„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

In Schweden gab es nicht wie in vielen anderen Ländern weitreichende Ausgangssperren, sodass es für Sebastian Samuelsson „ein fast normales Frühjahr“ war. Er trainiert fast ausschließlich in Östersund, und sein wichtigstes Ziel in diesem Jahr ist, sein Schießen zu verbessern.

„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

Nach zwei Monaten: „Neun von zehn Punkten“

Samuelsson, der in der ersten Maiwoche wieder ins Training eingestiegen ist, hat jetzt zwei volle Trainingsmonate hinter sich. „Ich bin sehr zufrieden. Die Vorbereitung ist nur ein bisschen ungewöhnlich gewesen, weil wir keine Trainingslager hatten.“ Gerade hat er einen dreieinhalbwöchigen Trainingsblock mit zwei Testrennen abgeschlossen, und sagt mit einem verschmitzten Grinsen: „Die sind sehr gut gelaufen, aber die Ergebnisse darf ich nicht verraten.“ Zum ersten Teil der Trainingssaison sagt er: „Ich würde mir als Trainer neun von zehn Punkten geben. Alles ist gut gelaufen. Ich bin gesund und ich habe mich nicht verletzt. Ich habe alles getan, was ich tun wollte. Es ist mit der beste Trainingseinstieg, den ich je hatte.“

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„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

Motiviert nach enttäuschender Saison

Er gesteht, dass ein gutes Frühjahr nach einer enttäuschenden Saison 2019/20 wichtig war. „Ich glaube, das brauchte ich jetzt. Die letzte Saison war nicht so, wie ich erwartet oder gehofft hatte... Ich war nicht so recht in Form und hatte am Ende der Saison nichts mehr, wofür es sich zu kämpfen lohnte. Ich habe einfach nur versucht, ein paar gute Rennen zu machen und das richtige Gefühl beim Schießen zu finden. Ich glaube, die zusätzliche Erholungszeit habe ich gebraucht... Beim Trainingseinstieg in diesem Jahr war ich sehr motiviert zu zeigen, dass ich ein besserer Athlet bin als in der vergangenen Saison. Zu sehen, dass das jetzt gut läuft, gibt mir das Selbstvertrauen, mich in den nächsten Monaten noch mehr zu verbessern.“

„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

Verbesserung braucht Zeit

Der Dreh- und Angelpunkt seiner Verbesserungspläne sind bessere Schießleistungen, auf die er seit dem letzten Sommer hinarbeitet. „Ich habe mich im letzten Jahr mit meinem Schießen (im Training) schon gut geschlagen. Ich habe viel verändert und versucht herauszufinden, was ich tun muss, um besser zu schießen. Ich glaube, ich habe ganz naiv gedacht, dass ich ein paar Dinge verändere, das ganz schnell lerne (und dann bessere Resultate einfahre). Es war schwieriger, als ich dachte. In diesem Jahr wusste ich von Anfang an, was ich erreichen wollte und hatte einen Plan. Ich glaube, das zusätzliche Jahr wird sich auszahlen.“

„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

„So schnell wie Hofer“

In diesem Frühjahr arbeitet Samuelsson auch daran, schneller in den Anschlag zu kommen, um ein paar wertvolle Sekunden zu gewinnen. „Ich habe eine neue Art geübt, meine Waffe abzusetzen. Peppe Femling aus unserer Mannschaft kann das echt gut. Ich habe mir ein Video von ihm angeschaut und versucht, das nachzumachen. Das ist eine Sache, die ich gemacht habe, als ich in diesem Frühjahr mehr Zeit hatte. Lukas Hofer ist mit seiner Methode schwer zu schlagen, aber ich versuche, da ranzukommen.“

Lange zuhause

Ein Unterschied für Samuelsson und seine Mannschafskameraden und -kameradinnen in diesem Jahr war, dass es keine Trainingslager außerhalb Schwedens gab. „Bis jetzt fehlt es mir nicht. Bislang ist es einfach schön, zuhause zu sein. Es ist schon viele Jahre her, dass ich so viele Tage zuhause war. Wenn es September, Oktober wird und die Saison näher rückt, dann werden für Trainingslager auch wegfahren müssen. Ich hoffe, dass das dann geht.“

Auch wenn sich der 23-Jährige freut, in diesem Sommer viel zuhause zu sein, ist die Gleichförmigkeit der Tage manchmal doch schwer zu ertragen. „Man muss wirklich ein Auge darauf haben, welcher Tag heute ist, damit man auch weiß, was man machen muss. Wir haben versucht, auch mal anderswo zu trainieren. Letzte Woche waren wir in Åre. Das ist nur 100 km von Östersund entfernt, aber einfach nur zwei oder drei Tage weg zu sein, gibt einem gleich ganz neuen Schwung.“

„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

Routine: Und noch so ein Tag...

