Drei Dinge, die wir bei den IBU Offenen Europameisterschaften gelernt haben

Drei Dinge, die wir bei den IBU Offenen Europameisterschaften gelernt haben

Die IBU Offenen Europameisterschaften 2020 lieferten uns wichtige Lektionen über die Biathlonfamilie und in Sachen Beharrlichkeit. Obendrein wurden die ersten kleinen Kristallkugeln der Saison vergeben.

Drei Dinge, die wir bei den IBU Offenen Europameisterschaften gelernt haben
Drei Dinge, die wir bei den IBU Offenen Europameisterschaften gelernt haben

1. Heimmannschaft Weißrussland und die Biathlonfamilie

Auch bei der diesjährigen IBU OEM zeigte die Heimmannschaft sich dem Druck gewachsen, war an jedem Tag vorn mit dabei und sahnte vor den Augen ihrer begeisterten Fans Medaillen ab. Anton Smolski und Dzinara Alimbekava gewannen die Qualifikationsrennen für die Supersprints. Keiner der beiden konnte in den Finalläufen eine Medaille gewinnen, dafür holte Sergey Bocharnikov im Supersprint der Männer Gold. Die gemischte Staffel lag zweitweise in Führung und verpasste das Podest mit einem 4. Platz nur knapp. Am Sprinttag gab es wieder Edelmetall, als Iryna Kryuko mit einer Bronzemedaille im Sprint der Frauen das vollbesetzte Stadion zum Toben brachte. Unvergleichlich war der Sonntag: Bocharnikov gewann mit einem überragenden Auftritt in der Verfolgung der Männer seine zweite Goldmedaille und machte damit den Anfang. Zwei Stunden später gewann Elena Kruchinkina Gold in der Verfolgung der Frauen, für sie der erste Podestplatz und auch erst das zweite fehlerfreie Schießen in ihrer 10-jährigen Biathlon-Karriere. Fazit: Weißrussland steht mit drei Goldmedaillen und einer Bronzemedaille auf Platz eins im Medaillenspiegel.

Die IBU OEM wurde in letzter Minute nach Minsk-Raubichi verlegt, weil Otepää die Wettkämpfe mangels Schnees nicht ausrichten konnte. Innerhalb weniger Tagen zauberte das Organisationskomitee in Minsk, das schon mit den Vorbereitungen für den letzten IBU Cup der Saison beschäftigt war, eine volle Woche früher als geplant die gesamte Infrastruktur für vier zusätzliche Wettkampftage aus dem Hut, einschließlich Unterkünften, Transport, Freiwilligen, Stadion und Strecken. Für die Strecken, das Stadion und die Schneelager produzierten sie so viel zusätzlichen Kunstschnee wie Schneekanonen hergaben. Nicht nur konnten so die Rennen tatsächlich stattfinden, sondern die lokalen Fans strömten auch jeden Tag in Scharen ins Stadion, sodass auch die Atmosphäre einer Meisterschaft würdig war. Diese außerordentliche Leistung und die erfolgreich ausgerichtete IBU OEM verdienen größten Respekt und Dank; sie sind ein Zeugnis dessen, wie gut die Biathlonfamilie zusammenarbeitet.

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2. Beharrlichkeit zahlt sich für Bocharnikov und Hoegberg aus
Zwei 33-jährige Biathlon-Veteranen erteilten uns eine Lehre in Sachen Beharrlichkeit.

Sergey Bocharnikov hatte noch nie zuvor bei den IBU OEM eine Einzelmedaille gewonnen, und sein bestes Ergebnis im BMW IBU Weltcup war vor zwei Jahren ein 17. Platz in der Verfolgung von Oberhof. Bei den Europameisterschaften im letzten Jahr in Minsk verfehlte er mit einem 5. Platz im Sprint und einem 4. Platz in der Verfolgung das Podest nur knapp. Nach seinem 17. Platz in der Supersprint-Qualifikation traf er dann im Supersprint-Finale alle Scheiben und fegte wie ein Besessener über die letzten 100 Streckenmeter, um sich seine erste Goldmedaille in seinem Heimstadion zu sichern. Er erklärte, kein guter Sprinter zu sein und sich in den Medaillenkämpfen bei der IBU WM in der Vorwoche strategische Schachzüge von den ganz Großen abgeschaut zu haben. „Ich habe versucht, nach links zu gehen, um in einer besseren Position zu sein, damit Adam (Vaclavik) keine Chance zum Überholen hat. Ich habe mir das bei Johannes, Fourcade und Emilien Jacquelin in Antholz abgeschaut. Das ist eine gute Strategie, um als Erster ins Ziel zu kommen.“ Bocharnikov übertraf sich in der Verfolgung mit einer weiteren brillanten Leistung selbst und räumte noch eine zweite Goldmedaille ab. Im Zielkorridor reichte man ihm eine Flagge. Er sagte „Das hatte ich noch nie gemacht, aber schon oft gesehen.“ Er hatte den Dreh schnell raus und feierte vor tausenden heimischen Fans einen Traum, der in Erfüllung ging.

