Alle Staffeln gewonnen: Norwegen holt auch in Männerstaffel Gold 

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Johannes Thingnes Boe, auf den letzten 400 Metern mit einer norwegischen Flagge in der Hand, sicherte der norwegischen Herrenstaffel heute als Schlussläufer winkend und lächelnd die Goldmedaille in 1:12:03,7. Johannes und seine Mannschaftskameraden Lars Helge Birkeland, Vetle Sjaastad Christiansen und Tarjei Boe fuhren mit nur sechs Nachladern nun auch noch den vierten Staffelsieg für Norwegen bei diesen IBU Weltmeisterschaften ein. Acht Nachlader und 38,1 Sekunden Rückstand reichten den Deutschen zu Silber. Russland gewann mit sieben Nachladern und 1:04,1 Rückstand Bronze.

IBU World Championships Men's Relay

Grandiose Erfahrung
Christiansen war überwältigt von diesem Sieg und seinem Erfolg. „Im letzten Jahr war ich nicht mal in der Mannschaft und jetzt stehe ich hier mit zwei Goldmedaillen. Das ist eine grandiose Erfahrung für mich.“

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Alles zu verlieren

Tarjei sagte, sein Bruder habe im Stehendanschlag vermutlich den Druck gespürt, er habe das aber so gut bewältigt wie eben möglich. „Es ist schon komisch. Natürlich will man in diesem Sport einen möglichst großen Vorsprung haben, aber wenn man den dann hat, wenn man dann selbst da steht, ist es schlimmer, umso größer der Vorsprung ist, weil man alles zu verlieren hat. Das hat er gespürt, aber bei den Nachladern war er dann auch sehr sicher. Zum Glück hatten wir den Vorsprung... zum Glück hat er getroffen und wir haben gewonnen ... es war unglaublich.“

Vierter wurde Tschechien mit sechs Nachladern und 1:20,7 Rückstand. Die größte Überraschung gelang Slowenien, die mit nur fünf Nachladern und 1:22,4 Fünfte wurden. Frankreich landete auf Platz sechs mit drei Strafrunden, elf Nachladern und 1:37,2 Rückstand.

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16.000 Zuschauer: Gutes erstes Schießen

Noch immer fiel leichter Schnee und das Stadion war mit über 16.000 schwedischen Fans vollbesetzt, als es dunkel wurde und die Männer am frühen Abend in die Staffel starteten. Zehn der elf führenden Teams kamen ohne Fehler durchs erste Liegendschießen und lagen innerhalb von 10 Sekunden. Nur der Kanadier Christian Gow und der Schweizer Jeremy Finello kamen ohne Nachlader durch das Stehendschießen. Dreizehn Teams gingen innerhalb von 16 Sekunden wieder aus dem Stadion.

Frankreich und Norwegen

Beim ersten Wechsel führte Russland die Horde an, dicht gefolgt von Italien und Frankreich. Die ersten zehn Teams lagen innerhalb von 10 Sekunden; Christiansen übernahm auf Rang 10. Der Italiener Giuseppe Montello brauchte im Liegendanschlag einen Nachlader und ging einen halben Schritt vor Christiansen auf die Strecke, der seinerseits den Schnellschützen Simon Eder im Nacken hatte. Im Stehendanschlag durfte sich Quentin Fillon Maillet auf die erste Matte stellen, nietete im Nu seine Scheiben um, wie auch die Rivalen aus Norwegen und Österreich, und der Vorsprung auf die viertplatzierten Schweden wuchs auf 21 Sekunden an. Zusammen mit Christiansen hatte er Eder schnell abgehängt, der von Jesper Nelin überholt wurde.

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Tarjei geht in Führung

Der schon mit zwei IBU WM-Bronzemedaillen ausgezeichnete Fillon Maillet übergab an Desthieux, dem eine Sekunde später Tarjei für Norwegen folgte. Nelin hielt Schweden mit 18 Sekunden Rückstand sicher auf Rang drei und übergab an Ponsiluoma, während für Deutschland Arnd Peiffer mit 39 Sekunden Rückstand auf seine Runde ging. Der routinierte Norweger setzte fünf saubere Treffer, während Desthieux Nachlader brauchte, um den zweiten Rang zu verteidigen. Peiffer traf ebenfalls alles und rückte vor auf Rang vier, immer noch mit 38 Sekunden Rückstand. Tarjei baute seinen Vorsprung bis zum Stehendschießen auf 14 Sekunden aus, verlor aber mit zwei Nachladern Zeit. Desthieux musste in die Strafrunde, hatte aber immer noch 5 Sekunden Vorsprung vor den Rivalen aus Schweden und Deutschland.

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Vorsprung ausgebaut

Tarjei übergab mit 43,5 Sekunden Vorsprung an seinen Bruder, gefolgt von Fourcade und Doll, die sich zeitgleich auf die Medaillenjagd machten, und der Heimmannschaft 20 Sekunden dahinter auf Rang vier. Johannes gab sofort Gas und baute seine Führung auf eine Minute aus, bevor er im Liegendanschlag fünf Treffer platzierte. Er war schon 200 Meter wieder aus dem Stadion heraus, bevor Fourcade und Doll auf den Matten lagen. Doll brauchte einen Nachlader, Fourcade brauchte für fünf Treffer ebenso lange und sie gingen zusammen wieder auf die Strecke. Der Slowene Roc Trsan konnte überraschend Slowenien auf Rang vier bringen, während Sebastian Samuelsson verschoss und weit zurückfiel.

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Drei Nachlader und Loginov rückt vor auf drei

Johannes machte es mit drei Fehlern noch einmal spannend, traf dann aber mit den Nachladern. Doll lag sicher auf Rang zwei, während Fourcade mit zwei Strafrunden alle Medaillenhoffnungen aufgeben musste. Deutschland hatte den Silberrang sicher, und Loginov nutzte die Gelegenheit, auf Rang drei vorzurücken.

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Verrückter Moment

Doll erklärte, was sich in dem entscheidenden Stehendschießen abgespielt hatte, mit dem er seine Mannschaft auf den Silberrang katapultierte. „Ich habe gedacht, Bronze ist ja ziemlich sicher. Wenn ich eine Strafrunde geschossen hätte, wäre das natürlich nicht mehr sicher gewesen. Ich bin aber sicher und zuversichtlich an den Schießstand gegangen. Da musste ich Martin ein bisschen unter Druck setzen und schnell schießen. Ich glaube, deswegen ist er ein bisschen nervös geworden. Ich habe gesehen, dass er dreimal verfehlt hat. Das war ein verrückter Moment, weil ich nie gedacht hätte, dass er bei den ersten fünf Schuss dreimal verfehlt!“

Vierter Sieg mit Fahne
Mit diesem vierten Sieg hat sich das rot-blaue Team aus Norwegen nun auch noch die letzte Staffel in Östersund gesichert. Johannes war mit einem so großen Vorsprung unterwegs, dass er zwischendurch mehrfach in Ruhe den Fans winken und sich 400 Meter vor dem Stadion eine Flagge schnappen konnte. Mit den Skistöcken in einer Hand feierte der strahlende Sieger bis ins Ziel. 39 Sekunden später trudelte auch Doll ins Ziel ein, die deutsche Fahne hoch über dem Kopf, gefolgt von Loginov auf Platz drei.

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