Kaisa, Heldin der Aufholjagd: Version KaisaKON1.5 oder Version KaisaTMN1.8?

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Die Stimmen sind ausgezählt, und die Siegerin im Kampf der Momente steht fest: Kaisa Mäkäräinen ist die Heldin der Aufholjagd. Nur eine Frage bleibt noch offen. War die Version KaisaKON1.5, die im Heimstadion Bronze bei einer IBU WM gewann, besser als die Version KaisaTMN1.8, die sich zum dritten Mal den Gesamtsieg im IBU Weltcup der Frauen holte?

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Letzte Runde: Kaisa gegen Kaisa, Martin gegen Laura

Jetzt ist es Zeit für die letzte Abstimmungsrunde, nachdem Mäkäräinen im ersten Halbfinale Martin Fourcade mit dem Massenstart 2018 in Ruhpolding und im zweiten Halbfinale Laura Dahlmeier mit dem Massenstart von NMNM 2016 geschlagen hatte. Damit es spannend bleibt, haben wir noch ein kleines Finale zwischen Fourcade und Dahlmeier angesetzt, um auch den dritten Podestplatz neben Kaisa noch zu vergeben. Stimmen Sie in unserer Instagram Story @ibu_biathlonworld mit ab. Die letzte Abstimmungsrunde läuft für 24 Stunden.

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Tränen, eine Krone und zwei Glanzleistungen

In beiden Rennen zeigte Mäkäräinen die Entschlossenheit, den Kämpfergeist, die Bescheidenheit und den Charme, die so typisch für sie waren. Die Medaille an einem kalten Winterabend in Kontiolahti, gefolgt von Tränen und Umarmungen und der großen Kristallkugel nebst Krone für „Königin Kaisa“ im ebenso dunklen Tyumen waren hart erkämpft, wie auch jeder andere Meilenstein, den sie erreichte. Leicht ist dieser Frau der Biathlon wirklich nicht gefallen. In den Anfängen ihrer Weltcup-Karriere hagelte es zweistellige Resultate, bis sie sich am 15. Dezember 2007 zum ersten Mal aufs Podest kämpfte, als Zweite hinter der französischen Legende Sandrine Bailly im Sprint von Pokljuka. Bis zu diesem Tag dachten viele Leute, wenn sie Mäkäräinen sahen, „Klasse Langläuferin, aber das wird vermutlich nie ne tolle Biathletin.“ Von wegen. Sie stellte ihr Format wieder und wieder unter Beweis, vor allem bei diesen zwei Glanzleistungen.

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Finale um den Heldinnentitel
Kaisa Mäkäräinen, Massenstart Tyumen 2018, vs. Kaisa Mäkäräinen, 15 km Einzel IBU WM Kontiolahti 2015

Tyumen
In diesem letzten Rennen der Saison stand wirklich alles auf dem Spiel. Die Finnin im gelbroten Trikot lag sowohl in der Weltcup-Gesamtwertung als auch in der Massenstartwertung knapp vor Anastasiya Kuzmina. Sie musste unbedingt besser abschneiden als die mehrfache Olympiasiegerin aus der Slowakei, um sich die beiden Trophäen zu sichern. Es waren 35 Minuten voller Spannung, Bangen und Hoffen. War das Kaisas bester Auftritt?

Mäkäräinen sicherte sich ihren dritten Sieg im Gesamtweltcup mit einem beeindruckenden 6. Platz im Massenstart von Tyumen 2018. Die Finnin begann ihr Rennen mit einem Fehler im ersten Liegendanschlag und fiel auf Rang 18 zurück. Nach fehlerfreiem zweiten Liegendschießen lag sie auf Rang 12 mit 11 Sekunden Rückstand. Nach zwei Fehlern im ersten Stehendschießen schien schon alles verloren: Rang 20, 51 Sekunden Rückstand. Typisch für Kaisa kam sie dann ohne Fehler durch das letzte Stehendschießen, lag aber immer noch auf Rang 9 mit 32 Sekunden Rückstand. Sie raste wie ein geölter Blitz über die letzte Runde und überholte drei Rivalinnen, darunter auch Kuzmina, ihre Rivalin um den Sieg im Gesamtweltcup. Mäkäräinen kam nur 17,4 Sekunden hinter der Siegerin Domracheva ins Ziel. Sie sicherte sich die große Kristallkugel mit einem Vorsprung von gerade einmal 3 Punkten.

