Entspannter Trainingsstart für Slowenien

Entspannter Trainingsstart für Slowenien

Das frühe Ende der BMW IBU Weltcupsaison bedeutete für die slowenische Mannschaft, dass die Vorbereitungen auf die neue Saison und ihre Heim-WM 2021 schon Mitte April statt Anfang Mai begannen. Doch obwohl den Slowenen im Februar 2021 ein Event ins Haus steht, das jede Generation wohl nur einmal auf heimischem Boden erlebt, starten sie gelassen ins Sommertraining.

Entspannter Trainingsstart für Slowenien

Familie, Freunde und ein entspanntes erstes Trainingslager

Trainer Uros Velepec erklärt: „Die Saison endete am 15. März, also haben wir gesagt, ‚Nehmt euch vier Wochen frei, macht dann zwei Wochen leichtes Training und wir steigen am 1. Mai wieder ein.‘ Die Stimmung war herrlich entspannt... Unser erstes Trainingslager war in Bled, nicht in Pokljuka, mit drei Tagen harter Arbeit, Pizza und einigen Besprechungen abends. Das hat Spaß gemacht.“

Vor diesem kurzen Trainingslager zum Saisoneinstieg „war es wie ein normales Frühjahr. Viel Training nahe dem eigenen Wohnort, ein bisschen Sport und Zeit für Familie und Freunde. Ich wollte nicht zu viel über Corona sprechen, ich habe ihnen nur gesagt, dass wir hier in Slowenien ziemlich Glück gehabt haben.“

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Kein WM-Druck

Genauso entspannt äußert er sich über die IBU Weltmeisterschaften im Heimstadion. „Ich will wegen der Weltmeisterschaften nicht zu viel Druck aufbauen. Wir gehen es langsam an. Ich will nicht, dass sie (die Mannschaft) im Mai und Juni übermotiviert sind und sich gleich zu Anfang zu sehr verausgaben. Es ist für uns ein Glücksfall, dass diese WM ansteht: Der Verband will eine Medaille, also gibt es keine großen Sparmaßnahmen bei der Nationalmannschaft. Wir brauchen die besten Voraussetzungen, um eine Chance zu haben. Die Athletinnen und Athleten spüren noch keinen Druck. In den nächsten 8 Monaten wird er aber kontinuierlich zunehmen. Am schwierigsten wird es wohl für Jakov (Fak) und Klemen (Bauer), weil sie Leistungen abliefern werden müssen.“

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„Die einzige Konstante ist der Wandel“

Velepec erklärt, dass es trotz des entspannten Starts eine typische harte Trainingssaison mit einigen Veränderungen sein wird. „Die einzige Konstante ist der Wandel. Man kann nicht jedes Jahr mit dem gleichen System weitermachen. Manchmal muss man mehr fordern, manchmal weniger, manchmal einfach anders, vor allem bei Routiniers wie Jakov und Klemen. Die brauchen jedes Jahr etwas Neues, weil sie sich sonst schnell langweilen. Sie wollen nicht jedes Jahr das gleiche Training herunterreißen. Mein Ziel ist es, am System etwas zu verändern, an den Trainingslagern, an allem.“

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Fak: Familie und flexibles Training

Jakov Fak, IBU Weltmeister mit insgesamt zwei olympischen Medaillen, gibt seinem Trainer recht. „Mein Leben ist jetzt mit zwei kleinen Kindern anders als damals, als ich noch Single war und alle Zeit der Welt hatte. Ich bin immer noch motiviert, aber ich muss anders trainieren, mit einem flexibleren Trainingsplan, bei dem ich auch weniger Zeit mit der Mannschaft verbringe. Wenn ich um acht mit den Kindern ins Bett gehe und um sechs Uhr wieder wach bin und bereits fürs Training bin, dann lege ich los. Das ist anders, als wenn der Trainer dich um 8 abholt, um nach Pokljuka zu fahren und das Training um 9 beginnt; man muss trainieren, auch wenn man sich schlecht fühlt. Dann ist es ein vergeudeter Tag. An vielen Tagen passe ich mein Training an meine Familie an. Natürlich läuft das nicht immer perfekt, aber nach den ersten Wochen bin ich sehr gut in Form.“

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Pokljuka, aber ohne Fak

Am vergangenen Wochenende begann für die slowenische Mannschaft das zweite Trainingslager in Pokljuka, „unsere einzige Konstante. Wir wollten auch an anderen Orten trainieren, aber das liegt wegen Corona erstmal auf Eis“, so Velepec. Fak wird dieses Trainingslager fast komplett verpassen - nicht wegen familiärer Verpflichtungen, sondern weil er sich kürzlich mit Borreliose infiziert hatte. „Ich hatte nach dem Laufen eine Zecke an der Achillessehne, bin zum Arzt gegangen und muss jetzt 14 Tage Antibiotika nehmen, denn wenn man das nicht früh behandelt, kann es sehr ernst werden. Also mache ich jetzt 14 Tage nur leichtes Training.“ Trotzdem kann der slowenische Star über den Rückschlag lachen. „Ich habe zu meiner Frau gesagt, dass ich wohl das Versuchskaninchen für alle Krankheiten und Verletzungen bin. Ich glaube, ich habe alles schon gehabt!“

