Sturla Holm Laegreid gewinnt bei norwegischem Dreifacherfolg

Sturla Holm Laegreid gewinnt bei norwegischem Dreifacherfolg

Als Sturla Holm Laegreid zum letzten Schießen des Verfolgungsrennens der Herren über 12,5 km in Oberhof kam, lag er 34,3 Sekunden hinter seinem führenden norwegischen Landsmann Tarjei Boe auf Rang drei. Das Schießstadion verließ Laegreid, der sich im Rennverlauf zwei Fehler leistete, dann jedoch mit 14 Sekunden Vorsprung als Erster. Am Ende stand er nach 36:01,8 Minuten ganz oben auf dem Siegerpodest und feierte seinen vierten Tagessieg im BMW IBU-Weltcup. 15,6 Sekunden dahinter kam sein Teamkollege Johannes Dale mit ebenfalls zwei Fehlschüssen auf Rang zwei. Dritter wurde Tarjei Boe (25,4 Sekunden zurück), der sich am Ende drei Strafrunden einhandelte. Einmal mehr war das Treppchen damit ausschließlich mit norwegischen Athleten besetzt.

Sturla Holm Laegreid gewinnt bei norwegischem Dreifacherfolg

Chance genutzt

Laegreid nutzte seine Chance beim letzten Stehendschießen, als er merkte, dass seine Kontrahenten Nerven zeigten. „Es war ein bisschen verrückt, dass die anderen Jungs danebenschossen. Plötzlich ergab sich eine Chance und die habe ich genutzt, auch wenn ich selbst nicht fehlerfrei geblieben bin. Doch mit dem einen Fehlschuss konnte ich mich an die Spitze setzen und lag zehn Sekunden vor Dale. Normalerweise ist er der schnellere Läufer, doch heute konnte ich ihn hinter mir lassen. Darüber freue ich mich.“

Mit Köpfchen

Auf dem unglaublich schweren Kurs in Oberhof kommt es auf eine gute Renneinteilung an. Laegreid meinte dazu: „Es ist sehr hart. Du weißt, dass es ein großer Kampf wird. Wenn du am Anfang denkst, es läuft ganz gut und gibst dann etwas mehr Gas, kann sich das in der letzten Runde schnell rächen. Die Strecke ist schwer, man muss mit Köpfchen agieren.“

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Fabien Claude (Frankreich) wurde Vierter (zwei Strafrunden, 30,7 Sekunden Rückstand). Der Italiener Lukas Hofer kam mit 36,5 Sekunden Rückstand und vier Strafrunden auf Platz fünf. Sechster wurde Jakov Fak aus Slowenien mit einem Fehlschuss und 41,2 Sekunden Rückstand.

Norweger geben den Ton an

Das Verfolgungsrennen der Herren begann genauso wie zuvor das Rennen der Damen: Norwegen lag vom Start weg in Führung. Bei leichtem Nebel und nahezu windstillen Bedingungen gab zunächst Johannes Thingnes Boe das Tempo vor. Wie Tiril Eckhoff bei den Damen ging auch Boe aggressiv in die erste Runde und versuchte, seinen Vorsprung gegenüber seinem nach ihm gestarteten Bruder sowie den 58 anderen Athleten weiter auszubauen. Nach einem Fehlschuss im ersten Liegendschießen musste JT seinen fehlerfrei gebliebenen Bruder mit einer Sekunde Rückstand vorbeiziehen lassen. Zehn, zwölf bzw. 15 Sekunden dahinter folgten Laegreid, Hofer und Dale, die allesamt fünf Treffer landeten.

Sturla Holm Laegreid gewinnt bei norwegischem Dreifacherfolg

Brüder im Gleichschritt

Die Boe-Brüder drückten gehörig aufs Gaspedal und bauten ihren Vorsprung bei der nächsten Zwischenzeit um weitere neun Sekunden auf die Verfolgergruppe um Laegreid aus. Dann kamen sie gemeinsam zum zweiten Liegendanschlag: Auch hier blieb Tarjei ohne Fehler, während sein Bruder einmal in die Strafrunde abbiegen musste. Dale ging nach fehlerfreier Schießeinlage 20 Sekunden hinter dem Führenden gemeinsam mit JT auf die Laufstrecke. Weitere 20 Sekunden danach folgten Laegreid und Hofer nach jeweils einem Fehlschuss.

