5 Dinge, die wir aus Oberhof mitnehmen

5 Dinge, die wir aus Oberhof mitnehmen

Tiril Eckhoff verbucht den dritten Sieg in Folge, ein deutlicheres Muster in ihren Bemühugen wird erkennbar. Tarjei Boe sagt seinem Bruder JT und Sturla Holm Laegreid in der zweiten Saisonhälfte den Kampf an. Die deutsche Frauenstaffel findet siegreiche Kombination. Italien erwacht, und Russland und Norwegen glänzen beim IBU-Cup in Arber.

5 Dinge, die wir aus Oberhof mitnehmen
  • Eckhoff fährt ihre Rennen gern im eigenen Tempo

Tiril Eckhoff behielt ihre überragende Form aus der ersten Woche in Oberhof im Sprint bei und errang in der zweiten Woche den dritten Sieg in Folge. Dann geriet ihre Schießleistung jedoch in der Frauenstaffel ins Wanken. Währen die norwegischen Frauen ihre mitunter schlechteste Leistung der letzten Jahre ablieferte, bemühte sie sich verzweifelt darum, das sehr langsame Schießen von Ingrid Landmark Tandrevold und Ida Lien (die zusammen acht Nachlader brauchten) auszugleichen. Dabei überstürzte sie alles und kassierte zwei Strafrunden. Beim Massenstart wurde Eckhoff mit vier Fehlschüssen, drei davon beim ersten Stehendschießen, Achte. Ähnlich unter Druck war sie in der Vorwoche während der Single-Mixed-Staffel, bei der sie beim letzten Stehendschießen drei Strafrunden holte. Eckhoff glänzt vor allem im Sprint, wo sie so stark ist, dass sie mit einem (oder sogar zwei) Fehlschüssen gewinnen kann, und in der Verfolgung, wo sie sich ebenfalls nicht zu sehr unter Druck setzt, weil sie auf ihre Sprinterfolge aufbauen kann.

5 Dinge, die wir aus Oberhof mitnehmen
  • Tarjei Boe könnte JT und Laegreid die Stirn bieten

Tarjei Boe peilte letzte Woche einen Sieg in der Verfolgung an, nachdem er mit einem 15-von-15 nach den ersten drei Schießeinlagen souverän in Führung lag. Bei der Vorbereitung auf das letzte Schießen begann jedoch der Gedankenkreisel: Er glaubte, dass es nur mit 20-von-20 für einen Sieg reichen würde. Dadurch geriet er zwar ins Schludern und verfehlte die ersten drei Schüsse, wurde aber dennoch Dritter. Im Massenstart war seine Lage ähnlich, er ließ den Dingen aber freien Lauf und wurde trotz eines Fehlschusses Erster – noch vor Felix Leitner und Benjamin Weger, die fehlerfrei blieben. Tarjei hat seit der Saison 2012/2013 keine zwei Siege mehr in derselben Saison geholt. Darüber hinaus war er in jeder der Oberhofer Wochen erfolgreichster Athlet und fügte seiner Gesamtwertung Punkte für einen Sieg sowie einen zweiten und einen dritten Platz hinzu. Sein phänomenales Tempo in der vierten und fünften Runde lässt aber vermuten, dass er Laegreid den zweiten Platz streitig machen und sogar seinem Bruder an der Spitze der Biathlon-Welt gefährlich werden könnte.

5 Dinge, die wir aus Oberhof mitnehmen
  • Die deutsche Frauenstaffel hat ihre Kombination gefunden

Leise fügten sich die Puzzleteile für die deutsche Frauenstaffel zusammen, die es brauchte, um die Konkurrenz in Oberhof souverän zu schlagen. Vanessa Hinz‘ Form ist nach verletzungsbedingten Problemen im Sommer allmählich stabil. Janina Hettichs Treffsicherheit liegt in dieser Saison sehr hoch bei 92% und das ist von entscheidender Bedeutung für die zweite Runde, in der die letzten beiden Athletinnen unter Druck geraten können, falls etwas schiefläuft. Denise Herrmann findet allmählich zu ihrer berühmten Schnelligkeit, während Franziska Preuss eine der besten und konstantesten Athletinnen ist und auch die schwierigsten Situationen immer souveräner meistert. Da Ingrid Landmark Tandrevold und Tiril Eckhoff in der Staffel schon mal unterdurchschnittlich abschneiden können, da bei Frankreich an einem Tag sowohl eine Glanzleistung als auch eine Katastrophe drin sein kann und da Hanna Oebergs Energiereserven zwar groß, aber nicht unerschöpflich sind, standen die Zeichen für das deutsche Team plötzlich auf ein ruhmreiches Ende.

5 Dinge, die wir aus Oberhof mitnehmen
  • Die italienische Mannschaft erwacht

Nach Dorothea Wierers Sieg im Einzel beim Auftakt der Saison in Kontiolahti erbrachte Italien wochenlang unterdurchschnittliche Leistungen. Das änderte sich erst in Oberhof, wo die Männerstaffel mit Junior Tomasso Giacomel in der dritten Runde einen hervorragenden dritten Platz belegte. Lukas Hofer gehörte in beiden Wettbewerben zu den Schnellsten und wurde (trotz zweier Fehlschüsse) Sechster im Sprint und Vierter im Massenstart. Dorothea Wierer wurde Zweite im Sprint (10/10) und Sechste im Massenstart, wo sie nach 15-von-15 auf den Sieg setzte und dann zweimal verfehlte. Auch Lisa Vittozzi zeigte erste Anzeichen ihres Könnens, allerdings fehlen ihr noch ein paar starke Runden und Schießleistungen, um es mit den Besten aufnehmen zu können. Jedenfalls ist der Trend vor der Heimwoche in Antholz-Anterselva, und vor allem vor der IBU-WM 2021 in Pokljuka, sehr vielversprechend.

5 Dinge, die wir aus Oberhof mitnehmen
  • IBU Cup Arber bricht viele Rekorde

Der Saisonauftakt des IBU Cups in Arber hatte eine Rekord-Teilnehmerzahl (129 Frauen und 146 Männer beendeten den ersten Sprint). Norwegen und Russland verbuchten je zwei Siege und insgesamt fünf Podestplatzierungen in den beiden Sprints, wobei Tatiana Akimova zweimal und die Anderson-Brüder Aleksander Fjeld und Filip je einmal gewannen. Anastasia Shevchenko, einer der Stars der letztjährigen IBU Jugend- und Junioren-WM in Lenzerheide, sicherte sich den dritten und zweiten Platz, darüber hinaus war sie Teil der siegreichen russischen Frauenstaffel. Deutschland gewann indes den Staffelwettbewerb der Männer. Der IBU Cup verweilt eine weitere Woche in Arber, in der viele Juniorenstars teilnehmen und ihre Spuren hinterlassen werden.

Foto: IBU/Christian Manzoni

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