem 10 Treffer im Stehendanschlag. Damit hatte sie bewiesen, dass Perfektion absolut möglich war, was ihr das Rückgrat stärkte. Sie sagte: „Das war nicht leicht für mich, vor allem am Schießstand, ich kam einfach nicht zu Atem... ich habe versucht, positiv zu denken. Beim letzten Schießen habe ich lange gebraucht, aber am Ende war alles gut.“ Diese 19 Treffer konnte sie in der gesamten Saison nicht mehr wiederholen, aber von da an hatte sie eine gewisse Siegessicherheit. Mit den blitzschnellen Skiern flog sie danach nur so über die Runden und sicherte sich den Titel im Verfolgungsweltcup und die zweite kleine Kristallkugel.

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Anastasiya Kuzmina hat also auch reichlich Gründe zum Feiern: Es hagelte förmlich Siege, Kristall und Medaillen, und ein weiteres glanzvolles Kapitel ihrer bemerkenswerten Karriere geht zu Ende.

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Scharfschützin Skardino erbeutet erstes Kristall
Wie Kuzmina reiste auch Nadezhda Skardino aus Tyumen mit der ersten kleinen Kristallkugel ihrer Karriere heim, dem Weltcuptitel in der Einzelwertung. In mancher Hinsicht ist Skardino die perfekte Kandidatin für den Sieg in dieser klassischen Disziplin, die eigentlich ein Wettschießen mit ein paar Ski-Einlagen ist. Die Weißrussin traf in dieser Saison 93 % ihrer Scheiben, eine persönliche Bestleistung für eine Frau, die in der Vorsaison eine Trefferquote von 90 % und in der Saison davor von 92 % hatte. In den zwei 15 km Einzeln der Saison fanden all ihre 40 Schuss den Weg ins Schwarze.

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Erster Sieg für Mama
Und doch war die kleine Kristallkugel für die immer fröhliche Biathletin in dieser Saison nur das Tüpfelchen auf dem i. Skardino eröffnete die Saison 2017-18 mit ihrem ersten Weltcupsieg bei ihrem 288. Weltcupstart bei fehlerfreiem Schießen und einem knappen Vorsprung von 2,9 Sekunden im Ziel.

*Sie dankte Trainer Alfred Eder für den Sieg und widmete ihn ihrer Mutter als Geburtstagsgeschenk: „Für die heutige Leistung würde ich mir eine 1 mit Sternchen geben... Alfred ist zur Mannschaft zurückgekehrt, und sein Training passt gut zu mir... Es ist eine Weile her, dass ich diesen Tag mit (meiner Mutter) verbracht habe...Ich hoffe, sie spürt, dass ich in Gedanken bei ihr war... Dies ist auch ein Geschenk an sie.“
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Olympisches Gold für die Beständigkeit in Person
Von da an war Skardino bei den Damen einfach die Beständigkeit in Person, zwar nicht mehr auf dem Podest, aber immer gut am Schießstand und mit einer Ausnahme bei jedem Start in den Punkten. Damit schaffte sie es auf Platz 18 in der Weltcup-Gesamtwertung, ein bekannter Platz, war sie doch in den fünf Vorsaisons auf den Plätzen 18, 19, 18, 17 und 18 gelandet. Gelebte Konstanz.

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Wenige Wochen bevor sie das erste Kristall in den Händen hielt, fuhr Nadezhda Skardino ein drittes Karriere-Highlight ein. Eine funkelnde olympische Goldmedaille, die hervorragend zu ihrer anderen olympischen Medaille passt, eine Bronzemedaille aus Sochi im, Überraschung, 15 km Einzel, in dem sie natürlich fehlerfrei geblieben war.

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Siegerlächeln

Nun ist die Saison vorbei, und eines ist kristallklar. Wer Kristall gewonnen hatte, der beendete die Saison mit einem Lächeln, aber das strahlendste Lächeln war klar bei Kaisa Mäkäräinen und Martin Fourcade zu sehen!

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Nach einer Saison voller Duelle, Höhen und Tiefen fasst Mäkäräinens Kommentar aus Tyumen die über vier Monate lange Saison treffend zusammen: „Es ist nicht wichtig, wer am Start das gelbe Trikot trägt. Wichtig ist, wer es im Ziel trägt!“

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