Clement Jacquelin: Von Biathlon-Innovationen zu Corona-Schutzmasken

Clement Jacquelin: Von Biathlon-Innovationen zu Corona-Schutzmasken

In den letzten Jahren konnte man den französischen Ex-Biathleten Clement Jacquelin im Sommer jede Woche im Espace Vercors Biathlon-Stadion antreffen, wo er seine einzigartigen 3D-Druck-Gewehrschafte und Bauteile testete und sie im Heimstadion von Martin Fourcade, Emilien Jacquelin und den Chevalier-Schwestern den französischen Nachwuchs-Biathleten und BMW IBU Weltcupstars beim Training vorführte.

Clement Jacquelin: Von Biathlon-Innovationen zu Corona-Schutzmasken

Bemerkenswerter Sieg
Seine innovativen Produkte sind inzwischen überall in der Biathlon-Welt im Einsatz und bekamen besonders viel Aufmerksamkeit, als sein jüngerer Brüder Emilien am letzten Anstieg in die Südtirol-Arena an Johannes Thingnes Boe vorbeisprintete und IBU-Verfolgungsweltmeister wurde. Clement, selber ehemaliger IBU Juniorenweltmeister, war an diesem Tag so stolz wie ein Papa und freute sich riesig für seinen jüngeren Bruder.

Clement Jacquelin: Von Biathlon-Innovationen zu Corona-Schutzmasken

Masken benötigt

Zu diesem Zeitpunkt war die Coronavirus-Epidemie schon weltweit auf dem Vormarsch und erreichte schließlich auch Europa, wo unter anderem Italien, Spanien und Frankreich besonders schwer getroffen wurden. Mit dem massiv steigenden Bedarf an Schutzmasken verschob sich Jacquelins Fokus „am 20. März, als wir sahen, dass die EU-Kommission nach Leuten suchte, die 3D-Drucker haben. Sie suchten Personen, die mit ihren 3D-Druckern Masken oder Bauteile für Krankenhäuser herstellen konnten.“

Clement Jacquelin: Von Biathlon-Innovationen zu Corona-Schutzmasken

Drei Stunden
Jacquelin ergriff die Initiative. „Wir fanden 3D-Druckdateien im Internet, mit denen man gleich loslegen konnte. Wir konnten nun entweder auf die Genehmigung warten oder loslegen und die Maschinen schon mal für den Zeitpunkt vorbereiten, wenn die erteilt wird. Dann ging es ganz schnell. Nach drei Stunden hatten wir die erste Maske gedruckt. Die war noch nicht sehr gut, aber wir konnten dann einige Parameter anpassen: Das Material, die Geschwindigkeit der Maschine... Die zweite und dritte waren schon besser.“

Teilen und Weiterentwickeln

Dann fand der Tüftler, es sei an der Zeit, „die Dateien zu teilen. Es gibt in Frankreich bei vielen Privatleuten und in Unternehmen 3D-Drucker. Es war wichtig, die Dateien zu teilen, weil wir mit dieser Arbeit Leben retten konnten. Das hat sich dann weiterverbreitet, und jetzt nutzen viele Menschen unsere Elemente, um Masken zu drucken.“ Es war überwältigend zu sehen, wie oft die Daten geteilt wurden. „Viel mehr, als ich mir je hätte vorstellen können. Das ist wirklich toll, weil die 3D-Gemeinschaft eine große Familie von Leuten ist, die das alle mit viel Leidenschaft betreiben. Es ist vielleicht das erste Mal, dass wir alle am selben Projekt arbeiten und Leben retten. Wir teilen viele Designs und Ideen und arbeiten zusammen, um Krankenhäuser, Geschäfte oder die Feuerwehren in den verschiedenen französischen Regionen zu unterstützen, immer da, wo man uns braucht. So entwickeln wir uns auch weiter und werden immer besser.“

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Bedarf decken

Sobald das Design für die Masken einmal stand, war es nicht schwer herauszufinden, wo es Bedarf an Schutzausrüstung gab, vor allem, da der Virus sich in Frankreich explosionsartig ausbreitete. „Dank einiger Berichte wurden wir von Krankenhäusern und anderen Einrichtungen kontaktiert, die Masken oder Bauteile brauchten. Mein Bruder Augustin entwickelte eine Karte, auf der Bedarf und Produzenten angezeigt werden, sodass wir Einrichtungen mit Bedarf schnell mit einem Produzenten in der Nähe zusammenbringen können. Bei uns können wir nur etwa 100 Teile pro Tag herstellen. Ein Krankenhaus aus der Nähe von Lyon hat uns kontaktiert, und Transport und Versand sind mittlerweile ein Problem. Aber ich habe jemanden kontaktiert, der nur zwei Minuten von ihnen entfernt sitzt, und ein paar Stunden später haben die dort das produziert, was gebraucht wurde. Es ist also nicht nur eine Person, die produziert und liefert, sondern ein Gemeinschaftsprojekt, dass auf Menschen vor Ort zurückgreift.“

