Fünf Favoriten für Pyeongchang: Martin, Johannes, Jakov, Arnd und Tarjei 

Fünf Favoriten für Pyeongchang: Martin, Johannes, Jakov, Arnd und Tarjei 

Nur noch dreizehn Tage, dann beginnt für die Herren bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang der Kampf um die Medaillen mit dem Sprint der Herren. Das Feld ist bei den Herren so eng, dass jeder der Top 30 der Weltcup-Gesamtwertung Chancen auf eine oder mehrere Medaillen in den vier Einzelrennen hat. Vor allem aber die beiden Herren ganz vorn in der Wertung dürften wohl einen Großteil der Medaillen einstreichen, und auch die anderen Herren auf den vorderen Rängen werden sich in Korea nicht lumpen lassen.

Fünf Favoriten für Pyeongchang: Martin, Johannes, Jakov, Arnd und Tarjei 

Martin und Johannes

Das Duell zwischen Martin Fourcade im gelben Trikot und Johannes Thingnes Boe hält in dieser Saison zumindest bei den Herren die Biathlonwelt in Atem. Fourcade, der den Sport über die letzten sechs Jahre hinweg mit Gesamtweltcupsiegen und Medaillen en masse dominiert hat, tritt an gegen Johannes, der in diesem Jahr bereits acht Einzeltitel holte und Fourcade als einziger auf der Strecke in seine Schranken verweisen kann. Keine Frage: Diese beiden werden ihre hitzigen Zweikämpfe auch in Pyeongchang am Schießstand und auf der Strecke fortsetzen.

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Er hat die Oberhand: Martin Fourcade

Unabhängig davon, wie viele Siege und Niederlagen bislang auf dem Zähler stehen, hat Martin Fourcade klar die Oberhand. Er führt den Gesamtweltcup an, außerdem alle Disziplinenwertungen und hat das Podest in dieser Saison noch nicht einmal verpasst. Fourcades „schlechtester“ Tag in diesem Winter waren fünf Strafrunden in der Verfolgung von Hochfilzen, und er wurde trotzdem noch Dritter; bei allen anderen Rennen landete er entweder auf Platz eins oder zwei. Mental hat er damit einen großen Vorteil und wird bei jedem Rennen mit immensem Selbstvertrauen an den Start gehen.

Ausgeburt an Konstanz
Der Mann im gelben Trikot (auch wenn es bei den Winterspielen kein gelbes Trikot gibt) ist und bleibt eine Ausgeburt an Konstanz, eine Stärke, die er über Jahre hinweg aufgebaut hat. In der Saison 2016-17 und der laufenden Saison hat er die Top fünf nur einmal verfehlt: Im Sprint von Oberhof 2017 wurde er Achter. Am Schießstand ist Fourcade zwar nicht der Beste, aber trotzdem immer herausragend. Vor einigen Jahren stellte er auf den Ansatz „Scheibe treffen, notfalls etwas langsamer, und dann Zeit auf der Strecke gutmachen“ um. Damit ist er seither gut gefahren. Trotzdem ist er bei Bedarf auch in der Lage, schnell und aggressiv zu schießen. In dieser Saison liegt seine Trefferquote bei 91 %.

Sein Erfolg und seine Konstanz auf der Strecke basieren offensichtlich auf seinem Talent, aber auch auf fundiertem und solidem Training. Wie beim Schießen kann er entweder seine Kräfte schonen und mitlaufen oder vorne gehörig aufs Tempo drücken, und das so ziemlich auf Knopfdruck. Selbst an den seltenen Tagen, an denen das Material nicht ganz perfekt ist, ist er auf der Strecke eine ernstzunehmende Bedrohung.

Zu guter Letzt ist der französische Star auch noch ein meisterhafter Stratege. Er hat so viel Erfahrung, dass er fast jede Situation im Griff hat. Fourcade hat immer einen Plan und überlässt nichts dem Zufall. Manchmal läuft es zwar nicht ganz nach seinem Plan, aber dann lässt er sich nicht beirren, passt sich an die neue Situation an und läuft trotzdem ein Spitzenrennen.
Fazit: Martin Fourcade steht klar an der Spitze und ist der eindeutige Favorit bei den Spielen. Es scheint fast unvermeidlich, dass er in Pyeongchang seine Trophäensammlung um weitere Goldmedaillen erweitern wird.

