Gabriela Koukalová: Fünf große Momente und noch mehr ...

 Gabriela Koukalová: Fünf große Momente und noch mehr ...

Etwas mehr als ein Jahr nach der Ankündigung einer Biathlon-Pause wegen wiederkehrender Verletzungsprobleme und der Aussage „Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, jemals wieder einzusteigen ... ich will noch keinen endgültigen Schlusspunkt setzen. Man weiß ja nie, vielleicht fehlt es mir in einem oder zwei Jahren“, hat Gabriela Koukalová in dieser Woche den Schlusspunkt gesetzt und ihre aktive Biathlon-Karriere offiziell beendet. Damit wird die Liste der weiblichen Biathlon-Stars, die in der letzten Zeit aufgehört haben, noch länger: Laura Dahlmeier, Anastasiya Kuzmina, Darya Domracheva und Marie Dorin Habert hatten bereits das Gewehr an den Nagel gehängt.

Gabriela Koukalová 

Siege, Medaillen, Kristallkugeln

Koukalovás Stern strahlte in ihrer kurzen Karriere im BMW IBU Weltcup mindestens so hell wie die ihrer Rivalinnen. Auch wenn sie mehrere Runden im Weltcup drehte, dauerte ihre erfolgreiche Phase vom ersten Sieg im Sprint von Pokljuka 2012 bis zum letzten Sieg, Sprintgold bei der IBU WM in Hochfilzen am 10. Februar 2017 nur ein paar Tage weniger als 50 Monate. Ihre Zeit an der Spitze verschönerte sie sich mit 38 Einzelpodestplätzen, darunter 17 Siegen, außerdem vier Staffelsiegen, zwei Siegen mit gemischten Staffeln, fünf IBU WM-Medaillen, zwei olympischen Medaillen, der großen Kristallkugel für den Sieg im Gesamtweltcup und sechs Disziplin-Kristallkugeln.

Bezaubernd und talentiert
Ganz nebenbei bezauberte die charismatische Koukalová die Zuschauer: Bisweilen schüchtern und befangen lachte sie oft über sich selbst, wirkte immer wieder unsicher und schaffte es doch wieder und wieder aufs Podest. Fans, Offizielle und Medienvertreter gewöhnten sich daran, immer wieder auf sie zu warten, während sie ihr Make-Up richtete. Die Tschechin, die abseits der Loipen eine talentierte Künstlerin und Sängerin ist, spielte eine tragende Rolle bei der Weiterentwicklung des tschechischen Biathlon-Phänomens, das regelmäßig für eine ausverkaufte Vysočina Arena sorgt.

IBU JJWM 2009

Große Karriereschritte machte Koukalová schon deutlich vor dem Sieg von Pokljuka. Bei der IBU JJWM 2009 in Canmore führte sie die Juniorinnenstaffel der tschechischen Republik als Schlussläuferin zu Gold. An diesem Wendepunkt sagte sie: „Ich habe vor den Meisterschaften nicht viel trainiert. Ich habe das (Biathlon) zum Spaß gemacht, weil ich nicht fett werden wollte. Meine Mannschaftskameradinnen haben gesagt, ‚Gabi, du bist der faulste Mensch der Welt, du trainierst nicht wie wir und schaffst trotzdem gute Resultate, du solltest so trainieren wie wir.‘ Ich habe gesagt, na gut, wir versuchen das und nach etwa zwei Saisons sind die Ergebnisse besser geworden.“

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Pokljuka 2012

Einige Monate vor ihrem Durchbruch in Pokljuka wurde Koukalová vom Epstein-Barr-Virus schachmatt gesetzt und konnte gar nichts mehr. Beim Wiedereinstieg ins Training „konnte ich keine 30 Minuten laufen, ich musste immer wieder anhalten. Es hat 2 Monate gedauert, bis ich 45 Minuten laufen konnte.“ Mit ein wenig Tempotraining war sie auf den Skiern am Ende schneller als Kaisa Mäkäräinen und Tora Berger und blieb bei diesem ersten Sieg auch noch fehlerfrei. In der Verfolgung legte sie mit einem fehlerfreien zweiten Platz nach, nur 0,7 Sekunden hinter Miriam (Gössner) Neureuther, und beendete das Wochenende mit einem dritten Platz im Massenstart. Zum Sprintsieg sagte sie „Es war das Rennen meiner Träume! Ich hätte nie gedacht, dass ich einen Weltcup gewinnen könnte ... Es war eine völlige Überraschung!“ Zum Wochenende sagte sie abschließend: „Mir fehlen die Worte um zu beschreiben, wie glücklich ich bin.“

