Ein Tag im Leben von... Lucie Charvátová

Ein Tag im Leben von... Lucie Charvátová

Hinter Lucie Charvátová liegen 12 ziemlich spektakuläre Monate. Im letzten August gewann sie Gold im Supersprint und Silber im Sprint bei den IBU Sommerbiathlon-Weltmeisterschaften, holte dann grandios Bronze im IBU WM-Sprint in Antholz und bestand zum krönenden Abschluss im Juni ihre BWL-Masterprüfung.

Ein Tag im Leben von... Lucie Charvátová
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Lebensziel und ein Glückstag

Sie selbst spricht mit großer Bescheidenheit über diese Errungenschaften: „Ein Uni-Abschluss ist mein Lebensziel. Ich bin froh, dass ich den Spagat zwischen Sport und Studium geschafft habe. Es ist immer besser, sein Gehirn zwischen den Trainingseinheiten zu nutzen und darüber nachzudenken, was man nach der Sportlerkarriere machen könnte... Ich habe diesen Winter viel Glück gehabt. Manchmal kann ich es gar nicht glauben (Bronze in Antholz), aber ich weiß, dass im Biathlon alles möglich ist. Es war mein Glückstag, das ist alles. Es war der beste Tag meines Lebens...“

Ein Tag im Leben von... Lucie Charvátová

Zuhause

Selbst nach so vielen Höhepunkten in nur 10 Monaten folgt Charvátovás Alltag dem gleichen, beständigen Muster: Trainingslager, lernen und wertvolle Zeit zuhause in Vrchlabí, im Riesengebirge. „Ich wohne hier seit meiner Kindheit und kann mit Recht behaupten, hier jeden Weg, jeden Stein und jedes Stück Moos zu kennen.“

Ein Tag im Leben von... Lucie Charvátová
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Sardinien und Reisebegleitung für die Mannschaft

Eine kleine Auszeit fern der Heimat hat sie sich vor ein paar Wochen doch gegönnt: Sardinien, mit günstigen Flügen. „Ich kam nach einem harten, einstündigen Skiroller-Test bergauf nach Hause und war völlig erledigt. An dem Nachmittag habe ich im Internet Tickets nach Sardinien für 10 Euro pro Strecke gefunden. Ich habe meine Mutter gefragt, ob wir das machen wollen, habe gebucht und hatte zwei Tage Zeit für die Planung. Das war ziemlich spontan! Ich bin eine gute Planerin und kann gut mit Karten umgehen. Im Trainingslager plane ich die Strecken und Routen und kann sogar auf noch Sehenswürdigkeiten oder landschaftliche Besonderheiten hinweisen. Reisebegleiterin, das ist meine Rolle in der Mannschaft! Diesen Kurztrip habe ich also mit Links geplant!“

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Waffelliebe

Nach einigen harten Wochen im Trainingslager ist sie erst seit ein paar Tagen wieder zuhause. „Es ist ein bisschen wie Urlaub, aber wir müssen immer noch trainieren... Manchmal kostet es mehr Anstrengung, zuhause zu sein und noch andere Sachen zu machen, statt wie im Trainingslager einfach nur zu trainieren, zu schlafen und zu essen. Im Trainingslager habe ich mehr Zeit zum Ausruhen. Da bin ich nicht so müde. Aber ich bin gerne zuhause.“ Charvátová steht früh auf, zwischen 7 und 8, und macht sich gegen halb neun oder neun auf zum Training, ist aber „definitiv keine Frühaufsteherin. Morgens läuft es bei mir langsam und gemütlich. Das Wichtigste für einen guten Start in den Tag ist ein leckeres Frühstück. Am liebsten esse ich Waffeln. Normalerweise kommt das drauf, was wir im Kühlschrank haben, Joghurt oder Obst oder Marmelade. Meistens habe ich aber keine Zeit, welche zu machen, also gibt es oft Brot mit Schinken oder Honig.“

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Laufen oder Rennrad fahren

In dieser Woche war sie die meisten der 10 Trainingsstunden zu Fuß unterwegs. „Ich freue mich immer darauf, wenn ich zuhause bin und wie heute einfach in die Berge laufen kann... Ich laufe gern, bin aber keine gute Läuferin. An Tagen wie heute, wenn das Wetter gut ist, laufe ich gern in den Bergen. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass ich mindestens einmal im Jahr auf den höchsten Berg laufen muss, die Schneekoppe (1603 Meter), die an der Grenze zu Polen steht.“ Aber die begeisterte Bergläuferin fährt „auch gern Rennrad. Unsere Mannschaft läuft viel Skiroller, aber hier sind die Bedingungen mit viel Verkehr und rauem Asphalt nicht so gut, das ist ziemlich gefährlich. Deswegen gehe ich lieber in den Bergen laufen oder Rennrad fahren.“

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Schießen verbessern

An den Tagen, an denen sie schießen muss, fährt sie entweder die 50 km nach Jablonec nad Nisou oder die kürzere Strecke zum heimischen Schießstand in Jilemnice. „Ich gehöre nicht zu den besten Schützinnen, aber ich versuche, mich zu verbessern. Vor allem wenn ich in Jilemnice bin, ist alles einfacher. Normalerweise trainiere ich zweimal wöchentlich im Team in Jablonec, wenn kein Trainingslager ist. Marketa (Davidova), Jessica (Jislova) und Eva (Kristejn Puskarcikova) sind auch dort. Sonst trainiere ich meistens alleine.“