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Hilfe leisten in schwierigen Zeiten

Zum entspannten Saisoneinstieg gehörte für Fak und einige Mannschaftskameraden auch ein freiwilliger Arbeitseinsatz auf einem Bauernhof in Zusammenarbeit mit dem Sponsor Lӑsko-Brauerei. Da wegen des Coronavirus viele Saisonarbeitskräfte nicht einreisen konnten, brauchten die Bauern Hilfe beim Setzen von Hopfen. Velepec bestätigte, es sei „harte Arbeit“ gewesen, aber Fak betonte auch, es sei „wichtig, dass die Menschen einander in diesen schwierigen Zeiten helfen.“

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Frauenmannschaft: Von den Juniorinnen direkt in den BMW IBU Weltcup

Eine der größten Veränderungen für den Ausrichter der IBU WM ist, dass es zum ersten Mal seit vielen Jahren eine separate junge Frauenmannschaft gibt, von denen die meisten direkt aus der Juniorenklasse in den BMW IBU Weltcup aufgestiegen sind. Velepec dazu: „Wir haben jetzt vier Seniorinnen, und es war an der Zeit, eine separate Frauenmannschaft zu schaffen.“ Die Frauentrainerin Andreja Mali, die mit ihrer Mannschaft an einem abgelegenen kleinen Schießstand arbeitet, sagte weiter „Ihnen allen fehlt die Erfahrung aus dem IBU Cup, wo die Resultate befriedigender und ermutigender wären; an einem perfekten Tag wäre das zumindest Top 25. Die gleiche Leistung im BMW IBU Weltcup würde nur für die Top 60 oder 80 reichen, weil das Leistungsniveau dort sehr, sehr hoch ist. Da braucht es viel Arbeit, Geduld und Zeit.“

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Persönliche Biathlon-Entwicklung

Da die Gruppe noch so jung ist, setzt Mali sie nicht unter Druck und konzentriert sich auf die „persönliche Biathlon-Entwicklung. Ich habe den Mädels gesagt, dass jetzt nur ihre eigene Leistung im Vergleich mit ihren vorherigen Leistungen zählt. Eine kontinuierliche persönliche Verbesserung wird irgendwann zu Resultaten führen... Ich investiere viel Arbeit, damit meine Mädels an einen Punkt kommen, an dem sie ordentlich trainiert werden und vernünftig leben können, während sie ihre Biathlon-Karriere aufbauen. Letzten Endes hängt es von der Leistungsbereitschaft und der intrinsischen Motivation ab, wer dann bleibt, so wie ich geblieben bin, bis ich 37 war.“

*IBU WM: Aus Erfahrungen lernen *

Wie Velepec baut auch Mali hinsichtlich den IBU Weltmeisterschaften keinen Druck auf, vor allem in dieser Phase. „Wir werden die IBU Weltmeisterschaften wie eine weitere Gelegenheit angehen, bei der man Erfahrungen sammeln kann, eine Veranstaltung mit jeder Menge Stress und großen Erwartungen, bei der unser einziges Ziel sein wird, dass jede ihr bestes Rennen abliefert und den Rest ausblendet. Wir glauben, dass an einem sehr guten Tag alle Mädels eine Chance haben, in den Weltcuppunkten zu landen.“

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Positiv denken

Der alte Hase Velepec, der 1993 im WM-Sprint Siebter wurde, glaubt, dass es in diesen ungewissen Zeiten für jeden wichtig ist, die Dinge entspannt und gelassen anzugehen. „Wenn wir anfangen, darüber nachzudenken, was passieren könnte, verändert das unseren Blick darauf, was es zu tun gilt. Das Beste ist jetzt, positiv zu denken und davon auszugehen, dass wir Ende November wie geplant in Kontiolahti am Start stehen werden. Es bringt nichts, darüber nachzudenken, was alles passieren könnte. Die Trainer brauchen natürlich verschiedene Szenarien: A, alles ist perfekt, B, irgendetwas geht schief, und C, vielleicht laufen die Dinge anders. Momentan konzentrieren wir uns auf Plan A und sehen zu, dass wir da Fortschritte machen.“

Photos: IBU/SLO Biathlon, Jakov Fak, Christian Manzoni, Evgeny Tumashov, Andreja Mali, Jerry Kokesh

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