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Sochi 2014

Nach der Durchbruch-Saison 2012-13, die in einer Bronzemedaille bei der IBU WM mit der gemischten Staffel zuhause in Nove Mesto na Morave und Siegen in den letzten zwei Saisonrennen in dem Jahr in Khanty Mansiysk gipfelte, hatte Koukalová große Hoffnungen für die Winterspiele in Sochi.  Sie reiste im gelben Trikot nach Russland an. Mit drei Fehlern im Sprint reichte es nur für Platz 29, und trotz 19 Treffern bei 20 Schuss in der Verfolgung wurde es auch hier nur Platz vier. Im 15 km Einzel wurde sie mit zwei Fehlern ebenfalls Vierte. Die gemischte Staffel brachte ihr die erste olympische Medaille ein, Silber. Die absolute Krönung gelang ihr dann im Massenstart. Ab dem ersten Liegendschießen war Koukalová Zweite, verfehlte wie Domracheva im letzten Stehendschießen nur einmal und ging auf dem Silberrang über die Ziellinie. Auch wenn ihr die Staffeln viel Freude machten und sie der Schlüssel zum Erfolg der Mannschaft war, gab sie zu, dass ein Einzelsieg etwas „Besonderes“ war.

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Kristall-Saison
Einen Großteil der Saisons 2015-16 verbrachte Koukalová im gelben Trikot und spielte diese Ehre die ganze Saison lang herunter. „Ich glaube nicht, dass ich den Gesamtweltcup am Ende gewinnen werde. Das gelbe Trikot ist so wie die anderen Nummern, es ist nichts Besonderes, es ist einfach gut.“ Und dennoch: Trotz der starken Konkurrenz durch Dorin Habert sicherte sich die Frau, die ihre blonden Haare rot färbte „weil ich so schnell sein will wie Johannes Thingnes Boe“, den Titel der Weltcup-Gesamtsiegerin und dazu noch die Titel in Sprint, Verfolgung und Massenstart. Sie war die ganze Saison über die Beständigkeit in Person. Auch wenn sie nur dreimal gewann, rutschte sie nur einmal tiefer als Platz acht ab (Platz 11 in der Verfolgung bei der IBU WM). Das Schießen war der Grundstein für diesen Erfolg: 92 % Trefferquote insgesamt, im Liegendanschlag sogar 95 %. Als am Ende alle Punkte gezählt waren und sie vier Kristallkugeln im Arm hatte, bezeichnete sie die Saison als „märchenhaft“.

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Massenstartsieg in NMNM, Gold in Hochfilzen

Ab der ersten Pressekonferenz der Saison 2016-17 bestand der tschechische Star darauf, dass der Gesamtsieg und die Kristallkugeln für sie nicht im Fokus stünden, ihr ginge es um IBU WM-Medaillen. Vor ihrer beeindruckenden IBU WM-Goldmedaille im Sprint gab es noch einen Auftritt vor ihren begeisterten Fans in Nove Mesto na Morave, der auch ihr letzter sein sollte. Mit einem Fehler und vier Sekunden Vorsprung vor Dahlmeier war Koukalovás Sieg noch besser als die Silbermedaille in Sochi. „Ich war so nervös vor dem Rennen, deswegen war das einfach fantastisch... Ich bin so ergriffen, das ist noch emotionaler als bei den Olympischen Spielen.“

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Taktik und Träume
Das IBU WM-Gold im Sprint war eine brillante Kombination aus Biathlon-Können und Taktik. Mit der Startnummer 96 in einem Feld aus 101 Frauen nutzte sie die schattigen, kühleren Flecken der Strecke und die sinkenden Temperaturen, um einen Vier-Sekunden-Vorsprung vor Dahlmeier herauszuarbeiten. „Ich glaube, diese Taktik von unseren Trainern war sehr clever; ich habe auf jeder Runde gemerkt, dass die Strecke schneller wird.“ Sie wusste kaum, was sie zu ihrem ersten und einzigen Einzel-WM-Gold sagen sollte. „Als ich gewonnen hatte, kam mir das vor wie ein Traum, als wäre das alles gar nicht wahr.“

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Besser als Siegen

Gabriela Koukalovás Goldmedaille und Karriere waren alles andere als ein Traum. Vor einigen Jahren sinnierte sie über ihr Erbe. „Wir sind so glücklich, dass Biathlon zuhause jetzt so beliebt ist ... (Ein Vorbild zu sein) ist vielleicht das Beste am Sport, wenn man die kleinen Kinder sieht. Es ist schön zu wissen, dass ich ihr Ansporn bin. Diese Momente sind vielleicht sogar besser, als als Erste über die Ziellinie zu gehen.“

Die IBU und die Biathlonfamilie wünschen Gabriela für ihre Zukunft alles Gute.

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