Kein Spielraum für Fehler

Kein Spielraum für Fehler

Aktuell führt JT Boe die Gesamtwertung im BMW IBU-Weltcup erwartungsgemäß an. Doch dicht im Nacken sitzen ihm drei Kontrahenten aus dem eigenen Lager – seine Teamkollegen aus der fast unbesiegbaren norwegischen Herrenstaffel. Auch bei den Damen liegen mit Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Roeiseland aktuell zwei Norwegerinnen ganz vorne. Doch auch die Schwedin Hanna Oeberg darf sich noch große Hoffnungen im Kampf um die Gesamtweltcupwertung machen. Keine dieser drei Athletinnen konnte die Große Kristallkugel in ihrer Laufbahn bisher gewinnen.

Kein Spielraum für Fehler
  • Eckhoff in Topform – auch mental 

Analog zur Vorsaison fand Tiril Eckhoff auch in diesem Jahr in Hochfilzen ihre Topform zurück und mischt im Kampf um den Gesamtweltcup kräftig mit. Seit der zweiten Weltcupwoche in Hochfilzen konnte sie vier Siege und einen zweiten Platz verbuchen. In Sachen Laufleistung ist sie auf einem Level mit Olsbu Roeiseland und ihre Schussgenauigkeit liegt bei herausragenden 92,5 %. Das Gelbe Trikot der Gesamtweltcupführenden liegt derweil weiterhin auf den Schultern von Marte Olsbu Roeiseland. Im Sprintrennen von Oberhof leistete sie sich zwei Fehler und wurde Fünfte. In der Verfolgung hingegen traf sie zu ihrer großen Freude alle 20 Scheiben. Im Sprint versuchte sie, ihre zwei Fehlschüsse auf der Strecke wieder herauszulaufen, was sie jedoch viel Energie kostete. Dieses Quäntchen hat ihr auf der von Taktik geprägten letzten Runde im Oberhofer Verfolgungsrennen wahrscheinlich gefehlt, da Eckhoff all ihre Angriffe abwehren konnte. Hanna Oeberg versenkte im Sprint von Oberhof alle zehn Patronen im Ziel und gewann Silber. Im Verfolgungsrennen hatte sie jedoch Pech, als Marketa Davidova versehentlich ihren Stock erwischte und sie entscheidend aus dem Rhythmus brachte. Die Schwedin leistete sich daraufhin in einem Rennen mit vier Schießeinlagen erneut vier Fehler und wurde am Ende nur Achte. Seit Beginn der zweiten Woche von Hochfilzen sammelte Eckhoff 294 Weltcup-Punkte, Olsbu Roeiseland 238 und Hanna Oeberg 207. Das Momentum ist aktuell klar aufseiten von Tiril Eckhoff.

Kein Spielraum für Fehler

Zwei Dinge stechen bei der Leistung der Norwegerin in dieser Saison besonders hervor – und beide sprechen zu ihren Gunsten:

1. Eckhoff ist es gelungen, die Lethargie, die ihr zu Beginn dieser ungewöhnlichen Saison zu schaffen machte, abzuschütteln. Die Norwegerin ist eine sehr gesellige Athletin. Beim Saisonauftakt in Kontiolahti musste sie indes alle Mahlzeiten allein und abgeschirmt in ihrem Zimmer zu sich nehmen, was ihr sichtlich aufs Gemüt schlug. Entsprechend enttäuschend verliefen die ersten beiden Saisonrennen für sie und endeten ohne einen einzigen Punkt.

2. Als ob die Umstände zu Saisonbeginn nicht schwierig genug gewesen wären, fand der Auftakt 2020/21 ausgerechten in Kontiolahti statt, wo ihr in der Vorsaison der Sieg im Gesamtweltcup beim letzten Schießen aus den Händen glitt. Doch die Norwegerin scheint dieses Trauma überwunden zu haben und macht aktuell einen sehr stabilen Eindruck – sowohl auf der Strecke als auch am Schießstand.

Das Einzige, was sie vielleicht beunruhigen könnte, ist ihr Schießergebnis in der letzten Single-Mixed-Staffel, als sie sich drei Strafrunden einhandelte. Sicherlich sollte man von einem Staffelergebnis keine allzu großen Rückschlüsse auf die Einzelrennen ableiten. Doch ein bisschen besteht die Gefahr, dass gute Einzelleistungen unter einem durchwachsenen Staffelergebnis leiden könnten. So geschehen bei Quentin Fillon Maillet bei der Herrenstaffel in Hochfilzen: Als er die Fehler seiner Teamkollegen wieder herauslaufen wollte, verlor er zunächst den Rhythmus beim Schießen und anschließend auch die Form auf den Ski.

Kein Spielraum für Fehler
  • Nur die Podestplätze bringen den großen Erfolg

JT Boe kommt stark aus der Weihnachtspause zurück: mit einem Sieg im Sprint und einer herausragenden Laufleistung. In der Verfolgung lieferte er sich einen spannenden Kampf um den Sieg und ging beim ersten Stehendschießen volles Risiko. Dabei leistete er sich jedoch gleich vier Strafrunden und musste mit ansehen, wie sein Bruder Tarjei sowie die Teamkollegen Johannes Dale und Sturla Holm Laegreid auf und davonzogen. Tarjei war nach fehlerfreiem Schießen im Sprint (Rang zwei) auch nach den ersten drei Schießeinlagen in der Verfolgung mit einer makellosen Bilanz unterwegs. Doch ausgerechnet im letzten Stehendanschlag zeigte er Nerven und verpasste dadurch den möglichen Sieg. Am Ende der norwegischen Festspiele von Oberhof fügte Laegreid seinem Konto die meisten Punkte (108) hinzu, nachdem er Platz drei im Sprint und den Sieg in der Verfolgung erreichen konnte. Tarjei gewann mit seinem zweiten und dritten Platz 102 Punkte in der Gesamtweltcupwertung dazu, JT verbesserte sich nach seinem Sieg und einmal Platz acht um 96 Punkte. Dale erhielt nach den Rängen fünf und zwei 94 Zähler.

Kein Spielraum für Fehler

Aktuell hat JT Boe als Führender 522 Punkte auf dem Konto, gefolgt von Laegreid (481), Dale (434) und Tarjei Boe (423). Seit der zweiten Woche von Hochfilzen stand Laegreid drei Mal ganz oben auf dem Treppchen, war einmal Dritter und einmal Sechster. JT Boe errang einen Sieg, zwei dritte Plätze, einen siebten und einen achten Platz. Dale war zwei Mal Zweiter sowie je einmal Fünfter, Sechster und 15. Tarjei wurde einmal Zweiter, zwei Mal Dritter sowie je einmal Siebenter und 14. Seit dem zweiten Weltcup in Hochfilzen gewann JT Boe 226 Punkte, Laegreid 266, Dale 212 und Tarjei 213. Das Momentum ist auf der Seite von Laegreid, doch er muss wohl seine Genauigkeit von 94 % am Schießstand beibehalten, um die Attacken seiner laufstärkeren Teamkollegen abwehren zu können. 

Foto: IBU/Christian Manzoni

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