Julia Simon schafft ersten Karrieresieg in Verfolgung von Kontiolahti

Julia Simon schafft ersten Karrieresieg in Verfolgung von Kontiolahti

Julia Simon aus Frankreich blieb beim letzten Schießen an diesem Nachmittag fehlerfrei und sicherte sich so ihren ersten Weltcupsieg der Karriere in 30:43,5. Sie schwenkte die Tricolore, als sie die Ziellinie überquerte. Simon leistete sich zwei Fehler und landete 17,3 Sekunden vor der Schweizerin Selina Gasparin, die trotz vier Fehler mit Rang zwei Saisonbestleistung schaffte. Rang drei ging an Lisa Vittozzi aus Italien, ebenfalls mit vier Fehlern und einem Rückstand von 20,9 Sekunden.

Julia Simon schafft ersten Karrieresieg in Verfolgung von Kontiolahti

Sprachlos
Simon war nach ihrem Sieg sprachlos. „Ich kann es nicht glauben. Heute war verrückt. Keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, aber beim letzten Schießen sind alle Scheiben gefallen. Es war super. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“ Für sie war Fourcades heutiger Sieg eine große Inspiration. „Er ist unglaublich, ein toller Kerl. Er hat dem Sport und dem französischen Biathlon so viel gegeben. Es ist unglaublich, dass ich meinen ersten Sieg und er gleichzeitig seinen letzten errungen hat.“

Julia Simon schafft ersten Karrieresieg in Verfolgung von Kontiolahti
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Heimrennen für Kaisa
Kaisa Mäkäräinen aus Finnland schoss vier Fehler und wurde Vierte, 28,2 Sekunden zurück. Es war ihr letztes Rennen der Karriere. Die dreimalige Weltcupgesamtsiegerin hatte Tränen in den Augen, als sie über ihr Karriereende auf ihrer Heimstrecke sprach: „Ich habe nicht erwartet, dass es in meiner Heimat passieren würde. Aber wir können nicht alle Schritte im Leben planen und ich bin froh, dass es so gekommen ist. Ich werde meine Freunde vermissen, gegen die ich so lange angetreten bin. Die Biathlonfamilie ist etwas Besonderes. Sie werden mir am meisten fehlen.“

Respekt für Kristallkugeln
Nach ihrer schönsten Erinnerung gefragt, meinte Kaisa: „Das ist schwierig. Natürlich habe ich größten Respekt für alle Kristallkugeln, die ich je gewonnen habe. Wahrscheinlich werden sie mir nach meinem Karriereende noch mehr bedeuten als während meiner aktiven Zeit.“

Monika Hojnisz-Starega aus Polen wurde mit zwei Fehlern Fünfte, 39,9 Sekunden zurück. Platz sechs ging an Mona Brorsson aus Schweden wurde Sechste mit einem Fehler und einem Rückstand von 42,8 Sekunden.

Julia Simon schafft ersten Karrieresieg in Verfolgung von Kontiolahti

Wierers Gesamtsieg: „Einfach fantastisch“

Dorothea Wierer aus Italien würde Elfte mit fünf Fehlern und einem Abstand von 57,8 Sekunden. Sie landete damit einen Platz hinter der Norwegerin Tiril Eckhoff – und genau das machte den Unterschied. Wierer verteidigte die Führung in der Weltcupgesamtwertung gegen Eckhoff. Es ist ihre zweite Große Kristallkugel hintereinander. Wierer gewann mit 793 Punkten vor Eckhoff 786 Punkten. Eckhoff sicherte sich aber den Sieg in der Verfolgungswertung. Wierer errang noch die kleine Kristallkugel in der Massenstartwertung.

