Hier dreht sich das Trainerkarussell 2020

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In einem vom Coronavirus gezeichneten Frühjahr, zwei Jahre vor den nächsten Olympischen Winterspielen 2022 in Peking, dreht sich das Trainerkarussell so schnell wie eh und je. Wechsel und Neubesetzungen gibt es unter anderem in Frankreich, Deutschland, Österreich, der Ukraine, Tschechien, Schweden und Weißrussland.

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*Französische Frauenmannschaft: Giachino am Glas *

Eine der größten Veränderungen gab es überraschend im Trainerteam der französischen Frauenmannschaft, bei der Franck Badiou den Posten des Schießtrainers räumt. Sein Nachfolger ist der ebenso qualifizierte und erfahrene Jean Paul Giachino. Der 47-jährige Giachino war schon von 2007 bis 2018 Schießtrainer bei den Frauen gewesen. Zuletzt hatte er an der Seite vom leitenden Jugendtrainer Simon Fourcade als Schießtrainer mit den französischen Junioren gearbeitet.

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Die Zeit vergeht wie im Flug

Zu seiner Rückkehr an den vertrauten Platz am Glas bei der BMW IBU Weltcupmannschaft sagte Giachino laut Ski Chrono: „Als man mir den Job anbot, war ich überrascht. Ich habe es mit meiner Frau besprochen. Mir werden die Junioren fehlen, aber der Weltcup ist immer noch attraktiv. Ich kenne mich dort gut aus und die Mädels kennen mich. Ich kann nicht zaubern, aber ich habe Prinzipien und einen Ansatz. Die Mädels haben eine gute Saison gehabt, aber am Schießstand fehlte die Konstanz. Wir haben viel Arbeit vor uns und keine Zeit zu verlieren. Bis zu den Winterspielen sind es noch zwei Jahre, und die Zeit wird wie im Flug vergehen.“

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Ondrej Rybar zurück als Cheftrainer der Tscheche*Ondrej*

Ondrej Rybar, der nach Pyeongchang 2018 seinen Cheftrainer-Posten bei den Männern aufgegeben hatte, um Sportdirektor für Tschechien zu werden, ist zurück im alten Job. Auch seinen Management-Posten wird er behalten. Unter Rybars Führung entwickelte sich die tschechische Mannschaft im letzten Jahrzehnt zu einer festen Größe im Biathlon. Er gab seinen Posten auf, um weniger unterwegs zu sein und mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. 

Mit Rybars Rückkehr als aktiver Trainer übernimmt Aleš Liguan von nun an die Rolle seines Assistenten. Zdeněk Vitek wechselt als Trainer von der Männermannschaft zum B-Team (IBU Cup).

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Umorganisation

Rybar sagte zu den Wechseln: „Ich sehe das nicht als radikale Veränderung. Die Mannschaft ist immer noch von Menschen umgeben, die schon lange zusammenarbeiten. Ich würde eher sagen, dass wir das Team ein wenig umorganisiert und die Aufgaben neu verteilt haben. Wir suchen nach dem besten Weg, ein anspruchsvolles Pensum zu bewältigen. Bleky (Vitek) hatte auch im Vorfeld den Wunsch geäußert, mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. Von den Trainern bis zu den Technikern geben wir alle unser Bestes, aber wie alle anderen haben wir auch ein Privatleben. Deswegen sind solche Umstrukturierungen manchmal nötig.“

Zu seinen und Liguans täglichen Aufgaben sagte er weiter, er werde nicht bei jedem Wettkampf oder Trainingslager dabei sein. „Aleš wird den gesamten Weltcup mitmachen. Für ihn gibt es da viel zu lernen. In meiner Rolle geht es nicht um die tägliche Arbeit mit den Athletinnen und Athleten, sondern darum, für einen einheitlichen Ansatz zu sorgen.“

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Hönig wechselt von Deutschland nach Österreich

Eine weitere große Veränderung am Schießstand ist Gerald Hönigs Wechsel von Deutschland nach Österreich. Der 61-jährige Hönig wird dort an der Seite von Markus Fischer als Schießtrainer der österreichischen Frauen arbeiten. Hönig war von 2014 bis 2018 Cheftrainer der deutschen Frauenmannschaft.

Zu seiner neuen Position in Österreich sagte der Trainer mit 13 Jahren Erfahrung in der deutschen Weltcup-Mannschaft: „Ich bedanke mich beim DSV für eine wunderschöne Zeit, in der ich tolle Menschen kennenlernen und große Erfolge feiern durfte. Jetzt gehe ich voll motiviert eine neue Herausforderung an. Es steckt sehr viel Potential in der österreichischen Frauenmannschaft – das haben Lisa Theresa Hauser und Katharina Innerhofer bereits bewiesen. Unser Ziel ist, alle Athletinnen individuell zu verbessern... und um Podestplätze mitzukämpfen.“

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*Neuer deutscher Schießtrainer *