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Kontiolahti
Jede Biathletin, die schon einmal vor heimischem Publikum bei einer IBU WM angetreten ist, wird bestätigen, dass man das nie vergisst. Aber diese unvergessliche Erfahrung geht auch mit großem Leistungsdruck und hohen Erwartungen einher. Niemand weiß das besser als die Finnin. Als die Weltmeisterschaften nach Kontiolahti vergeben wurden, ging sie davon aus, dass sie nicht dabei sein würde. „Ich würde dann 32 sein und vermutlich nicht mehr aktiv.“ Aber an diesem Abend im März 2015 stand sie doch am Start, im 15 km Einzel, der Disziplin, in der sie nur 6 der 85 Podestplätze ihrer Karriere erringen sollte. Nach einem völlig enttäuschenden 34. Platz im Sprint mit satten fünf Fehlern und einem immer noch enttäuschenden 12. Platz in der Verfolgung waren die Erwartungen groß und die Medaillenchancen klein. In der letzten Runde sollte es sich entscheiden. Mäkäräinen holte wieder auf, schüttelte den enormen Erfolgsdruck ab und machte diese IBU WM in ihrer Heimat zu einem unvergesslichen Erlebnis. War dies ihre beste Aufholjagd?

In ihrem Heimstadion in Kontiolahti holte Mäkäräinen zwei Strafminuten wieder auf und gewann 2015 bei den IBU Weltmeisterschaften die Bronzemedaille im 15 km Einzel. Das einzige Ziel der Finnin bei diesen Weltmeisterschaften war es gewesen, wenigstens eine Medaille zu gewinnen. Sie kam mit einer schnellen ersten Runde und einem fehlerfreien ersten Liegendschießen gut ins Rennen. Im ersten Stehendschießen fing sie sich eine Strafminute ein und fiel zurück auf Rang 6 mit 56 Sekunden Rückstand. Im zweiten Liegendschießen kam eine weitere Strafminute dazu, aber sie flog förmlich über die vertrauten Strecken, und so betrug der Rückstand „nur“ 1:47. Mit einem perfekten letzten Stehendschießen verkürzte sie die Zeit auf 1:10 und bereitete ein spektakuläres Finale vor. Auf den letzten drei Kilometern lief Mäkäräinen wie besessen und holte Schritt um Schritt auf, bis sie im Zielbereich in den Schnee fiel, gerade einmal 24,4 Sekunden hinter der Goldmedaillengewinnerin Ekaterina Yurlova-Percht. Kaisa hatte eine Medaille ergattert! „Ich habe heute meinen Job gemacht und mich gefreut, einen guten Tag bei den Weltmeisterschaften erwischt zu haben!“

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Kleines Finale der Aufholjagden
Martin Fourcade, Massenstart RUH 2018, vs. Laura Dahlmeier, Massenstart NMNM 2016

Fourcade war dafür bekannt, praktisch jedes Rennen ruhig und strategisch anzugehen. Er kannte seine Stärken und Schwächen, und auch die seiner Rivalen. Er konnte schnell und langsam schießen, auf der Strecke so aufs Tempo drücken, dass alle anderen blau gingen, oder sich mit entspanntem Tempo an die Ski-Enden der Rivalen hängen. An diesem Tag diktierte der französische Start in beiden Liegendschießen das Tempo, und es sah so aus, als hätte er den Sieg in der Tasche. Fehler im Stehendschießen warfen alles durcheinander. Er brauchte eine neue Strategie und musste zum Jäger werden, um noch einen Podestplatz zu ergattern. Seine Beute waren zwei ihm vertraute französische Mannschaftskameraden und Johannes. Nachdem er die zwei abgehängt hatte, ging ihm in der Aufholjagd auf Johannes schlichtweg die Strecke aus. War dieser Auftritt gut genug, um ihm Platz drei einzubringen?