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Mittagessen zum Glockenläuten um 12

Nach dem morgendlichen Training kommt sie heim „für ein erfrischendes Bad im Pool im Garten!“ Das muss meistens schnell gehen. „Es ist eine unausgesprochene Regel, dass es um 12 Uhr Mittagessen gibt, wenn die Glocken läuten. Wenn ich dann nicht zuhause bin, ist es besser anzurufen und zu sagen ‚Bitte wartet mit dem Essen auf mich!‘“

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Entspannung beim Malen

Die meisten Biathleten machen nach dem Mittagessen einen Mittagsschlaf. „Nach dem Mittagessen ist nicht so viel Zeit. Es ist immer hektisch, wenn ich aus dem Trainingslager zurück bin. Ein Mittagsschlaf ist nicht gut für mich. Wenn ich erst mal im Bett liege, ist es vorbei. Ich kann nicht widerstehen und schlafe zu lange.“ Statt ein Schläfchen zu machen, lenkt die 27-Jährige sich ab. „Es ist immer besser, etwas zu tun. Mit der Uni bin ich in diesem Frühjahr fertig geworden, also sind momentan keine Bücher zu lesen. Ich habe endlich Zeit für Kreativität, was wegen des Sports auch oft zu kurz kommt. Dieses Bild ist sicher keine große Kunst, aber ich habe diesen Eiffelturm gemalt, und es entspannt mich.“

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Lucies Kaffee

Ein Nachmittagsritual gibt es dann aber doch, bekannt als „Lucies Kaffee... die Tasse war ein Geschenk. Im Trainingslager habe ich meine eigene, handbetriebene Kaffeemühle dabei, mahle meine eigenen Bohnen und koche den Kaffee mit einer AeroPress. Jeden Nachmittag nehme ich mir 15 Minuten Zeit, um meinen Kaffee zu machen. Dann habe ich besseren Kaffee, als wenn ich einfach nur heißes Wasser in die Tasse gieße!“

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Renovieren mit einem Talent fürs Teure

Nach einem schnellen Kaffee verbringt Lucie den restlichen Nachmittag mit ihrem Renovierungsprojekt. „Ich habe beschlossen, mein neues Zuhause zu renovieren. Ich hätte nie gedacht, wie schwierig es ist, die ganzen Handwerker zu betreuen, dann zu planen, zu suchen und zu vergleichen, auszuwählen, zu bestellen und zu bezahlen, was ich (auf jeden Fall) in meiner neuen Wohnung brauchen werde. Ich kaufe gerne Qualität, aber der Preis ist immer ein Problem. Ich habe diese Angewohnheit, mich immer für das Teuerste zu entscheiden. Ich schaue mir 10 Varianten ohne Preis an, suche eine aus und bekomme dann immer gesagt, dass das die teuerste ist!“

Ein Tag im Leben von... Lucie Charvátová

„Heute habe ich einen Termin im Küchenstudio, zu dem ich ein Farbmuster vom Boden mitbringe, damit das zur Küche passt. Der Entwurf für die Küche ist schön, die Realität mit vier weißen, kaputten Wänden eher nicht. Momentan kommen jeden Tag Pakete. Heute ist die Spüle angekommen... Ich hoffe, dass ich Ende des Sommers mit dem Renovieren fertig bin.“

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Mountainbiken mit Papa

„Die Wohnung zu planen kostet mehr Kraft als das Training, also habe ich mir ein Eis gegönnt. Das hatte ich mir verdient!“ Nach Küchen- und Renovierungsplänen war es Zeit für eine weitere Trainingseinheit. „Ich habe mit meinem Papa eine kleine Mountainbike-Runde gedreht und war an einem der beliebtesten Orte hier: Die Kapelle der heiligen Anna über Vrchlabí, die verzaubert ist (wenn man mich fragt!). Man hat einen schönen Blick über die Stadt, da kann ich meistens gut wieder auftanken.“

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Camping mit Freunden: Sonnenuntergang

Nach Training und Entspannung macht sich Charvátová auf den Weg zum alljährlichen Campingausflug in den Bergen. „Es ist ein komischer Sommer gewesen, nicht nur wegen des Corona-Virus, sondern auch, weil es so viel geregnet hat und wir höchstens fünf heiße Tage hatten. Wir haben jedenfalls beschlossen, heute wie jedes Jahr in den Bergen zu schlafen, nur mit Schlafsack, Isomatte und ein paar Knabbereien. Das macht mit Freunden immer Spaß. Morgen ist ein Ruhetag, also macht es auch nichts, dass mein Bett zuhause bequemer ist... Ich gehe nicht wirklich gern campen. Einmal im Jahr draußen schlafen reicht mir.“

„Der Sonnenuntergang ist atemberaubend. Nachts ändert sich das Wetter, das ist im Riesengebirge ganz typisch. Von einem schönen Sonnenaufgang kann ich nur träumen. Am 24. März 1913 sind hier oben zwei Freunde bei einem Skilanglaufrennen erfroren, die mit kurzen Ärmeln gestartet waren und es nicht ins Ziel geschafft haben. Wir schlafen in der Nähe ihres Denkmals und sind uns immer dessen bewusst, wie grausam unsere Berge sein können.“

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Wie ich schon gesagt habe, morgens bin ich nicht wirklich genießbar...

Photos: IBU/ Petr Slavik, Lucie Charvátová

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