Hönigs Nachfolger als Schießtrainer der deutschen Mannschaft ist ein weiterer erfahrener Veteran des Sports, Engelbert Sklorz. Sklorz trainierte Arnd Peiffer und auch an der Bundespolizeisportschule Bad Endorf. Der DSV-Sportdirektor Biathlon, Bernd Eisenbichler, dazu: „Wir freuen uns, dass wir Engelbert Sklorz gewinnen konnten. Von der Erfahrung eines einen ausgewiesenen Schieß-Experten werden wir profitieren.“

Gleichzeitig kündigte der DSV die Rückkehr des ehemaligen Frauen-Co-Trainers Tobias Reiter zur deutschen Mannschaft an. Er wird zusammen mit Peter Sendel die 1b-Damen betreuen, der schon seit Jahren mit dieser Gruppe arbeitet.

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Schweden holt sich Erfahrung ins Team

Die schwedische Mannschaft war zuletzt in den Schlagzeilen, also die fünffach olympisch dekorierte Langläuferin Stina Nilsson ihren Wechsel zum Biathlon ankündigte. Sie tritt damit in den Fußstapfen von Magdalena Forsberg und Anna Karin (Olofsson) Zidek, die auch aus dem Langlauf gekommen waren. Auch hinter den Kulissen gab es einige Veränderungen im Verband

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Nationalmannschafts-Managerin Anna Maria Uusitalo

Die ehemalige BMW IBU Weltcup-Athletin Anna Maria (Nilsson) Uusitalo ist zur Sportmanagerin ernannt worden. Diese Rolle ersetzt die Nationalmannschafts-Managerin. Uusitalo wird direkt mit den Elite-Mannschaften zusammenarbeiten und ist verantwortlich für Trainer und Personal. Der Generalsekretär des schwedischen Verbandes Bengt Jonsson sagte: „Wir freuen uns, Anna Maria in unserem Elite-Zentrum in Östersund begrüßen zu können. Ihre Ernennung ist von Athletinnen, Athleten, Trainerinnen und Trainern gut aufgenommen worden. Es ist schön, jemanden gefunden zu haben, der in unserem System groß geworden ist und im Verband schon viele Funktionen innegehabt hat.“

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Jean Marc Chabloz

Der vierfache Schweizer Olympionike Chabloz, der seit 2003 in Schweden trainiert und arbeitet, stößt als zweiter Schießtrainer zur schwedischen Weltcup-Mannschaft. Cheftrainer Johannes Lukas sagte zum neuen Mitglied des Trainer-Teams: „Wir hatten 12 Athletinnen und Athleten im A-Kader und nur einen Schießtrainer. Das ist gerade noch ausreichend für eine individuelle Betreuung. Wir haben also beschlossen, ins Schießen zu investieren. Jetzt haben wir da zwei Personen und hoffen, dass wir im Winter die Resultate sehen werden.“

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Sanitra wird Cheftrainer in der Ukraine

Juraj Sanitra, der in den vergangenen vier Jahren die ukrainische Männermannschaft betreut hat, wird nun Cheftrainer der Männer und Frauen. Der erfahrene Slowake, der seit Jahren als Trainer aktiv ist, wird nun im Vorlauf zu den Winterspielen 2022 in Peking beide Mannschaften begleiten. Gegenüber xsport.ua sagte er: „Wir brauchen ein gutes, freundliches Team... Ich habe mit allen Athletinnen und Athleten gesprochen, weil es wichtig war, ihre Meinung zu kennen... Ich bin mir sicher, dass mir alle einschließlich der anderen Trainer und Betreuer bei der neuen Aufgabe helfen werden... Ich mag große Herausforderungen...“

Unter Sanitra an der Spitze werden Alexey Kravchenko und Roman Pryma die Männer trainieren, während Alexander Bilanenko und Igor Yashchenko mit der Frauenmannschaft arbeiten werden.

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Reinhard Gösweiner nach Weißrussland

Der ehemalige Trainer der österreichischen Herren, Reinhard Gösweiner, der zuletzt mit den österreichischen Junioren gearbeitet hatte, ist der neue Cheftrainer der weißrussischen Frauenmannschaft. Gösweiner machte aus einem vielversprechenden Junior Dominik Landertinger einen Weltmeister. Er wird mit dem zehnfach bei IBU WMs dekorierten Oleg Ryzhenkov und einer starken Frauenmannschaft zusammenarbeiten, zu der auch die Staffel-Olympiasiegerinnen von 2018 Iryna Kryuko und Dzinara Alimbekava gehören. Ein weiterer Österreicher, Benjamin Eder, der Ehemann von Mari (Laukkanen) Eder, wird Gösweiner begleiten und im nächsten Winter zum Service-Team stoßen.

Andrei Padin, der in den letzten Jahren verschiedene Trainerposten in der russischen Mannschaft bekleidet hatte, trainiert nun die weißrussische Männermannschaft.

Photos: IBU/Petr Slavik, Christian Manzoni, Jerry Kokesh, Svenska Skidskytteförbundet, Belarus Biathlon Federation

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