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Johannes: Ein echter Rivale

In dieser Saison ist Johannes zu einem echten Rivalen für Fourcade herangewachsen. Der inzwischen 24-jährige Norweger hat acht Siege einfahren können, Fourcade sechs. Sie haben sich mehrfach auf dem obersten Podestplatz abgewechselt. Johannes läuft schon seit Saisonbeginn mit Vollgas und siegte im Dezember fünfmal.  Dann gingen vier Siege hintereinander an Fourcade, was Johannes ihm im Anschluss gleich nachmachte. Nach den letzten zwei Siegen des Norwegers in Antholz war der Mann in Gelb sichtlich konsterniert und gab zu: „Heute war er perfekt unterwegs, dem ist nichts hinzuzufügen... Heute war Johannes einfach stärker als ich.“

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Reife und fehlerfreies Schießen

Das ist in diesem Jahr schon mehrfach der Fall gewesen. Der „junge Wilde“, der 2014 in Le Grand Bornand zum ersten Mal im Weltcup siegen konnte, ist seither herangereift.  Damals kam er frisch von den Juniorenwettkämpfen und ging die Wettkämpfe noch eher wie ein Ballerspiel an: Laufen, was das Zeug hält, ebenso schnell schießen und dann hoffen, dass die Scheiben fallen. Nach fehlerfreiem Schießen im Sprint und einem Fehler in der Verfolgung, was ihm damals zwei Siege einbrachte, schoss er in Sprint/Verfolgung in Oberhof beim nächsten Weltcup drei respektive vier Fehler. Das nächste fehlerfreie Schießen gelang ihm erst später in der Saison, bei seinem nächsten Sieg in Kontiolahti. Seither ist Johannes mit jeder Saison reifer geworden. Er ist immer noch atemberaubend schnell auf den Skiern und nutzt diesen Vorteil für sich aus. Die größte Veränderung ist aber am Schießstand zu beobachten, vermutlich wohl dank der Lektionen, die er von Trainer Siegfried Mazet gelernt hat (ehemals Fourcades Mann am Glas). Mazet hat Johannes beigebracht, Geduld zu haben und nicht immer auf Schnelligkeit zu schießen, sondern auch die Scheiben zu treffen. Wenn die Sicht allerdings perfekt ist, kann er immer noch rasend schnell schießen... und treffen. In der letzten Saison schaffte Johannes mit einer Trefferquote von 88 % eine persönliche Bestleistung. In dieser Saison ist er ähnlich gut unterwegs, hat aber auch schon fünf fehlerfreie Rennen geschafft, drei davon in Rennen mit vier Schießeinlagen.

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Johannes hat viele Stärken: Jugend, Talent, ein Lauftempo, mit der er ein oder zwei Strafrunden herauslaufen kann, und ein gesundes Selbstvertrauen. Er weiß, dass er die Nummer eins der Welt an einem guten Tag schlagen kann. Seine Schwäche ist, dass er immer noch Aussetzer hat, man denke nur an die zwei und drei Fehler in Oberhof und die fünf im Massenstart von Antholz. Um bei Olympia erfolgreich zu sein, wird er auf der Strecke seine maximale Geschwindigkeit brauchen - und die Konstanz von Fourcade.

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Die Rückkehr von Jakov Fak

Nachdem er aufgrund von unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen einen Großteil der letzten zwei Saisons verpasst hatte, liegt Jakov Fak vor Pyeongchang jetzt auf Platz drei der Weltcup-Gesamtwertung. Für alle mit einem kurzen Gedächtnis dürfte das ein Schock sein. In der Saison 2014-15 war er allerdings Dritter geworden, 2012-13 Vierter. Im Laufe seiner Karriere konnte er eine olympische Bronzemedaille für den Sprint, zwei Weltmeistertitel und acht Weltcupsiege erringen.

