Ein Tag im Leben von ... Grete Gaim

Ein Tag im Leben von ... Grete Gaim

Wenige Tage vor den Estnischen Sommermeisterschaften gewährte Grete Gaim uns einen Einblick in ihr Trainingstagebuch, in dem sie vom ersten Auswärts-Trainingslager der Mannschaft und den ersten Trainingstagen danach zuhause berichtet. Die Routine der IBU Jugend-Verfolgungsweltmeisterin aus dem Jahr 2012 ist ganz ähnlich wie die der meisten Biathletinnen im BMW IBU Weltcup: Sie trainiert zuhause solo und mit der Mannschaft in Trainingslagern, und in der ewigen Routine aus Trainieren, Essen und Schlafen werden aus Tagen Wochen und aus Wochen Monate.

*Nach Vuokatti *

Wie viele andere Mannschaften hat auch die estnische Mannschaft wegen der Corona-Epidemie ihre Pläne für den Sommer drastisch anpassen müssen. Es gab keine Trainingslager im Ausland, nur einen langen Frühling und Sommer mit Trainingslagern zuhause in Otepää. Mitte August ging es dann aber endlich wieder auf Reisen, nach Vuokatti in Finnland für einen Tapetenwechsel. Gaim erzählt: „Wir haben das Auto genommen, sind mit der Fähre übergesetzt und dann noch sechs Stunden gefahren. Es ist gar nicht so weit weg, aber die Strecken sind anders als bei uns zuhause. Unser Plan war, im Skitunnel Ski zu laufen und die guten Skirollerstrecken zu nutzen, vor allem den berühmten Hügel von Vuokatti. Ich konnte es gar nicht erwarten, endlich wieder auf Skiern zu stehen!“

Ein Tag im Leben von ... Grete Gaim

10 Tage: Müder Kopf, müder Körper

Bei mäßigen Temperaturen, Sonne und ein paar Regenschauern verbrachten die Estinnen 10 Tage im finnischen Trainingszentrum. „Es gibt nur eine Sache, die besser ist, als Skiroller zu fahren: Wieder auf Schnee zu stehen ... Meine Lieblings-Workouts in dieser Woche waren die ersten Trainingseinheiten am Anstieg: Fünfmal den Vuokatti-Hügel hoch und das Testrennen am Ende des Trainingslagers ... Das Trainingslager ist gut gelaufen: Viele Trainingsstunden, Intervalle, Skilaufen auf Schnee, am Ende ein müder Kopf und ein müder Körper ... Es war hart, aber es hat sich gelohnt!“ Nach einer letzten Trainingseinheit war es Zeit, wieder ins Auto zu steigen und nach Hause zu fahren. „Ich hatte am ersten Tag nach dem Ende des Trainingslagers meinen Ruhetag, also war der Reisetag mein Ruhetag. Das ist natürlich nicht ideal, aber mir ging es gut. Ich bin spät nach Hause gekommen ...“

Ein Tag im Leben von ... Grete Gaim

Wieder zuhause, wieder allein

Nach dem Ende des Trainingslagers und dem „Ruhetag“ im Auto hieß es für die 27-Jährige wieder alleine trainieren. Am ersten Tag war die Stimmung gedämpft. „Ich habe etwas länger geschlafen als sonst, gefrühstückt, ein bisschen ausgepackt und dann eine lange Einheit absolviert. Ich habe mit Skiroller (Skating-)Sprints und Schießeinlagen angefangen und dann zwei Stunden Doppelstockschub drangehängt. Abends dann noch Krafttraining, ins Bett gefallen, ohne Probleme eingeschlafen.

