JT Boe's beeindruckende Meisterleistung

JT Boe's beeindruckende Meisterleistung

Als die Saison 2019/2020 schließlich beendet war, saß JT Boe, der erleichtertste Gesamtpunktsieger des BMW IBU Cup, den man sich vorstellen kann, mit einer Tasse Tee im Clubhaus des Organisationskomitees in Kontiolahto und unterhielt sich mit Emilien Jacquelin.

„Ich habe heute gefährlich gelebt, ich habe keine Ahnung, wie ich die letzten fünf Ziele getroffen habe, aber irgendwie hat es geklappt“, sagte er.

JT Boe's beeindruckende Meisterleistung

** Ein rasanter Start**

Der Sprint in Östersund war für JT Boe der erste Wettkampf und der erste Sieg in der Saison 2019/2020, doch er spürte, dass die Situation sich im Vergleich zur vorigen Saison, in der er das Feld wie niemand sonst zuvor dominiert hatte, dramatisch verändert hatte.

Ich konnte heute spüren, dass andere jetzt schneller sind als in der letzten Saison, und das Schießen wird wichtiger denn je sein. In dieser Saison kann ein Fehlschuss im Sprint einer zu viel sein“, sagte JT.

JT wusste bereits zu Beginn der Saison 2019/2020, dass er nur im ersten Trimester bei allen Wettkämpfen teilnehmen würde, da seine Frau Hedda Anfang Januar 2020 ihr erstes gemeinsames Kind erwartete, und er seine Rückkehr nicht wirklich planen konnte. Er siegte beim Sprint in Östersund und Hochfilzen, bei der Verfolgung in Hochfilzen und Annecy-Le Grand Bournand und beim Massenstart in Annecy-Le Grand Bournand, und demonstrierte dabei nicht nur das hohe Tempo auf den Ski, für das er bekannt ist, sondern verbesserte auch seine Schießstatistik: Im Liegen räumte er 90% aller Ziele ab, im Stehen 89%. Im ersten Trimester holte er 53,4 Punkte pro Wettkampf.

Trotz 5/7 Siegen bei den Einzelwettkämpfen lief JT Boe zu absoluter Hochform auf, als er Benedikt Doll in der letzten Runde der Staffel in Hochfilzen verfolgte und schließlich überholte. Soviel Naturtalent, Durchhaltevermögen und Entschlossenheit sieht man selten.

JT Boe's beeindruckende Meisterleistung

Zeit für Gustav

Als JT kurz vor Weihnachten Frankreich verließ und nach Norwegen aufbrach, vermutete er, dass sein Bruder Tarjei, der in den ersten drei Wochen der Saison eine exzellente Leistung gezeigt hatte, und Fillon Maillet aus seiner Elternzeit den größten Vorteil ziehen würden. Fourcade erwähnte er nicht. Doch er irrte sich, denn in seiner Abwesenheit verschaffte Fourcade sich in Oberhof und Ruhpolding beim restlichen Feld Autorität: Er siegte bei beiden Sprints, im Massenstart und der Verfolgung, schoss wie nie zuvor (78/80 in den beiden Wochen, einschließlich Nachlader in Staffelwettkämpfen) und übernahm das Gelbe Trikot von JT Boe.

Gustav erblickte das Licht der Welt, und JT konnte gerade noch seine Taschen packen und fast ohne Training nach Pokljuka reisen. Er schwelgte im Glück, verließ sich auf seine natürliche Begabung und tat genau das, was er tun musste, um Fourcades schnell wachsendes Selbstbewusstsein zu zähmen: Er schoss 20/20 im Einzel und siegte. Und während beide Champions sehr vorsichtig über den Kampf um den Gesamtpunktsieg redeten, wandte sich die Aufmerksamkeit allmählich den IBU Weltmeisterschaften in Antholz-Anterselva 2020 zu.

JT Boe's beeindruckende Meisterleistung

Der Massenstart in Antholz brachte die Wende

Antholz 2020 begann für JT Bö enttäuschend, denn er verfehlte im Sprint einmal und wurde nur Fünfter. Fillon Maillet hatte ebenfalls einen Fehlschuss, war aber 17,5 Sekunden schneller als der Norweger und holte Silber. Fourcade wurde Dritter und baute seine Führung im Gelben Trikot aus. In der Verfolgung unterlag JT in einem taktischen Sprint um den ersten Platz Jacquelin, Fourcade wurde Vierter. Dann siegte Fourcade (19/20) im Einzel, nachdem JT (18/20) beim letzten Stehendschießen, bei dem er wusste, dass es um Gold ging, einmal verfehlt hatte.

