Zwei kleine Kristallkugeln für Gabriela Koukalová

Zwei kleine Kristallkugeln für Gabriela Koukalová

*Martin Fourcade und Laura Dahlmeier dominierten den Kristallreigen und räumten 8 der 10 zu vergebenden Kristallkugeln ab. Und doch gelang es der Gesamtweltcupsiegerin 2016 Gabriela Koukalová zum Saisonausklang noch, Laura Dahlmeier die verbleibenden zwei glitzernden Trophäen für Sprint und Massenstart abzuluchsen.
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Zwei kleine Kristallkugeln für Gabriela Koukalová

Auftrag ausgeführt

Ab der ersten Pressekonferenz der Saison über ihre kurze Phase im gelben Trikot trug bis weit darüber hinaus bestand der tschechische Star darauf, dass der Gesamtsieg und die Kristallkugeln für sie nicht im Fokus stünden. Ihr ginge es nur um IBU-WM-Medaillen; etwas, das ihr nicht gelungen war, als sie 2015-16 den Gesamtweltcuptitel holte. Vor dieser Saison war ihre einzige Einzelmedaille bei einer IBU WM die Silbermedaille für die 15 km von Kontiolahti 2015. Ganz wie sie es sich vorgenommen hatte, nahm sie aus Hochfilzen Gold für den Sprint, Silber für das 15 km Einzel und Bronze für die Verfolgung mit nach Hause. Auf diese Sammlung konnte sie stolz sein: Auftrag ausgeführt.

Zwei kleine Kristallkugeln für Gabriela Koukalová

Saison zum Genießen

Mit diesem Fokus und ohne den Druck des Gesamtweltcupsiegs konnte Koukalová die Saison genießen. Sie war nicht so beispielhaft konstant wie im Vorjahr, im Schießen lief es nicht immer gut und manchmal schaffte sie es nicht in die Top 10. Und doch stand der Rotschopf vierzehnmal auf dem Podest, errang fünf Siege, sechs zweite Plätze und drei dritte und blieb Dahlmeier dabei immer dicht auf den Fersen, auch wenn keine der Damen offen zugab, an den Gesamtsieg zu denken.

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Emotionale Momente in Nove Mesto na Morave

Koukalovás persönliche Highlights in dieser Saison dürften wohl der überwältigende Massenstartsieg in ihrem vollbesetzten heimischen Stadion in Nove Mesto na Morave und der ebenso packende fehlerfreie Sieg über Dahlmeier im WM-Sprint mit nur vier Sekunden Vorsprung gewesen sein. Beides waren sehr emotionale Momente, aber der Sieg vor einem ganzen Stadion voller begeisterter tschechischer Fans in NMNM war einer dieser Momente in einer Sportlerkarriere, die wohl nur noch ein Olympiasieg übertreffen kann. Mit Tränen in den Augen sagte sie im Anschluss: „Ich war so nervös vor dem Rennen, deswegen war das einfach fantastisch... Ich bin so ergriffen, das ist noch emotionaler als bei den Olympischen Spielen. Ich möchte mich bei allen Zuschauern von Herzen bedanken.“

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Sechserserie

Mit der umwerfenden Sechserserie angefangen mit dem Massenstartsieg in Nove Mesto bis hin zum Massenstartsieg in Ruhpolding am 15. Januar konnte sie ihr Talent noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellen: Sie schaffte drei Siege und zwei zweite Plätze. Nur eine andere Frau hat in der ganzen Saison eine solche Serie hingelegt, und ihre Initialen sind LD. In diesem Zeitraum gab Koukalová 100 Schuss ab, von denen 94 ins Schwarze gingen. Zweimal hatte sie in Massenstarts gegen Dahlmeier die Nase vorn, war in jedem Wettkampf gut auf der Strecke unterwegs und meldete für die Podestplätze in Hochfilzen schon einmal Ansprüche an.

Zwei kleine Kristallkugeln für Gabriela Koukalová
Zwei kleine Kristallkugeln für Gabriela Koukalová

Goldmedaillentaktik

Koukalovás WM-Titel im Sprint war eine brillante Kombination aus Biathlon-Können und Taktik. Mit der Startnummer 96 in einem Feld aus 101 Frauen nutzte sie die schattigen, kühleren Flecken der Strecke und die sinkenden Temperaturen, um einen Vier-Sekunden-Vorsprung vor Dahlmeier herauszuarbeiten. Die neue Sprintweltmeisterin gab an diesem Tag zu, dass ihr später Start ihr bei ihrem Sieg einen Vorteil verschafft hatte. „Ich glaube, diese Taktik von unseren Trainern war sehr clever; ich habe auf jeder Runde gemerkt, dass die Strecke schneller wird.“ Koukalová wusste kaum, was sie zu ihrem ersten Einzel-WM-Gold sagen sollte. „Ich weiß, dass Laura auf dem letzten Teil der Strecke schnell ist. Ich weiß, dass sie sehr schnell ist... Als ich gewonnen hatte, kam mir das vor wie ein Traum, als wäre das alles gar nicht wahr.“

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Oslo-Revival bringt zwei kleine Kristallkugeln

Nach Hochfilzen schaffte Koukalová es in Pyeongchang und Kontiolahti nur einmal aufs Podest. In Oslo, nachdem sie beim Massenstart angeblich schon über die „Saisonabschlussparty“ nachgedacht hatte, legte sie aber noch mal einen drauf. Der vierte Platz im Sprint, kombiniert mit Dahlmeiers 31., brachte im Kampf um den Sieg in der Sprintwertung die Wendung. Der Vorsprung der Sprintweltmeisterin betrug gerade einmal fünf Punkte. Mit einen hübschen Kristallpokal schon in der Tasche schloss sie den Massenstart mit einem Fehler ab, ließ Dahlmeier erneut hinter sich und sicherte sich die Massenstart-Kristallkugel mit neun Punkten Vorsprung.

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**„Eine der besten“

WM-Medaillen, ein Sieg vor ihren ergebenen tschechischen Fans, ein zweiter Platz in der Gesamtwertung und zwei Kristallkugeln zeigen, dass es ein sehr gutes Jahr gewesen ist. Mit ihrem typischen strahlenden Lächeln stapelte Koukalová nach dem Massenstart noch einmal tief: „Das war eine der besten Saisons meiner Karriere.“

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