Die tägliche Routine zuhause ändert sich kaum. „Ich stehe um sieben auf und bin um kurz nach acht am Schießstand. Ich brauche dahin ungefähr 10 Minuten mit dem Auto. Um 08:15 Uhr beginnen wir mit dem Anschießen, dann folgt normalerweise eine Einheit auf den Skiroller-Strecken, Intervalle oder Langstrecke. Um 12 gibt es Mittagessen, danach dann eine Nachmittagseinheit zwischen drei und vier Uhr. Dann gibt es Abendessen und wir bereiten uns auf einen neuen Tag vor. So geht es immer weiter. Manchmal wacht man morgens auf, ist unglaublich müde und die Beine sind schwer, und dann will man einfach nur eine Einheit nach der anderen abspulen. Dann bringt man beide hinter sich und stellt fest, dass danach ja wieder ein Trainingstag folgt...“

„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

* „Alpen in der Wohnung“*

Der olympische Silber- und Goldmedaillengewinner von 2018 hat sein Trainingsrepertoire in diesem Frühjahr allerdings um eine Facette erweitert: „Ich fahre gern Skiroller, aber auch sehr gern Rennrad. In diesem Jahr habe ich in einen neuen Fahrradtrainer investiert und fahre fast nur noch drinnen Rennrad. Östersund ist ganz flach und sehr windig. Jetzt wähle ich bei Zwift einfach die Alpen aus. Dann habe ich die Alpen direkt in meiner Wohnung, das ist echt klasse! Bevor ich den Trainer gekauft habe, habe ich gedacht, dass das langweilig wird, aber es hat tatsächlich Spaß gemacht, in der virtuellen Welt Rennrad zu fahren! Es sind viele andere Rennradfahrer unterwegs, und man kann versuchen, sich an sie dranzuhängen. Ich würde trotzdem gern wieder in den Alpen fahren. In echt sind sie doch besser als in meiner Wohnung.“

Kurzer Sommer

In Schwedens kurzen Sommern ist das Training eine Herausforderung. „An machen Tagen machen wir 90 Minuten Training mit viel Steigungen und Abfahrten, und es regnet. So, als wollte es nie wieder aufhören. Da lernt man die heißen und sonnigen Tage zu schätzen. Man fährt direkt vom Training an den Strand, um schwimmen zu gehen, weil es zwar ein schöner Tag ist, weil es aber eben auch der letzte Sommertag sein könnte. Bislang ist es ein guter Sommer gewesen. Im Mai hat es nicht mehr geschneit!“

„Ein fast normales Frühjahr“ für Sebastian Samuelsson

Stina Nilssons positive Energie

Die jetzige schwedische Mannschaft trainiert seit über fünf Jahren zusammen. Mit der Langlauf-Olympiasiegerin Stina Nilsson ist nun ein neues Gesicht mit einer neuen Einstellung hinzugestoßen. „Für sie ist alles neu, das spornt auch mich an. Ihr macht jede Schießeinheit Spaß. Wir, die wir schon seit Jahren schießen, fahren zum Schießen. Sie kommt da mit ihrer ganzen positiven Energie an, die uns eine ganz neue Perspektive eröffnet. Ihre Begeisterung ist ansteckend.“

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Positive Auswirkungen

Samuelsson glaubt, dass die Reisebeschränkungen aufgrund der Corona-Krise und das daraus resultierende Training zuhause auch positive Auswirkungen haben könnten. „Vielleicht stellen wir rückblickend Effekte dieser Pandemie fest, auf die wir noch nie gekommen waren. Wir sind nicht in vielen Trainingslagern gewesen, und die meisten von uns haben es genossen, mehr zuhause zu sein. Mit dem Training hat es gut geklappt. Am Anfang haben wir gedacht, dass wir im Juni sicher enttäuscht sein würden, wenn wir bis dahin nur in Östersund trainieren können. In Zukunft wird man sich das anschauen und sagen, ‚Ist es wirklich nötig, so viele Tage unterwegs zu sein?‘ Wenn man über die Auswirkungen auf die Umwelt und solche Dinge nachdenkt, stellt man vielleicht fest, dass es eigentlich nicht wirklich nötig ist, nach Kreta zu fliegen, um Rennrad zu fahren. Ich denke, wir werden auch einige positive Auswirkungen sehen, wenn das alles vorbei ist.“

Photos: IBU/Evgeny Tumashov, Jerry Kokesh, Sebastian Samuelsson, Svenska Skidskytteförbundet/Nicklas Olausson, Hakan Blidberg

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