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Konstanz gutes Schießen

Fak verdankt den dritten Rang seiner Konstanz und seinem guten Schießen. Bislang hat es für zwei zweite Plätze und einen dritten Platz gereicht; außerdem hat er es abgesehen von einem 33. Platz im Sprint von Antholz immer in die Top 15 geschafft. Seine erfolgreiche Rückkehr verdankt er, wie er selbst sagt „einem ganzen Sommer, in dem ich keinen einzigen Trainingstag auslassen musste“, und wohl auch der erneuten Zusammenarbeit mit Trainer Uros Velepec, dem Mann hinter den früheren Erfolgen von Fak. Der schon immer zuverlässige Schütze hat in diesem Jahr herausragende Trefferquoten vorzuweisen. Bislang hat er im Liegen 93 % und im Stehen 92 % der Scheiben schließen können. Die Skigeschwindigkeit bleibt auch in dieser Saison seine Achillesferse. Noch ist hier Luft nach oben. Wenn er auf der Strecke noch 1 oder 2 % zulegen kann, dürfte es für olympische Ehren reichen.

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Bester Deutscher: Arnd Peiffer

Arnd Peiffer, die Nummer fünf der Gesamtwertung, macht sich als bester Deutscher auf den Weg nach Pyeongchang. Wie Fak verdankt er diese Platzierung seiner Konstanz. Obwohl er im Sprint von Antholz zum ersten Mal auf dem Podest stand, gefolgt von einem vierten Platz in der Verfolgung, stellt Peiffer in dieser Saison alle seine Mannschaftskameraden in den Schatten. Er blieb in diesem Sprint ohne Fehler und verfehlte am nächsten Tag einmal. Das Liegendschießen ist seine Stärke, hier liegt seine Trefferquote bislang bei 93 %. Der 30-Jährige hat sich in dieser Saison permanent gesteigert, angefangen bei Plätzen in den hohen Zwanzigern in Östersund über die Ränge 10-15 auf die einstelligen Platzierungen jetzt. Er scheint sein Leistungshoch perfekt geplant zu haben. Peiffer ist ein ehemaliger Sprintweltmeister mit 26 Einzelpodestplätzen insgesamt und einer langen Liste von Staffelpodestplätzen. Die Olympischen Winterspiele von Pyeongchang sind für ihn die dritten; 2014 holte er Silber mit der Staffel. Mit all seiner Erfahrung und diesem perfekten Timing könnte Peiffer es aufs Podest schaffen, dann wohl im Sprint, der Disziplin, in der er 17 seiner 26 Podestplätze errang.

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Tarjei Boe ist wieder da
Tarjei Boe scheint seine gesundheitlichen Probleme endlich hinter sich gelassen zu haben. Zum ersten Mal seit der Saison 2011-12 hat er noch keinen Wettkampf ausfallen lassen müssen. Für Tarjei begann die Saison mit einem Sprintsieg im IBU Cup von Sjusjøen, gefolgt von einem überraschenden Sprintsieg 0,7 Sekunden vor Fourcade in Östersund. Danach ließ der erfahrene Norweger etwas nach, doch der Januar meinte es mit zwei weiteren Podestplätzen und zwei fünften Plätzen gut mit ihm. Besonders beeindruckend war sein zweiter Platz im Massenstart von Antholz: Zwei Fehler, aber eine schnelle Laufzeit und gerade noch genug Schub, um sich vor Mannschaftskamerad Erlend Bjoentegaard Platz zwei zu sichern. Wie Peiffer hat auch er sein Leistungshoch perfekt getaktet. Am Schießstand ist er etwa so gut wie auch sein Gesamtdurchschnitt, 85 %.  Er ist auf der Strecke stark genug, wird aber treffen müssen, wenn er eine Einzelmedaille gewinnen will.

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Das ist der Überblick über die besten Männer der Weltcup-Gesamtwertung. Eine olympische Medaille zu gewinnen ist eine enorme Herausforderung, und auch wenn neben diesen Fünfen auch andere Herren auf dem Podest stehen werden, hat dieses Quintett doch beste Chancen, aus Korea mit Edelmetall um den Hals zurückzukehren.

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