Ein Tag im Leben von Elvira Oeberg 

Ein Tag im Leben von Elvira Oeberg 

Elvira Oeberg hat sich nach ihrem Schulabschluss gerade in ihrer neuen Wohnung in Östersund eingelebt und kann sich nun ganz auf Biathlon konzentrieren. „Ich habe gerade die Schule abgeschlossen und kann jetzt 100 % meiner Zeit trainieren. Das ist echt großartig.“

07:00 Uhr. Ein Schnelles Frühstück
Auch wenn sie mitten in einem Mini-Trainingslager steckt, steht sie zu ihrer gewohnten Zeit auf, „so gegen sieben. Ich ziehe mich schnell an und mache mir Frühstück, meist Joghurt mit Müsli und Toastbrot mit Käse. Manchmal trinke ich Kaffee, aber nicht immer. Das kommt ganz darauf an, wie ehrgeizig ich an dem Morgen bin. Ich trödle nicht gern lange herum, bevor ich zum Training fahre.“

Ein Tag im Leben von Elvira Oeberg 

Mit der Waffe auf Skirollern zum Training​Oeberg wohnt praktischerweise in der Nähe des Stadions und kann auf zwei Rädern dorthin fahren. „Für den Morgen stand Kombitraining Skiroller und Schießen auf dem Plan. Ich habe mir also vor der Wohnung die Skiroller angezogen, mir die Waffe angeschnallt und bin zum Stadion gefahren. Ich brauche ungefähr 15 Minuten für den Weg.“ An anderen Orten würde man vielleicht komische Blicke ernten, wenn man mit einer Waffe auf dem Rücken auf Skirollern die Straße entlangfährt, aber nicht in der Stadt, die gerade die IBU Weltmeisterschaften 2019 ausgerichtet hat. „Ich glaube, die Leute sind das gewohnt, weil ich nicht die Einzige bin, die das macht. Aber ich muss schon sagen, dass manche Leute doch zweimal hinschauen!“

Sommertag bei 20 °C
Das Morgentraining an einem für Östersund schon sommerlichen Tag (immerhin 20 Grad) verlief so wie an jedem anderen Tag auch. „Erst haben wir angeschossen, dann standen längere Skating-Intervalle mit Schießen an. Es gab mehrere Blöcke. Eine Stunde lang haben wir uns auf die Skitechnik konzentriert, im zweiten Block mehr auf das Schießen. Jedes Mal, wenn wir zum Schießen kamen, waren noch andere am Schießstand, wie im Winter eben auch, sodass wir auch trainieren, uns nicht ablenken zu lassen. Bis wir fertig waren, hatte die ganze Einheit etwa zweieinhalb Stunden gedauert.“

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Luxus-Lunch
Ein Trainingslager zuhause bedeutet für Oeberg und ihre Mannschaftskameradinnen auch etwas Luxus. „Nach dem Training habe ich zuhause geduscht und bin mit dem Fahrrad wieder losgefahren, weil wir im Restaurant im Arctura (dem Turm beim Stadion) zu Mittag essen. Die Trainer bestimmen nicht den Speiseplan, aber das Essen ist richtig gut. Ich hatte Spaghetti Carbonara und ganz viele verschiedene Sorten Salat. Wir werden ganz schön verwöhnt...“

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Mittagsschlaf
Nur sanft bergab geht es auf dem Heimweg für die 20-Jährige, die bei der IBU JJWM 2018 drei Goldmedaillen gewann. „Nach dem Mittagessen fahre ich nach Hause und falle so schnell wie es geht aufs Bett, um meinen Mittagsschlaf zu machen! Ich schlafe mittags genau 30 Minuten, denn wenn ich mir den Wecker nicht stellen würde, würde ich erst 5 Stunden später wieder aufwachen!“ 

„Nach dem Mittagsschlaf esse ich einen kleinen Snack, um vor der zweiten Einheit noch einmal Energie zu tanken. Mittagessen, Schlafen, und dann wieder essen, so sieht das Programm aus. Heute gab es Joghurt mit Beeren und Toast mit einem Ei drauf.“

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Laufen, Schießen und Krafttraining: „Echt hart“
Bei der Nachmittagseinheit wurden vom wöchentlichen Pensum von 25 Stunden noch einmal zwei absolviert. „Beim Nachmittagstraining standen Schießen und Laufen kombiniert mit einigen Stationen für Krafttraining an. Es ist anders als das, was wir mit Wolfgang (Pichler) gemacht haben, aber es ist immer noch echt hart. Wir trainieren kein bisschen weniger als bei ihm. Mein Schießen war heute am Anfang nicht besonders gut. Ich habe einige Anpassungen an meiner Waffe vorgenommen, und sogar noch einige während der Trainingseinheit. Ich versuche, diesen entspannten Anschlag zu finden, selbst bei einem Wettkampf-Puls. Am Ende war es deutlich besser.“

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Die jüngere Oeberg-Schwester hofft, dass sie bei ausdauernd hartem Training irgendwann an ihrer Schwester Hanna, der Olympiasiegerin und IBU-Goldmedaillen-Gewinnerin, vorbeiziehen kann. „Es stehen jetzt für ein paar Jahre keine Winterspiele an (bei denen man Hanna ausstechen könnte)... Ich habe mich in letzter Zeit wirklich gut entwickelt. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich besser werden kann als sie. Das ist mein Ziel, und ich halte es nicht für unrealistisch... Gestern waren Hanna und ich zum ersten Mal in diesem Jahr gleichzeitig zuhause. Die ganze Familie war zum Abendessen da, die gesamte Verwandtschaft. Natürlich sind alle sehr stolz (auf Hanna).”

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Abendessen und Backen
Sobald das Training zu Ende ist, „ist vom Tag nicht mehr viel übrig. Ich bin mit dem Fahrrad nach Hause gefahren. Ich habe kein Auto, also sind das Fahrrad und meine Skiroller meine wichtigsten Fortbewegungsmittel. 

Abends gibt es noch einmal Essen und ich habe Zeit für eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: Backen. „Nach einer schnellen Dusche habe ich Abendessen gemacht: Kartoffeln, Lachs und Salat. Ich glaube, ich bin eine ziemlich gute Köchin. Ich koche gern, und ich backe noch viel lieber. Anders als bei vielen anderen Leuten macht mir das Backen am meisten Spaß. Ich backe gern für andere (und nasche selbst auch ein bisschen). Abends backe ich entweder oder schaue Fernsehen.“

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Nie dunkel, aber trotzdem 9 Stunden Schlaf.​Der Vorteil und Nachteil von Schweden im Sommer ist, dass die Tage so lang sind, aber das hat kaum Auswirkungen auf Oebergs Schlafpensum. „Die Sonne steht ja nicht die ganze Zeit am Himmel, aber es wird auch nie dunkel. Man braucht sehr gute Rollläden für seine Fenster, aber ich schlafe trotzdem gut. Meist schlafe ich ohne Problem ein, so gegen zehn. Ich brauche meine neun Stunden!“

Photos: IBU, Elvira Oeberg

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