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Hilfe für Geschäfte und Feuerwehrleute
Selbst bei dem derzeit dringenden Bedarf und hoher Reaktionsschnelligkeit ist es kompliziert, Masken für die Menschen zu produzieren, die in besonders engen Kontakt mit dem Virus kommen, wie Krankenhausmitarbeiter. „Wir warten auf die Genehmigung der Regierung, diesen Typ Masken herstellen zu dürfen. Es gibt aber auch viele andere, wie Geschäfte und Feuerwehren, die Bedarf haben. Indem wir denen (mit einer 3D-Schutzmaske) helfen, helfen wir den Krankenhäusern, weil dann weniger Menschen ins Krankenhaus müssen. Es ist ein gutes Gefühl, den Menschen vor Ort helfen zu können.“ In Villard de Lans und der Vercors-Region hat er zusammen mit La Fabrique du Ski etwa 400 Masken hergestellt und ausgeliefert. „Wir versuchen, auch das sicher zu gestalten, reinigen alles und kommen niemandem mehr zu nahe. Manchmal legen wir die Masken einfach in den Briefkasten und schicken dann eine SMS, um Bescheid zu geben, dass sie da sind. Das ist alles ziemlich cool.“

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Unermüdlicher Einsatz
*Der IBU Weltmeister Emilien ist dann auch voll des Lobes über den unermüdlichen Einsatz seines Bruders bei diesem Projekt, das Leben rettet. „Seine Arbeit ist grandios. Er arbeitet jeden Tag, fast ohne Pause, nicht für sich, sondern für unsere Gesellschaft. Ich bin sehr stolz auf ihn und auf das, was er erreicht hat.“
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Crowdfunding
Ein Projekt wie dieses ist nicht billig, also hat sich Jacquelin mit einem Spendenaufruf auf einem Crowdfunding-Portal unter https://www.leetchi.com/fr/c/50Mj2Zar. an die Öffentlichkeit gewandt. Die Idee kam von einem Twitter-Nutzer, der sich bei ihm gemeldet hatte, um zu fragen, wie er helfen könne. „Über Nacht waren dort 1000 Euro zusammengekommen, was unglaublich war. Damit konnten wir medizinische 3D-Materialen kaufen, die ziemlich teuer sind. Es ist immer mehr Geld zusammengekommen (inzwischen über 22.000 Euro), und wir teilen es mit anderen in der Gruppe, die Material brauchen.“

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„Mir gefällt, was ich tue“
Nachdem er Jahre im Biathlon verbracht hatte, dann seinen Abschluss gemacht und ein Unternehmen gegründet hatte, das beides vereint, ist auch Jacquelins Leben wie das vieler anderer vom Coronavirus betroffen. „Ich kenne mich besser... Als ich Sport gemacht habe, war ich sehr systematisch und analytisch, sehr professionell... Aber ich war nicht sehr kreativ und habe nicht viel geteilt, weil ich so darauf fokussiert war, ein Spitzenathlet zu werden. An der Uni, als ich Ingenieurwissenschaften studiert habe, bin ich offener geworden und habe Leute kennengelernt, die andere Sachen machen, wie Kunst und Musik. Das hat mir geholfen, kreativer und erfinderischer zu werden. Jetzt habe ich ein gutes Gleichgewicht zwischen Analyse, Kreativität, Systematik, Teilen und dem Erfindungsprozess gefunden... Mir gefällt, was ich tue, ich mag es, wenn ich jemandem ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Egal, ob das mit einem Gewehrschaft ist, mit einem kleinen Teil für einen Pistolengriff, mit Masken oder indem ich behinderten Menschen helfe. Emiliens Weltmeistertitel hat mir geholfen, und meine Diskussionen mit ihm davor, die haben ihm geholfen.

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Das Leben verändert
„Ich habe schon immer Lösungen für Probleme finden und sie mit anderen teilen wollen. Ich habe Sachen für den Sport hergestellt, jetzt das. Ich weiß nicht, wohin mich das am Ende führen wird, aber es hat mein Leben verändert.“

Mehr über Clement Jacquelins Projekt können Sie unter www.athletics3d.com and www.3dchampions.org

Photos: Clement Jacquelin, IBU/Petr Slavik

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