Tarjei in Führung

Tarjei Boe behauptete seinen Vorsprung auch beim ersten Stehendschießen. Nachdem er die ersten drei Patronen schnell ins Ziel brachte, musste er kurz durchschnaufen, bevor er auch die letzten beiden Scheiben traf. Auf Bahn zwei kam sein Bruder an den Schießstand. Der Träger des Gelben Trikots setzte gleich vier Schüsse daneben und musste damit seine Hoffnungen aufs Podium begraben. Dale hingegen räumte wieder alle Scheiben ab und hatte damit 15 von 15 möglichen Treffern zu diesem Zeitpunkt gelandet. Er ging als Zweiter zurück in die Loipe, gefolgt von Laegreid (15 Sekunden zurück) und Hofer (ein Schießfehler).

Fehlschüsse wirbeln Reihenfolge durcheinander

Bei Kilometer 9,5 lag Tarjei Boe noch 15 Sekunden vor Dale, der den Rückstand jedoch Schritt für Schritt verkürzen konnte. Dann stand das letzte Schießen des Tages auf dem Programm, bei dem das Tableau noch einmal gehörig durcheinandergewirbelt wurde. Tarjei verfehlte gleich die ersten drei Scheiben, Dale schoss genauso wie Hofer zwei Mal daneben, Laegreid und Fak verbuchten jeweils einen Fehlschuss. Nachdem die Athleten ihre jeweiligen Strafrunden absolviert hatten, lag Laegreid auf einmal in Führung. Zehn Sekunden dahinter ging Dale zurück auf die Laufstrecke, weitere zehn Sekunden dahinter folgte Tarjei Boe.

Nicht gut genug

Zu seinem letzten Stehendschießen meinte Dale nach dem Rennen: „Ich hatte ein wenig Bammel, meine Podiumsplatzierung noch zu verlieren. Wenn man sich in der letzten Schießeinlage zwei Fehler leistet, ist das natürlich nie gut. Das war einfach nicht gut genug heute. Zum Glück hatten wir eine Lücke zu den Jungs hinter uns. Ich wusste, dass sie fehlerfrei bleiben müssen, um mit uns zurück auf die Laufstrecke zu gehen. In der Strafrunde habe ich einen Blick auf den Bildschirm geworfen und gesehen, dass die anderen auch einige Fehler hatten. Da war mir klar, dass ich um Platz eins oder zwei kämpfen würde.“

Sturla Holm Laegreid gewinnt bei norwegischem Dreifacherfolg

Zweiter Dreifacherfolg

Laegreid hatte auf der Schlussrunde keine Probleme, seine Führung zu verteidigen. Am Ende führte er seine norwegischen Teamkollegen zum zweiten Dreifacherfolg in Serie.

Vernebelter Blick

Tarjei Boe war enttäuscht von seinem Abschneiden, wusste aber auch, dass es allein an ihm lag. „Ich bin frustriert. Der Sieg war zum Greifen nah, doch dann ist er mir vor meinen Augen aus den Händen geglitten. Aber ich bin selbst schuld. Da war kein Pech dabei. Ich bin weder gestürzt noch lag es an anderen Dingen außerhalb meiner Kontrolle. Es lag einfach an mir. Ich habe nicht abgeliefert, um hier zu gewinnen. Wenn heute etwas vernebelt war, dann mein Blick beim letzten Schießen. Bis dahin hat mir eigentlich alles perfekt in die Karten gespielt – sowohl am Schießstand als auch in der Loipe. Die Ski fühlten sich gut an und ich konnte das Rennen wie geplant gestalten. Doch als dann der erste Schuss beim letzten Schießen daneben ging, hat es mir irgendwie den Stecker gezogen. Ich konnte mich nicht mehr richtig fokussieren und habe nicht mehr so geschossen, wie ich es in solchen Situationen tun sollte.“

Photos: IBU/Christian Manzoni

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