Die fröhliche Italienerin fühlte sich nach diesem harten Wettkampf und dem Druck, der zuvor auf ihr gelastet hatte, ziemlich ausgelaugt. „Ich kann es noch gar nicht realisieren. Ich war sicher, dass ich es nicht schaffen würde, weil ich so weit zurücklag. Ich habe nicht gut geschossen. Daher ist es umso fantastischer.“

„Kämpfe und gib alles“

Seit Magdalena Forsbergs letztem von sechs Gesamtsiegen 2002 hatte keine Frau mehr zwei Große Kristallkugeln hintereinander gewonnen. Wierer sagte: „Gestern war mein schlechtestes Rennen mit drei Fehlern. Ich dachte mir, Platz zwei ist auch gut. Aber meine Trainer haben mir gesagt, ich soll kämpfen und alles geben, denn es ist das letzte Rennen. Ich habe alles aus mir herausgeholt, aber ich war so müde – geistig und körperlich. Das ist so wahnsinnig toll für mich und mein Team… Letzten Sommer hätte ich mir so eine Saison nicht vorstellen können. Ich brauche erst einmal Zeit, all das zu verarbeiten. Es war super intensiv und ich stand unter enormem Druck. Heute bin ich geistig und körperlich an meine Grenzen gegangen. Aber es ist super (zu gewinnen)!“

Julia Simon schafft ersten Karrieresieg in Verfolgung von Kontiolahti

Sonniges letztes Rennen
Als Denise Herrmann im letzten Rennen der BMW IBU Biathlonsaison 2019/2020 als Gejagte auf die Strecke ging, kam die Sonne heraus und die Temperaturen lagen bei -6°C. Der deutsche Star schoss aufgrund des Winds langsam, musste aber dennoch zweimal in die Strafrunde beim ersten Liegendanschlag. Franziska Preuss blieb fehlerfrei und übernahm die Führung, 30 Sekunden vor Herrmann und Vittozzi, die auch eine Scheibe stehengelassen hatte. Fünf Sekunden dahinter folgten Simon und Marketa Davidova.

Davidova führt

Herrmann kämpfte sich auf den nächsten 2km zurück und kam bis zum zweiten Liegendanschlag auf 20 Sekunden heran. Der Wind frischte auf und Preuss und Herrmann schossen jeweils vier Fehler. Davidova blieb fehlerfrei und übernahm die Führung, 22 Sekunden vor Vittozzi und Simon. Sechs andere, darunter Eckhoff und Wierer, bildeten 14 Sekunden dahinter die Verfolgergruppe.

Eckhoff holt auf
Davidova flog über den Schnee und baute ihren Vorsprung bis zum ersten Stehendschießen etwas aus. Eckhoff kämpfte sich auf Rang vier nach vorn. Hinter ihr folgte ein großes Rudel. Davidova schoss zwei Fehler, Simon einen. Dahinter blieb Eckhoff fehlerfrei und übernahm die Führung. Simon folgte. Hojnisz-Starega lag auf Platz drei, 9 Sekunden zurück. Weitere drei Sekunden dahinter folgte Vittozzi.

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Tadelloses letztes Schießen sichert Führung
Die schnelle Eckhoff gab bis zum letzten Stehendschießen alles, um bei diesen windigen Bedingungen ein kleines Sicherheitspolster zu haben. Die junge Simon schoss neben Eckhoff, während die Norwegerin die Böen abwartete. Simon machte eine Gefangenen, feuerte schnell und tadellos und ging 30 Sekunden vor Vittozzi auf die Schlussrunde. Die Italienerin hatte eine Scheibe verfehlt. Gasparin blieb ebenfalls fehlerfrei und schnappte sich Rang drei, 37 Sekunden hinter Simon und 7 Sekunden vor Hojnisz-Starega.

Julia Simon schafft ersten Karrieresieg in Verfolgung von Kontiolahti
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Mit wehender Fahne
Simon kontrollierte die letzte Runde. Sie nahm eine französische Flagge und schwenkte sie überglücklich, während sie ihren ersten Karrieresieg genoss. Die erfahrene Gasparin zündete den Turbo, überholte Vittozzi und erkämpfte sich Platz zwei. Kaisa Mäkäräinen hatte nach dem Schießen auf Platz sechs gelegen. Die Wand hinauf griff sie noch einmal das Podium an, wurde am Ende aber Vierte. Mit der französische Flagge über die Ziellinie zu fahren, beschrieb Simon als „unglaublich“. Als ich meinen letzten Schuss abgegeben hatte, wollte ich einfach nur noch ins Ziel kommen und den Sieg mit meinen Teamkollegen teilen. Einfach fantastisch.“

Photos: Christian Manzoni

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