Zu einer Zeit, in der Fourcade ähnlich Bjoerndalen in den Einzelwettkämpfen der IBU Weltmeisterschaften rekordverdächtige elf Goldmedaillen holte und Frankreich Norwegen in der Staffel schlug, spielte JT nichts in die Hände. Der Massenstart war seine letzte Chance auf Einzelgold in Antholz und (höchstwahrscheinlich) seine letzte Chance, im Kampf um den Gesamtpunktsieg wieder zu Fourcade und Fillon Maillet aufzuschließen. JT blieb ruhig, konzentrierte sich aufs Schießen und wartete, dass der große Ehrgeiz des französischen Teams, das Antholz dominierte, im helfen würde: Am Ende des Tages war JT der einzige Athlet mit 20 Volltreffern, Fillon Maillet verfehlte dreimal und holte (trotzdem) Silber, so schnell war er auf den Ski, während Fourcade ebenfalls dreimal danebenschoss, jedoch bei seinen Comeback-Versuchen so viel Energie verbrauchte, dass er auf den letzten paar hundert Metern wertvolle Plätze an Simon Desthieux und Felix Leitner verlor und Siebenter wurde.

JT Boe's beeindruckende Meisterleistung

In einem für den Biathlon typischen Drama sah JT plötzlich mehr, als die Tabelle zeigte: eine realistische Chance, mit beiden Franzosen gleichaufzuziehen und bis zum Saisonende die meisten Wettkampfsiege zu holen. Noch war niemanden bewusst, welche Rolle das sich schnell ausbreitende Covid-19-Virus in den letzten drei (geplanten) Wochen spielen sollte, aber trotzdem sagte JT vor seiner Heimreise: „Ich werde beides machen, mit meiner Familie entspannen und an den Gesamtpunktsieg denken.“

In seinem Element

JT hatte seinen besten Sprint der Saison, als er in am meisten brauchte: In NMNM schoss er 10/10 und rückte näher auf zu Fourcade, der Sechster wurde, und Fillon Maillet, der Zweiter wurde.

„Es ist seltsam ohne Zuschauer, aber als Topathlet muss man sich an alles anpassen. Ich muss Tag um Tag konzentriert bleiben, hoffentlich weiter siegen und sehen, was passiert“, sagte der Norweger. Dann holte er beim Massenstart in NMNM den Sieg, als der Franzose Probleme mit seinen Ski hatte, doch insgesamt betrachtet machte dieser Pechtag für das französischen Wachsteam den des norwegischen Wachsteams wett, den es beim Einzel in Östersund gehabt hatte.

JT Boe's beeindruckende Meisterleistung

JT erlebte beim Sprint in Kontiolahti eine weitere Sternstunde und lebte bei der Verfolgung, wie er sagte, gefährlich, doch es reichte gerade, um Vierter zu werden und den zweiten Gesamtpunktsieg in Folge zu holen – mit nur zwei Punkten Vorsprung vor Fourcade, der natürlich den letzten Wettkampf seiner Karriere gewann.

Die von siwidata gesammelten und ausgewählten Daten zeigten, dass JT im Laufe der Saison 53,7 Punkte pro Wettkampf holte, Fourcade 47,9 und Fillon Maillet 44,4. Wenn man bedenkt, dass 19 (der 21 abgeschlossenen) besten Saisonergebnisse in die Gesamtwertung einflossen und JT an 17 Wettkämpfen teilnahm (und daher zwei Nullen auf seinem Konto hatte), ist anzunehmen, dass er mit seinen durchschnittlich 53,7 Punkten pro Wettkampf noch weitere 107 Punkte geholt und die Saison mit 1.020 Punkten beendet hätte, wenn er an 19 Wettkämpfen teilgenommen hätte. Das wären deutlich mehr als Fourcades 911 und Fillon Maillets 843.

Aus diesem Grund war Fourcade immer der Erste, der zugab, dass JT Boe weltweit der Beste ist.

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