Eine neue Saison bricht an: Skipisten, Strände, eine Hochzeit und viel Muskelkater

Eine neue Saison bricht an: Skipisten, Strände, eine Hochzeit und viel Muskelkater

Meist gibt es einen bestimmten Tag im Mai, an dem das Training für die neue Biathlonsaison beginnt. Zwischen dem Saisonende und diesem Tag dreht sich das Leben der Biathleten vor allem um Erholung. Die Saisonpause und den Wiedereinstieg ins Training geht jeder Athlet anders an. Scott Gow, Johanna Talihärm und Monika Hojnisz haben sich für unterschiedliche Wege entschieden. Nach knapp einem Monat haben jetzt alle den ersten Muskelkater abgeschüttelt und freuen sich auf ihren besonderen Moment im Sommer.

Eine neue Saison bricht an: Skipisten, Strände, eine Hochzeit und viel Muskelkater

Johannas Alaska-Abenteuer

Talihärm verabschiedete sich für „den ganzen April und bis in den Mai. Ich habe schon weiter trainiert, ein bisschen von allem, Wandern, Joggen, Krafttraining und so weiter. Das, worauf ich gerade Lust hatte, ganz ohne Plan und ohne Druck.“ Ihre Erholung bestand aus „ehrenamtlicher Arbeit für Skiku, eine Organisation, die Skilehrer in entlegene Dörfer der Ureinwohner Alaskas schickt. Eine wunderbare Erfahrung, einen so einzigartigen Flecken Erde zu sehen und mit den Kindern dort zu arbeiten.“

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Freunde treffen und wieder an die Arbeit

Nach einem Besuch bei Freunden in den USA war sie Anfang Mai wieder zurück in Estland und fing wieder an zu trainieren.  „Ich weiß gar nicht, an welchem Datum das war, es war eher eine langsame Umstellung über eine oder zwei Wochen. (Es war hart) den Plan durchzuziehen und nicht mal einen Tag sausen zu lassen, auch wenn ich Muskelkater hatte und keine Lust zu trainieren.“ In dieser Phase ist Abwechslung wichtig, „um Verletzungen zu vermeiden und damit es weiter Spaß macht.“ Natürlich hat das auch einen Nachteil. „Am Anfang habe ich wirklich von allem Muskelkater bekommen. Ich habe gemerkt, dass mein Körper etwas verdutzt war, dass er jetzt wieder hart arbeiten muss, und er hat ein bisschen protestiert.“

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Neuer Schaft

Da sie zuhause keinen Schießstand in der Nähe hat, konnte sie bis zum ersten Trainingslager der Mannschaft Ende Mai noch nicht wieder schießen. „Ich wollte (auch) noch nicht von zuhause weg. Aber ich habe an der Waffenanpassung gearbeitet, weil ich einen neuen Schaft habe.“ Weiter sagt sie: „Mit den Skirollern fange ich absichtlich erst später im Mai wieder an, weil ich das im Sommer ja noch ganz lange genießen kann.“ Jetzt „habe ich hier und da manchmal Muskelkater, aber ich merke, dass mein Körper sich wieder ans Trainieren gewöhnt.“ Bei steigender Formkurve freut sich Talihärm auf „meinen Lieblingsteil des Sommertrainings: Am Ende einer harten Trainingseinheit an einem heißen Tag in ein kaltes Gewässer zu hüpfen!“

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Vom verschneiten Canmore nach Mexiko

Scott Gow gesteht: „Ich habe ab dem 1. April etwa drei Wochen lang null trainiert... Ich war nur auf der Skipiste und Spazieren. Wir konnten nicht wandern, weil noch zu viel Schnee lag und es noch zu kalt war. Es dauert nicht lange, bis ich mich (von der Saison) erholt habe, aber ich wollte einfach eine Pause für den Kopf. Ich habe viel Zeit mit meiner Mutter und meinen Brüdern verbracht und es genossen, einfach mal gar nichts zu machen. Ende des Monats sind wir nach Mexiko geflogen. Am Tag vor der Abreise hat es in Canmore heftig geschneit, und dann waren wir plötzlich bei 30 Grad und schönstem Wetter in Mexiko.“

