Ein Tag im Leben von Amy Baserga

Ein Tag im Leben von Amy Baserga

Wir stellen vor: Amy Baserga!

Das 18-jährige Talent ist eine der größten Schweizer Hoffnungen auf eine Medaille bei der nächsten Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften auf heimischem Boden. Das hat nicht mit ihren letzten Rennergebnissen zu tun: Bei den Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften 2019 in Osrblie zeigte Baserga eindrucksvoll, was in ihr steckt. Die junge Schweizerin gewann Silber im Sprint und legte mit Gold in der Verfolgung am nächsten Tag gleich noch mal nach - beides in der Jugendklasse. Jetzt konzentriert sie sich auch den vielleicht wichtigsten Wettkampf ihrer Karriere: Die JJWM 2020. In Lenzerheide, der Arena, in der die Meisterschaften ausgetragen werden, gewährt sie uns einen Einblick in ihre Vorbereitung.

Ein Tag im Leben von Amy Baserga

Der Wecker klingelt um 07:10 Uhr. Zeit aufzustehen für Baserga, die in Lenzerheide lebt, etwa 500 Meter vom Stadion entfernt. Bedingungen, von denen man als Biathlet nur träumen kann. Heute steht eine Rennradtour mit der Schweizer Mannschaft auf dem Plan, gefolgt von Schieß-Einzeltraining. Die erste Trainingseinheit beginnt um 08:30 Uhr. „Ich frühstücke Schweizer Müsli, dann packe ich meinen Rucksack und scrolle noch mal durch die Social-Media-Kanäle, bevor ich mich auf den Weg in die Biathlon-Arena mache“, sagt die 18-Jährige über ihren Start in den Tag.

Richtung Chur-Thusis

Nachdem sich alle Juniorinnen und Seniorinnen der Schweizer Mannschaft in der Biathlon Arena Lenzerheide eingefunden haben, machen sie sich auf den Weg. Zusammen mit Elisa Gasparin, Aita Gasparin und Lena Häcki fährt Baserga die schwerere Strecke Richtung Chur-Thusis, während die anderen Frauen eine leichtere Route angehen. „Ich habe mir die schwerere Strecke ausgesucht, weil ich einfach gern Rennrad fahre, und ich kann es auch ganz gut“, scherzt Baserga.

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Sie erzählt, dass sich die Frauen auf der dreieinhalbstündigen Fahrt meist unterhalten, über alles Mögliche. „Auf diesen langen Touren haben wir manchmal auch technische Probleme. Wir hatten einen Platten. Da brauchte es ein bisschen Frauenpower, den zu reparieren und wieder loszukommen“, so Baserga. Die Mannschaft fährt eine Runde über Alvaschein nach Chur-Thusis und dann zurück nach Lenzerheide.

Erholung

Nach der Fahrradtour geht die ausgehungerte Baserga im Bualino essen, einem kleinen Restaurant direkt an der Biathlon Arena. Das Essen dort, so versichert die zweifache Schweizer Juniorenmeisterin, ist fantastisch. „Nach dem Mittagessen lege ich mich meist eine halbe Stunde lang hin. Danach geht es zur Physiotherapeutin zu Massage und Erholung. So ist man dann bis zur zweiten Trainingseinheit am Nachmittag wieder fit. Ich bin Bianca Görner ausgesprochen dankbar. Sie macht ihre Sache fantastisch. Während ich dort bin, rede ich mit ihr über den Tag und darüber, was in letzter Zeit passiert ist, weil ich sie nicht mehr gesehen habe, seitdem meine Verletzung aus dem Dezember letzten Jahres verheilt ist“, erklärt Baserga. Ihre Medaillen in Osrblie im Frühjahr waren für die Schweizerin eine Überraschung gewesen, weil sie im letzten Herbst mit Fußproblemen zu kämpfen gehabt hatte.

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Zielen üben

Nach dem Besuch bei der Physiotherapeutin ist es Zeit für das Nachmittagstraining. Für Baserga steht Schieß-Einzeltraining auf dem Programm, eine willkommene Erholung nach der morgendlichen Einheit. Das Training beginnt mit SCATT, einem optischen Sensor, der an der Waffe angebracht und mit einer Software zusammengeschaltet wird. So bekommt die Schützin sofort detailliertes visuelles Feedback zum Zielen, gefolgt von Wettschießen mit den Mannschaftskameradinnen.

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„Der optische Sensor liefert mir wichtige Informationen zu meinem Schießen. Es zeigt mir, wo die Fehler liegen, und ich lerne daraus. Das Wettschießen ist witzig und ein guter Ausgleich zu der ganzen harten Arbeit, die wir im Vorlauf zur Saison absolvieren. Ich bin aus unserer Mannschaft nicht die Beste am Schießstand, und ich bin ein ganz guter Verlierer. Davon abgesehen bin ich aber schon ehrgeizig.“

Bis zur JJWM 2020 sind es nur noch vier Monate, und Baserga kann ihre Aufregung kaum verbergen, wenn sie daran denkt, wie es sein wird, wieder hier zu sein, aber mit mehr Druck und Nervosität.

„Wenn ich hier bin, denke ich an den Winter und die JJWM. Ich male mir verschiedene Szenarien aus, aber für mich persönlich ist es auch wichtig, nicht zu viel darüber nachzudenken, um mir nicht zu viel Druck zu machen“, so Baserga weiter.

Kochen zuhause und Zeit zum Nachdenken

Nach einem anstrengenden Trainingstag kocht Baserga mit ihrer guten Freundin und Mannschaftskameradin Annatina Bieri ein gesundes Abendessen, um den Tag ausklingen zu lassen. „Wir haben Couscous mit Peperoni, Möhren, Tomaten und Avocado gemacht, und dann gab es Obst zum Nachtisch. Ich bin kein Profikoch, aber das meiste, was ich koche, ist lecker. Es macht Spaß, in Gesellschaft und bei guter Musik zu kochen“, sagt die Schweizerin.

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Auf die Frage nach ihren Zielen für die JJWM 2020 hält sich die junge Schweizerin noch bedeckt, freut sich aber darauf, zuhause vor Freunden und ihrer Familie anzutreten:

„Mein Ziel ist es, gute Rennen zu laufen. Es ist die erste JJWM in der Schweiz und es toll zu wissen, dass man das Publikum hinter sich haben wird. Und dass das Stadion für mich praktisch nebenan ist, ist definitiv ein Vorteil“, sagt die Schweizer Nachwuchshoffnung mit Blick auf das nächste Jahr.

Nach dem Abendessen treffen sich Baserga und Biere mit zwei weiteren Schweizer Juniorinnen und beschließen den Tag auf einem Stadtfest in Lenzerheide.

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