IBU Pressemitteilung: Außerordentliche Sitzung des IBU Vorstands

IBU Pressemitteilung: Außerordentliche Sitzung des IBU Vorstands

Entscheidung über weitere Schritte bezügliches des McLaren-Berichts

22. Dezember 2016

München, Deutschland

Im Lichte der alarmierenden Erkenntnisse im zweiten Teil des McLaren-Berichts (IP-Bericht), hat die IBU dessen Analyse zur obersten Priorität erklärt und hat den IBU Vorstand aufgerufen in seiner außerordentlichen Sitzung über die weiteren erforderlichen Schritte zu entscheiden. In Folge einer ersten Prüfung des Berichts fand heute in München die 127. Vorstandssitzung statt.

Die IBU hat alle von der WADA zur Verfügung gestellten und empfohlenen Dokumente heruntergeladen und erhalten. Allerdings haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine endgültige Bestätigung von der WADA und/oder dem IP-Team dazu erhalten, ob die verfügbaren Dokumente im Hinblick auf die Befugnis der IBU aufgrund der Resultate zu handeln, vollständig sind.

In der Sitzung wurden die Vorschläge der vom Vorstand am 12. Dezember 2016 gegründeten Arbeitsgruppe, welche aus Experten im Bereich Dopingbekämpfung und mit Erfahrung in den Bereichen Medizin, Recht und Ergebnismanagement besteht, erörtert.

Der ständige Kontakt und Informationsaustausch mit der WADA und dem IOC war konstruktiv.

Insgesamt hat die IBU 31 Executive Summaries (Kurzzusammenfassungen) über 31 AthletInnen erhalten, wobei eine(r) nur auf nationaler Ebene an Wettkämpfen teilnahm und ein(e) andere(r) von der RBU bereits aufgrund derselben Probe, über welche auch von McLaren berichtet wurde, bereits suspendiert wurde.

Nach einer gründlichen Prüfung der mit heutigem Stand zur Verfügung stehenden Informationen, hat der Vorstand die folgende Entscheidung*  getroffen:

1.    Kenntnisnahme der Einleitung von Disziplinarverfahren durch das IOC**  gegen zwei AthletInnen;

2.    Verhängung von vorläufigen Suspendierungen gegen zwei AthletInnen als Folge der Einleitung der IOC-Disziplinarverfahren;

3.    Einleitung einer formellen Untersuchung durch die IBU gegen die RBU und 29 im McLaren-Bericht 2 aufgeführte AthletInnen (vergleichbar mit Fällen, in denen positive Laborberichte vorliegen) in Bezug auf Fälle, die nicht mit den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi in Zusammenhang stehen (wobei die beiden oben genannten AthletInnen mitumfasst sind), d.h.

i.    Unterrichtung des/der jeweiligen AthletIn und des russischen Verbands,

ii.    Setzung einer Frist zur Stellungnahme zu den Vorwürfen,

iii.    weitere Untersuchung durch die Anti-Doping-Gremien der IBU und die Arbeitsgruppe;

iv.    Entscheidung, ob der Fall gegenüber dem Anti-Doping-Anhörungsausschuss (Anti-Doping Hearing Panel – im Folgenden als ADHP bezeichnet) angezeigt werden soll oder nicht;

v.    Entscheidung des Falls durch das ADHP, gegebenenfalls mit der Möglichkeit der Berufung vor dem CAS.

4.    Zu diesem Zeitpunkt wurden keine vorläufigen Suspendierungen von AthletInnen, welche vom McLaren-Bericht 2 nicht im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi genannt wurden, ausgesprochen.

Der Vorstand hat die Arbeitsgruppe beauftragt, weitere Untersuchungen vorzunehmen. Über die Frage, ob Anzeigen gegenüber dem ADHP erfolgen sollen, wird in Zusammenarbeit mit Rechtsexperten und der WADA, die der IBU ihre Unterstützung angeboten hat, entschieden.

Heute hat die RBU die IBU darüber informiert, dass die Jugend- und Junioren-Weltmeisterschaften 2017, die ursprünglich an Ostrov vergeben wurden, und der BMW IBU Weltcup 8 2017, der an Tyumen vergeben wurde, an die IBU zurückgegeben werden.

Über die Verlegung der beiden oben genannten Veranstaltungen wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Der IBU-Präsident Anders Besseberg sagte nach der Sitzung:

„Dies ist ein wichtiger erster Schritt der Russischen Biathlon-Union, mit dem sie der IBU und der Sportwelt zeigt, dass die aktuelle Situation sehr ernst genommen wird. Dies erlaubt es der internationalen Biathlonfamilie nun, sich während dieser Veranstaltungen auf Biathlon zu konzentrieren.

Die Erkenntnisse des McLaren-Berichts zeigen schwerwiegende Probleme im russischen Sport und seinem Anti-Doping-Kontrollsystem auf. Die IBU nimmt alle diese Informationen sehr ernst; es ist nun an uns, im Einzelnen herauszufinden, welches Ausmaß dieses Problem im russischen Biathlon hat.

Die IBU hat im Bereich des Dopings immer eine Null-Toleranz-Strategie auf allen Ebenen angewandt und die zwei-jährige Sperre eines früheren IBU-Offiziellen, Gottlieb Taschler, auf alle IBU-Veranstaltungen bis zum 12. Juni 2018 ausgeweitet. Der Kampf gegen Doping ist nicht einfach und eine unserer Top-Prioritäten. Dies ist wichtig, um die Zukunft unseres Sports zu sichern und das Vertrauen unserer Teams, AthletInnen, Mitgliedsverbände, Partner und Fans aufrecht zu erhalten.

Alle AthletInnen verdienen es, dass kein Schatten auf ihre Leistungen geworfen wird und dass sie ohne Zweifel an Wettkämpfen teilnehmen und sich ganz auf ihren Sport konzentrieren können.

Nichtsdestotrotz ist ein Verdacht nicht ausreichend, um Sanktionen zu verhängen, und wir werden weiterhin professionell vorgehen, alle Optionen berücksichtigen, aber wir werden nicht nur aufgrund eines Verdachts handeln. Die korrekte Anwendung der Regeln muss für alle gelten – für die Schuldigen und die Nicht-Schuldigen.“

Die IBU wird die Öffentlichkeit auf biathlonworld.com über weitere Schritte auf dem Laufenden halten.

Über die IBU

Die Internationale Biathlon-Union ist die internationale Dachorganisation aller Organisationen, die den Biathlonsport vertreten und welche ein Interesse an diesem Sport haben. Die IBU wurde 1993 als unabhängiger Verband unter dem Dach der UIPMB neben dem UIPM (Union Internationale de Pentathlon Moderne) gegründet. Die IBU hat sich von dem UIPMB 1998 abgespalten. Die nationalen Verbände sind Mitglieder der IBU, wobei deren gemeinnützige Zwecke international von der IBU vertreten werden.

Die IBU ist eine Nichtregierungs- und gemeinnützige Organisation mit Sitz in Salzburg, Österreich. Die IBU vertritt außerdem den Biathlonsport in anderen nationalen Organisationen.

*Der erste Vize-Präsident der IBU, der auch Mitglied des Vorstands der Russischen Biathlon-Union ist, hat sich nicht an den Entscheidungen beteiligt.

**Proben, die zwischen dem 31. Januar 2014 und dem Ende der Olympischen Spiele genommen wurden, unterliegen der Befugnis des IOC zum Ergebnismanagement

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