Ein Tag im Leben von… Clare Egan

Ein Tag im Leben von… Clare Egan

Die vergangene Saison war eine besondere für Clare Egan. Nach den Spielen von Pyeongchang rang die Amerikanerin mit dem Gedanken an einen Rücktritt, um dann zur Form ihres Lebens aufzulaufen und sich im Wintersport-Mekka Holmenkollen zum Saisonende den ersten Podestplatz ihrer Karriere zu sichern. Die 31-Jährige aus Maine ist nach einer Reihe von Trainingslagern im Ausland gerade in die Staaten zurückgekehrt und verrät uns, wie Sommerbiathlon an der US-Ostküste aussieht.

Eine Athletin zu sein bedeutet viel harte Arbeit, aber es ist auch ein Privileg, einen starken, gesunden Körper zu haben und ein Geschenk, wenn man ihn nutzen kann.

In dieser Woche bin ich mit der US-Frauen-Nationalmannschaft in einem Trainingslager in Craftsbury, im Bundesstaat Vermont. Wir sind im Craftsbury Outdoor Center untergebracht, einem Hotel und Trainingszentrum, welches ein Team von Elite-Langläufern und -Biathleten namens „Green Racing Project“ sponsert. Ich habe hier zwischen 2011 und 2014 vier Jahre als Skilangläuferin gelebt und trainiert, es fühlt sich also für mich an wie nach Hause kommen.

Wenn ich nicht im Trainingslager bin, schlafe ich gerne aus und trainiere gegen 10:00 Uhr, aber während der Trainingslager mit der Mannschaft geht es meistens schon um 08:30 Uhr los. Ich stehe um 07:15 Uhr auf und zum Frühstück gibt es Haferbrei und Tee. Was ich am Craftsbury Outdoor Center besonders mag, ist das leckere Essen. Alles ist bio und regional. Und ich muss nicht einkaufen und kochen!

Heute Morgen haben wir eine lange (3,5 Stunden) Wanderung gemacht. In dieser Woche ist eine Trainingspartnerin aus dem Ausland dabei, Johanna Talihärm aus Estland, die seit einigen Sommern mit dem Green Racing Project trainiert. Es kommen nicht viele ausländische Biathleten in die USA, wir können uns also glücklich schätzen, mit Johanna trainieren zu können!

Ein Tag im Leben von… Clare Egan

[Von rechts nach links: Susan Dunklee, Clare Egan, Johanna Talihärm (Estland) auf dem Mount Pisgah mit Blick auf den Lake Willoughby.]

Nach der Wanderung waren wir im Lake Willoughby schwimmen und sind dann zum Mittagessen nach Craftsbury zurückgefahren. Normalerweise mache ich keinen Mittagsschlaf, aber heute habe ich eine halbe Stunde geschlafen. Ich fotografiere jedes Bett, in dem ich schlafe, und am Ende des Winters veröffentliche ich alle Bilder auf meinem Blog, damit meine Fans eine Vorstellung davon bekommen, wie es ist, über 200 Tage im Jahr zu reisen. (Mein Bett-Blog 2018-2019 findet ihr hier.)

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Vor der Nachmittagseinheit erledige ich einige Dinge in meiner Funktion als Vorsitzende des IBU-Athletenkomitees. Ich denke permanent darüber nach, wie ich die Situation der Athleten weiter verbessern kann. In dieser Woche fasse ich die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Frühjahr zusammen, führe einige Telefonate und bereite mich auf die Vorstandssitzung nächstes Wochenende in München vor, an dem ich persönlich teilnehmen werde. Manchmal bin ich etwas überfordert davon, die beste Athletin und auch die beste Athletensprecherin sein zu wollen, aber meistens finde ich die Arbeit spannend und bereichernd. Außerdem verbringe ich so viel Zeit damit, meinen Körper zu trainieren, dass es ein guter Ausgleich ist, manchmal auch meinen Kopf zu benutzen!

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[Es gibt immer etwas zu tun!]

Dann geht es ans Krafttraining. Heute haben wir in Susan Dunklees Garten an unserer Tiefenmuskulatur gearbeitet. Sie hat ein Haus in Craftsbury und 40 Blaubeersträucher voller reifer Beeren, das ist eine nette Belohnung nach der Krafteinheit.

Ein Tag im Leben von… Clare Egan
Ein Tag im Leben von… Clare Egan

Vor dem Abendessen schießen wir noch zusammen. Heute haben wir im Detail daran gearbeitet, wie man bei Staffeln den Nachlader lädt. Wie macht man das? Wie schnell geht das? Was ist der schnellste und präziseste Weg? Wir vergleichen unsere verschiedenen Techniken und nutzen eine Stoppuhr, um die beste Technik zu finden. Solche Details können in einer Staffel viel ausmachen.

Endlich ist der lange Trainingstag vorbei und es ist Zeit für einen Grillabend am See. Auf der Speisekarte stehen heute gegrillte Burger, frische Salate und viele verschiedene Nachtische, darunter die berühmten amerikanischen „s‘mores“: Marshmallows, die über dem Lagerfeuer geröstet und dann mit einem Stück Schokolade zwischen zwei Kekse, „Graham Crackers“, gesteckt werden. Beim Grillabend war nicht nur die Nationalmannschaft dabei, sondern die ganze Skimannschaft vom Green Racing Project. Das sind sehr viele sehr hungrige Athleten!

Ein Tag im Leben von… Clare Egan

Eine Athletin zu sein bedeutet viel harte Arbeit, aber es ist auch ein Privileg, einen starken, gesunden Körper zu haben und ein Geschenk, wenn man ihn nutzen kann.

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