Benedikt Dolls Solo-Frühjahr; erstes Trainingslager in Martell

Benedikt Dolls Solo-Frühjahr; erstes Trainingslager in Martell

Benedikt Doll hat das Frühjahr mit seinen vielen Ausgangsbeschränkungen im heimischen Schwarzwald verbracht, wo er viel Zeit zur Selbstreflexion hatte. Jetzt, Anfang Juli, geht es auch für seine deutschen Mannschaftskameraden und ihn wieder los, die sich in dieser Woche zum ersten Mannschafts-Trainingslager der neuen Saison im italienischen Martell eingefunden haben.


Benedikt Dolls Solo-Frühjahr; erstes Trainingslager in Martell

Saisonende mit gemischten Gefühlen

Der IBU Sprintweltmeister aus dem Jahr 2017 gesteht ein, dass er das abrupte Saisonende in Kontiolahti mit gemischten Gefühlen gesehen hatte. „Ich wollte in der Weltcup-Gesamtwertung noch ein paar Plätze gutmachen, also wären noch ein paar Rennen gut gewesen (er war zum Schluss Achter, nur 16 Punkte hinter Platz 7), aber ich habe mich zu dem Zeitpunkt auch schon ein bisschen schlapp gefühlt, also war es okay.“

Trotzdem war es für Doll eine ergiebige Saison gewesen, mit dem zweiten Sieg seiner Karriere im Sprint von Annecy - Le Grand Bornand, einem 2. Platz im Massenstart von Pokljuka und einem 3. Platz im Sprint von Ruhpolding, sowie Staffelbronze bei der IBU WM. Dank dieser Medaille war es für ihn das fünfte Jahr in Folge mit mindestens einer Medaille bei einer großen Meisterschaft.


Benedikt Dolls Solo-Frühjahr; erstes Trainingslager in Martell

Sport ist Erholung

Obwohl die verkürzte Saison ihm ein paar zusätzliche Wochen Ruhe verschaffte, dauerte es nicht lange, bis Doll wieder draußen unterwegs war. „Ich bin nicht der Typ, der nach der Saison nach Hause kommt und vier Wochen lang nichts macht. Sport ist ein Teil meines Lebens. Nach etwa zwei Wochen habe ich wieder mit Rennradfahren und Bergtouren angefangen. Ein bisschen Sport ist für mich immer noch Erholung.“


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Familie, Trainingsplanung beim Joggen

Er denkt, dass der „Lockdown“ die Biathleten nicht zu hart getroffen hat. „Wir hatten Glück, dass wir bis auf Oslo die ganze Saison durchziehen konnten. Den Sommer-Athletinnen und -Athleten entgeht eine ganze Saison. Bei uns passiert im April oder Mai nicht besonders viel. Das ist sonst eine gute Zeit, um mal ein paar Freunde in der Stadt zu treffen und das Leben ein bisschen zu genießen. Das ging nicht, aber ansonsten war nichts groß anders. Ich habe viel mit meiner Frau, meiner Schwester und meinen Eltern gemacht und mich von anderen ferngehalten. Aber wir durften ja auch mit einer anderen Person Sport machen, natürlich unter Wahrung des Abstands, also habe ich so ein paar Freunde getroffen und mit meinen Trainern beim Joggen an Plänen für die nächste Saison gearbeitet. Es war anders als sonst, aber wirklich okay.“


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Morgenmuffel

Ab Mai startete der 30-Jährige offiziell in die neue Trainingssaison. „Zu dem Zeitpunkt konnten wir nur in Fünfergruppen trainieren, das war ein bisschen anders als sonst. Die erste Gruppe trainierte früh am Morgen, die zweite Gruppe später am Morgen. Ich musste um 06:30 Uhr aufstehen statt wie sonst um 07:30 Uhr. Das war nicht leicht, weil ich ein echter Morgenmuffel bin!“ Während der ersten Ausdauereinheiten „sind wir viel Rennrad und Mountainbike gefahren, haben lange Läufe und Wandertouren mit Stöckern gemacht.“


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Rennrad fahren, Eis essen, Ausblick genießen

Doll mag vor allem die langen Rennradtage. „Unsere längste Tour war 140 km lang, als die Eisdielen wieder geöffnet hatten. Wir konnten zwischendurch anhalten und ein paar Pausen machen, ohne großen Druck, also waren wir fast sechs Stunden unterwegs. Das ist die beste Zeit, wenn man die langen Einheiten machen kann. Die sind nicht so schnell, da kann man immer mal anhalten und den Ausblick genießen. Diese Tage mag ich wirklich gern.“


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Wiedersehen mit der Mannschaft

Normalerweise geht es mit den Mannschafts-Trainingslagern Ende Mai oder Anfang Juni wieder los, aber in diesem Jahr ist auch das anders: Das erste Trainingslager startet erst diese Woche im italienischen Martell. „Wir hatten für den ersten Juni ein Rennrad-Trainingslager geplant, das wir abgesagt haben. Es war die richtige Entscheidung, weil jetzt nicht mehr so viele Beschränkungen gelten... Für uns ist es sehr wichtig, ein Trainingslager zu haben, bei dem die Qualität stimmt. Ich freue mich darauf, die anderen wiederzusehen. Arnd Peiffer, Simon Schempp, Johannes Kühn, Lukas Fratzscher und Roman Rees sind alle dabei. Es ist lange her, dass wir uns gesehen haben.“

„Jeden Tag zu kochen ist anstrengend!“

Der erfahrene Koch Doll gab zu, dass es Zeit für einen Tapetenwechsel war. „Zuhause wurde es langsam komisch, weil jeder Tag gleich war. Ich freue mich auf den Tapetenwechsel, auf das Wiedersehen mit den anderen, einen anderen Ort... und ich muss nicht jeden Tag kochen und in einem Hotel sein. Ich koche gerne, aber jeden Tag zu kochen ist ganz schön anstrengend!“


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Input aus dem Trainingslager

Nach dem späten Start ins organisierte Training verläuft das erste Trainingslager auf 1300 Metern in Italien ganz normal. „Auf dem Plan stehen ein paar Mountainbike-Touren, Laufen, Skiroller klassisch. Wir haben einen neuen Schießtrainer und arbeiten viel an der Schießtechnik. In diesem Trainingslager bekommen wir viel Input, womit wir dann zuhause weiterarbeiten können. Ich habe zuhause ein paar Sachen umgestellt, aber es ist gut, auch die Meinung und den Input von anderen Leuten zu hören. Das ist sehr wichtig, um sich zu verbessern.“


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Keine Corona-Erkenntnisse

Mit Blick zurück auf das isolierte Frühjahr sagt Doll, er habe „keine besonderen Corona-Erkenntnisse gewonnen... Man hat so viel Zeit allein verbracht, dass man viel Zeit für Selbstreflexion hatte... Es gab viele Dinge, die ich nach der Wintersaison ändern wollte. Ich habe viel Energie investiert, um diese Veränderungen umzusetzen, und eine davon war, mich auf eine Verbesserung meiner Schießleistungen zu konzentrieren. Das war das Größte, was sich bei mir in diesem Jahr getan hat.“


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Photos: IBU/ Benedikt Doll, Christian Manzoni

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