Ein Kickstart für den Tag

Nun steht ein normaler Trainingstag an, den Gaim mit einem vertrauten Kickstart beginnt. „Normalerweise wache ich zwischen halb sechs und viertel nach sieben auf, je nachdem wo ich bin, was ich am Vortag gemacht habe und wie müde ich bin. Meistens (nicht immer) bin ich schon vor dem Frühstück draußen (laufe eine kleine Runde, balanciere auf meiner selbstgemachten Slackline und mache ein paar andere Übungen, Klimmzüge oder sowas). Dann gibt es Frühstück und ich habe ein bisschen Zeit für mich.“

Ein Tag im Leben von ... Grete Gaim

Intervalle und Doppelstockschub

„Heute war Intervall-Laufen am Schießstand dran. Ich habe kein eigenes Auto und auch kein Sponsoren-Auto, also fahre ich mit dem Rad zum Schießstand. Meistens trainiere ich zuhause alleine.“ Ich habe mit ein paar Schießübungen angefangen (wie das so ziemlich jede Biathletin macht), habe mich dann aufgewärmt, bin die Intervalle gelaufen und dann noch ausgelaufen. Die Intervalle waren sehr kurz: 2 x 6 Minuten mit Schießen, aber auch mit hoher Intensität (Level 5). Gleich danach bin ich ins Fitnessstudio an die Doppelstockmaschine gegangen. Zwischen diesen zwei kurzen Intervallen habe ich mit einem SIS Surge Gel Energie nachgetankt, damit bleibe ich auch an diesen harten Tagen fit. Im Fitnessstudio standen kurze Intervalle von maximal 4 x 45 Sekunden auf dem Plan. Vor den Intervallen habe ich mich an der Maschine aufgewärmt, hinterher dann natürlich noch auslaufen.“

Mittagessen, Pause, Massage

Die lange Einheit dauerte den ganzen Morgen. „Zuhause habe ich geduscht und mein Mittagessen gegessen, das ich schon vor dem Training vorbereitet hatte, damit es dann schneller geht (ich bin eben immer hungrig). Heute hat mir das Mittagessen gut geschmeckt. Ich versuche immer, zwischen zwei Trainingseinheiten einen Mittagschlaf zu machen. Pausen sind genau so wichtig wie hartes Training, wenn man erfolgreich sein will. Manchmal schlafe ich auf dem Sofa, so wie heute. Das war herrlich! Als ich wieder wach war, habe ich einen Kaffee getrunken. Dann habe ich mich ein bisschen gedehnt, und dann kam meine Massagepistole von meinem Sponsor Medpoint zum Einsatz. Dehnen und Massage sind eine tolle Kombination!“

Zweimal täglich

Zweimal täglich zu trainieren, das ist für so ziemlich jeden Weltklasse-Sportler in jeder Sportart die Norm. Insbesondere im Biathlon ist ein solches Trainingspensum entscheidend. Die Biathlonsaison ist mit ihren über 30 Rennen im Winter lang. Es ist wichtig, dass Kondition und Kraft ausreichen, um vier Monate lang konkurrenzfähig zu sein.

Ein Tag im Leben von ... Grete Gaim

Mit Mannschafskameradinnen im Fitnessstudio

Nach einer weiteren kleinen Zwischenmahlzeit erklärt Gaim: „Ich esse immer etwas vor der zweiten Einheit, nicht nur einen Riegel oder ein Gel. Damit war ich bereit für eine zweite Runde im Fitnessraum. Ich bin die 2 km dorthin gelaufen. Diesmal war ich dort nicht wie sonst alleine. Wir haben mit der Mannschaft trainiert, was außerhalb der Trainingslager eigentlich nie vorkommt, aber zum Glück diesmal eben doch. Es hat gutgetan, zusammen zu trainieren und mehr Tipps vom Trainer zu bekommen. Danach bin ich wieder nach Hause gejoggt und habe meine Muskeln gleich noch mit der Rolle bearbeitet. Dann war es Zeit fürs Abendessen ...“

Sonnenuntergang

Wieder ist ein Trainingstag vorüber. Zum Abschluss habe ich noch den schönen Ausblick von Pühajärve genossen.

Photos: Grete Gaim

Top