Drei Dinge, die wir bei den IBU Offenen Europameisterschaften gelernt haben

Dann war da noch Elisabeth Hoegberg, zweifache schwedische Olympiasiegerin und fünfmalige IBU WM-Starterin mit 175 BMW IBU Weltcup-Starts auf dem Kerbholz, die noch nie bei Meisterschaften eine Einzelmedaille gewonnen hatte. Nach einer Saison mit nur wenigen Weltcupstarts und kurzer Krankheit im Januar kehrte sie in Martell in den IBU Cup zurück und gewann kurz vor Minsk das Doppel aus Sprint/Verfolgung. Im Supersprint-Finale reichte es nur für einen enttäuschenden 7. Platz, und im Sprint der Frauen ging gleich der erste Schuss im Liegendanschlag daneben. Plötzlich ging es nur noch „um eine Top-10-Platzierung als gute Basis für den Verfolger.“ Dann schlug allerdings das Schicksal zu, denn die erfahrene Schwedin traf im Stehendanschlag alle Scheiben, während die größten Rivalinnen verfehlten, und so reichte es doch für eine Goldmedaille bei der IBU OEM. In der Verfolgung am Sonntag führte sie über lange Strecken, bis zwei Schießfehler im letzten Stehendschießen sie auf den Bronzerang zurückwarfen. „Zwei Medaillen sind mehr, als ich hier je erwartet hatte... Das ist großartig... Ich habe mich in den letzten zwei Wochen besser gefühlt. Ich hatte das Gewehr für ein paar Wochen in die Ecke gestellt und schieße seitdem gut... Eine Trainerin hat zu mir gesagt, dass ich so gut reife wie ein französischer Wein!“

Drei Dinge, die wir bei den IBU Offenen Europameisterschaften gelernt haben
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3. Erste Kristallkugeln vergeben
In den Minsker Rennen wurden schon einige IBU Cup-Disziplintitel vergeben: Supersprint, gemischte Staffel, Einzel und Verfolgung. So konnten mehrere Athletinnen und Athleten ihre kleinen Kristallkugeln in einem großen Stadion vor großem Publikum in Empfang nehmen.

Die erste Kristallkugel der Saison ging an den Norweger Lars Helge Birkeland und den Russen Said Karimulla Khalili, die punktgleich den Titel in der Supersprint-Wertung der Männer im IBU Cup holten. Die norwegische Mannschaft holte sich nach Gold und Bronze in der Single-Mixed- und der normalen gemischten Staffel am Donnerstag mit 264 Punkten den Titel in der Wertung Gemischte Staffel im IBU Cup. Noch zwei weitere Kristallkugeln gingen nach Norwegen, als Endre Stroemsheim die Einzelwertung und die Verfolgungswertung der Männer im IBU Cup für sich entschied.

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Bei den Frauen gingen zwei Titel nach Schweden und einer nach Deutschland. Die Supersprint-Wertung der Frauen im IBU Cup ging an die Schwedin Ingela Andersson. Stephanie Scherer aus Deutschland gewann die Einzelwertung der Frauen im IBU Cup. Die Bronzemedaillengewinnerin der IBU OEM Verfolgung Hoegberg konnte mit dem Sieg in der Verfolgungswertung der Frauen im IBU Cup in Minsk einen weiteren Erfolg verbuchen.

Die Entscheidungen über die verbleibenden Titel in den Disziplin- und Mannschaftswertungen im IBU Cup fallen in dieser Woche im letzten IBU Cup der Saison, ebenfalls in Minsk-Raubichi.

Photos: IBU/Christian Manzoni

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