In diesem Massenstart von Ruhpolding leistete er sich im ersten Stehendschießen zwei Fehler, kämpfte sich aber wieder auf einen zweiten Platz 4,5 Sekunden hinter Johannes Thingnes Boe vor. Der französische Großmeister führte nach dem zweiten Liegendschießen, verfehlte dann zweimal und fiel 42,5 Sekunden hinter seinen norwegischen Widersacher zurück. Im letzten Stehendschießen traf Fourcade sauber und zügig alle Scheiben, nachdem Johannes einmal verfehlt hatte. Fourcade ging auf Rang 4 mit 17,6 Sekunden Rückstand auf die letzte Runde, hatte aber bei 13,6 km schon seine Mannschafskameraden Antonin Guigonnat und Quentin Fillon Maillet überholt und sich auf Rang zwei vorgeschoben. Fourcade sagte zu seiner Aufholjagd: „Ich wusste, dass es mit zwei Fehlern schwer werden würde, Johannes einzuholen... Ich habe alles gegeben, um es aufs Podest zu schaffen.“

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Laura Dahlmeier

Dahlmeier hat vielleicht nicht so viele spektakuläre Aufholjagden in den Schnee gezaubert wie Mäkäräinen oder Domracheva, aber sie ist eine Kämpferin. Nach außen wirkte sie immer ruhig, doch in ihr steckte ein wahre Löwin. Dahlmeier hasste es, zu verlieren. Sie trug die deutsche Frauenstaffel zwölfmal zum Sieg, und zwei der Siege in der Saison 2016/2017 hatte die Staffel einer Dahlmeier‘schen Aufholjagd als Schlussläuferin zu verdanken. Zum Massenstart in NMNM sagte sie: „Nach dem letzten Schießen habe ich gedacht, dass das Podest noch möglich ist. Ich habe eine nach der anderen eingeholt.“ Wäre die letzten Runde noch 100 Meter länger gewesen, hätte sie Koukalová möglicherweise noch den Sieg verhagelt. Verdient Laura für diese Aufholjagd einen Platz neben Kaisa?

Dahlmeier wurde im Massenstart der Frauen 2016 in NMNM Zweite, nachdem sie nach zwei Fehlern im ersten Liegendschießen den Tag eigentlich hätte abschreiben können. Aufgrund der Schneebedingungen war die Strecke auf 12 km begrenzt, sodass zu Beginn eine Doppelrunde von 4 km und danach Runden von 2 km gelaufen wurden. Die lange erste Runde brachte Dahlmeier aus dem Tritt. Die sonst so zuverlässige Liegendschützin verfehlte zweimal und fiel auf Rang 23 mit 51 Sekunden Rückstand zurück. Von da an zeigte sich der deutsche Star treffsicher und rückte beständig auf 19, 12 und dann 5 vor, mit 21 Sekunden Rückstand nach dem letzten Stehendschießen. Marte Olsbu Roeiseland, Dorothea Wierer, Vanessa Hinz und Gabriela Koukalová lagen allesamt vor der Frau im gelben Trikot. Die Tschechin lag vorn, doch Dahlmeier trat aufs Gas und meldete Ansprüche aufs Podest an. 500 Meter vor dem Ziel hatte Koukalová noch sieben Sekunden Vorsprung, die Dahlmeier immerhin noch auf 3,1 Sekunden verkürzen konnte.

Photos: IBU/ Evgeny Tumashov, Rene Miko, Petr Slavik

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