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Mannschaftssitzung

„Mit dem Training haben wir am 6. Mai wieder angefangen. Eine grundlegende Änderung gab es für die Mannschaft: Matthias Ahrens, mit dem ich seit 2011 arbeite, ist nicht mehr da. Wir hatten an dem Morgen eine große Mannschaftssitzung, um über den Wechsel (zum Interimstrainer Justin Wadsworth) und über den neuen Plan, die nächste Saison und Ziele zu sprechen. Es war für uns ein großer Einstieg in die neue Saison.“ Neue Trainer bedeuten auch Veränderungen im Training. „Wir arbeiten deutlich mehr am Doppelstockschub als sonst und wir laufen viel mehr mit größerer Intensität. Das sind die zwei großen Veränderungen für unsere Mannschaft. Ich denke, die Änderungen werden mein Training abrunden, vor allem später im Jahr.“

Ins Schießen ist der Kanadier gleich in der ersten Woche wieder eingestiegen. „Wir arbeiten immer noch mit Pavol Lantsov. Wir haben gleich wieder mit Übungen und Technik-Verbesserungen angefangen, die er machen will. Es ging direkt an den Schießstand, viel Schießen und wieder mit den Grundlagen anfangen: Einen Tag an der Atmung arbeiten, am nächsten dann am Abzug.“

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Lange Skiroller-Runden und Bergpässe

Wie zu erwarten war, war das „Schmerz- und Muskelkaterniveau in der ersten Woche hoch. Wir kamen aus Mexiko zurück und mussten am nächsten Tag wieder ins Training einsteigen. Der Tag war härter als die meisten Trainingstage. In der ersten Woche tat mir alles weh, aber die zweite Woche war dann schon wieder mehr so wie gewohnt. Jetzt, nach vier Wochen, läuft alles rund und die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung.“ Gow freut sich jetzt „auf meinen Lieblingsteil des Sommertrainings: Lange Skiroller-Runden auf Landstraßen oder hoch auf einen der Pässe für eine gemütliche Ski-Runde. Der Ausblick ist oft richtig schön, vor allem wenn man oben auf dem Berg ist, das ist schon echt herrlich!“

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Keine Pause, sondern eine Hochzeit für Monika

Monika Hojnisz hatte für die Saisonpause ganz andere Pläne. „Ich habe keine Pause gemacht. Ich habe die ganze Zeit trainiert, um in Form zu bleiben, nicht besonders intensiv, aber ich habe die Zeit genutzt, um an meinen Schwächen zu arbeiten. Ich habe viel Krafttraining gemacht, geschossen und war schwimmen, das mache ich gern.“

Hochzeitspläne

Was einen richtigen Urlaub angeht, sagt sie: „Dafür hatte ich in diesem Jahr keine Zeit. Ich hatte viel vorzubereiten, weil ich am 1. Juni geheiratet habe. Jeder, der diesen magischen Moment schon erlebt hat, weiß, wie viel Nerven und Zeit das kostet, aber das war es wert!“

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Mit „Frische“ ins erste Trainingslager

Mit dem Training hat sie ja nicht ausgesetzt, aber „ich brauche nicht viel Motivation, weil mein Mann auch ein Profi-Sportler ist (Ski-Langläufer). Die Bedingungen in meiner Heimatstadt sind nicht gut, also beginnt das echte Training für mich mit unserem ersten Trainingslager in der nächsten Woche. Wir steigen langsam ein, weil man das erste Trainingslager erstmal überstehen muss. Das werden viele leichte lange Einheiten sein, um die Ausdauer zu steigern. In der ersten Woche machen wir wahrscheinlich etwa 26 Stunden.“ 

Hojnisz freut sich auf den Schießstand, vor allem nachdem sie in der letzten Saison mit 87 % Trefferquote ihren persönlichen Rekord verbessert hatte. „In der ersten Woche ist es immer besser, nach so einer langen Pause ... Wenn ich das Gewehr eine Weile nicht in der Hand hatte, bin ich immer besser unterwegs. Ich bin hungrig und nicht ermüdet von der Trainingsmonotonie (nach vielen Monaten). Ich nenne das Frische.“

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Schweiß und lustige Bräunungsstreifen

Dann darf sich auch die Frischvermählte auf ihren Lieblingsteil des Sommertrainings freuen. „Es ist vielleicht schwer zu glauben, aber ich mag heiße Tage auf Skirollern!  Es ist herrlich, dieses echte Sommergefühl, der Schweiß und die lustigen Bräunungsstreifen!“

Die neue Saison hat offiziell begonnen ...

Persönliche Fotos: Johanna Talihärm, Scott Gow, Monika Hojnisz

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